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21.07.2012

15:18 Uhr

Gefährlicher Virus

Taliban verbieten Impfung gegen Kinderlähmung

In Pakistan sind Tausende Kinder dem lebensgefährlichen Poliovirus ausgesetzt weil Islamisten Impfungen verbieten. Die Aktion soll ein Protest gegen US-Drohnenangriffe sein. Ärzte sind entsetzt.

Ein Kind in Peshawar, Pakistan, wird gegen Polio geimpft. dpa

Ein Kind in Peshawar, Pakistan, wird gegen Polio geimpft.

IslamabadImpfen verboten! In weiten Teilen Pakistans untersagen radikalislamische Taliban den Menschen, ihre Kinder gegen Kinderlähmung schützen zu lassen. Fast überall auf der Welt gilt Polio als ausgerottet. Nur aus Nigeria, Afghanistan und Pakistan werden noch regelmäßig Fälle gemeldet. Ausgerechnet in den Stammesgebieten im Nordwesten Pakistans kündigten die Islamisten nun ein Polio-Impfverbot an - aus Protest gegen US-Drohnenangriffe. In der Region geben die Taliban mit ihren Verbindungen zur Terrororganisation Al-Kaida den Ton an. Hinter impfenden Helfern vermuten sie Spione oder Schlimmeres.

Das Verbot gefährde Hunderttausende Kinder, warnen die Gesundheitsbehörden. Sie sind allerdings machtlos. „Mehr als 200 000 Kinder sind ohne Impfstoff“, sagt Mazhar Nisar von der Polio-Beobachtungsstelle der Regierung. „Das macht die Kinder verwundbar.“ Polio-Infektionen können zu schweren, dauerhaften Lähmungen oder gar zum Tod führen.

Der islamistische Milizenführer Hafiz Gul Bahadur aus Nord-Wasiristan war einer der ersten, der Impfungen untersagte. Als Sanitäter verkleidete Spione würden die Impfaktion nützen, um die Region für bevorstehende Drohnenangriffe auszuspionieren, behauptete Bahadur. Im benachbarten Süd-Wasiristan ließ der Islamistenführer Maulvi Nazeer Flugblätter mit folgendem Inhalt verteilen: „Im Gewand dieser Impfkampagnen operieren die Spionage-Ringe der USA und ihrer Verbündeten ... Sie haben Tod und Vernichtung in Form der Drohnenangriffe gebracht.“

Seit Jahren stellen Islamisten diese Behauptungen auf - die Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden 2011 war noch einmal Wasser auf ihre Mühlen. Im Rahmen einer vorgetäuschten Polio-Vorsorgeaktion in Bin Ladens Versteck Abbottabad soll ein pakistanischer Arzt den Amerikanern geholfen haben, an DNA-Proben der Familie zu kommen. Im Mai wurde der Arzt Shakeel Afridi zu 33 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestreitet, dass Afridi eine Polio-Impfaktion durchgeführt hat.

Kommentare (10)

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HBLeser

21.07.2012, 16:16 Uhr

Unerhört!!

Tabu

21.07.2012, 16:28 Uhr

Es muß ein Ende haben mit der erpresserischen Willkür
perverser Erwachsener,gegen unbedarfte Kinder..
Sei es Beschneidung,als Kindersoldat,bewußte Tötung,weil
sie Kinder des Feindes sind(Aussagen in Srebenica)
oder zur sexuellen Triebauslebung benutzt werden..
Schrecklich genug,das es abermillionen solcher Täter gibt.
Kinder haben das Recht unter dem Schutz ihrer Mütter
unbehelligt groß zu werden,wenn Männer sich an ihnen
immer wieder grausamst ausleben wollen..

donnvervogel

21.07.2012, 18:12 Uhr

âlles hat sein Gutes, warum nicht auch eine Anti-Haltung gegen Impfungen ???
Das heisst zumindest, dass wir es in 10-20 Jahren mit weniger Islamisten zu tun haben werden, die uns hier (in der noch freiheitlichen und christilich geprägten Welt) das Leben schwer machen werden (Zitat: "ich schlachte Dich ab..."...

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