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25.03.2013

10:28 Uhr

Gefahr aus Nordkorea

USA und Südkorea planen für den Ernstfall

Immer wieder kommen Provokationen aus Nordkorea – bislang meist nur verbal. Für den Fall einer militärischen Aktion haben die Streitkräfte der USA und Südkoreas einen Einsatzplan entwickelt. Details sind bislang unklar.

Nordkorea droht USA mit Blitzkrieg

Video: Nordkorea droht USA mit Blitzkrieg

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SeoulDie Streitkräfte der USA und Südkoreas haben nach eigenen Angaben einen gemeinsamen Einsatzplan für den Fall militärischer Provokationen durch Nordkorea entwickelt. Er erlaube eine „unmittelbare und entschiedene Reaktion auf jede nordkoreanische Provokation“. Der Plan sei nach dem nordkoreanischen Angriff auf die zu Südkorea gehörende Insel Yonpyong im November 2010 entwickelt und am vergangenen Freitag unterzeichnet worden, teilten die US-Streitkräfte Korea (USFK) am Sonntag mit.

Wie der Ernstfall-Plan im Detail aussieht, blieb unklar, ebenso, was genau als „Provokation“ aufgefasst wird. Militärs in Südkorea deuteten jedoch an, dass die USA ihrem Bündnispartner auch bei begrenzten Konflikten sofort beistehen würden und nicht erst bei Ausbruch eines Kriegs. Die USA haben in Südkorea 28.500 Soldaten als Abschreckung gegen das kommunistische Nordkorea stationiert.

Chronologie: Nordkorea und seine Atombomben

1989

Ein US-Spionagesatellit macht erste Aufnahmen der nordkoreanischen Atomanlage Yongbyon.

1994

Pjöngjang legt den Atomreaktor im Rahmen eines Abkommens mit den USA still und erhält dafür Zusagen für den Bau zweier Leichtwasserreaktoren.

1998

Abschuss einer nordkoreanischen Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-1.

2002

US-Präsident George W. Bush erklärt Nordkorea im Januar zu einem Teil der "Achse des Bösen". Im Dezember reaktiviert Pjöngjang den Atomreaktor Yongbyon und weist Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus.

2003

Nordkorea kündigt im Januar den Atomwaffensperrvertrag auf. Im August beginnen Sechs-Nationen-Gespräche zur Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms mit Nord- und Südkorea, China, USA, Japan und Russland.

2005

Nordkorea gibt im Februar bekannt, Atomwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt zu haben.

2006

Nordkorea nimmt am 9. Oktober den ersten Atombomben-Test vor. Der UN-Sicherheitsrat beschließt Sanktionen.

2007

Nordkorea erklärt sich im Februar bereit, die Anlage in Yongbyon abzuschalten und Atominspektoren wieder ins Land zu lassen. Im Juli erklärt die IAEA, Yongbyon sei geschlossen.

2009

Im April startet Nordkorea eine Langstreckenrakete mit tausenden Kilometern Reichweite. Die Regierung in Pjöngjang zieht sich aus den Sechs-Parteien-Gesprächen zurück und kündigt die Wiederaufnahme des Atomprogramms an. Am 24. Mai nimmt Nordkorea einen zweiten Atombombentest vor. Am 12. Juni werden die UN-Sanktionen verschärft.

2011

Nach dem Tod des langjährigen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il am 17. Dezember kommt sein jüngster Sohn Kim Jong Un an die Macht.

2012

Nach einem fehlgeschlagenen Test der Rakete Unha-3 im April gelingt ein zweiter Abschuss des Raketentyps im Dezember.

2013

Der UN-Sicherheitsrat verschärft am 22. Januar die Sanktionen erneut, zwei Tage später kündigt die Führung in Pjöngjang einen neuen Atomtest an. Am 12. Februar vollzieht Nordkorea nach eigenen Angaben "erfolgreich" einen unterirdischen Atomtest.

2014

In seiner Neujahrsansprache kündigt Diktator Kim Jong-Un gegenüber den USA eine „massive nukleare Katastrophe“ an, sollte auf der koreanischen Halbinsel ein Krieg ausbrechen. Im September veröffentlicht die IAEA einen Bericht, wonach der Atomreaktor Nyongbyon wieder in Betrieb sei, und belegt dies mit Satellitenbildern.

2015

Im Januar bietet Kim Jong-Un an, das Atomwaffenprogramm Nordkoreas aufzugeben, wenn die USA auf gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea verzichten. Im Mai verbreitet Pjöngjang, dass Nordkorea inzwischen auch Langstreckenraketen mit entsprechend miniaturisierten Nuklearwaffen ausrüsten zu können – eine offene Drohung in Richtung USA.

2016

Gleich zu Beginn des Jahres gibt Nordkorea bekannt, erstmals erfolgreich den Einsatz einer Wasserstoff-Bombe getestet zu haben. Chinesische und US-amerikanische Behörden bezweifeln die Behauptung aufgrund seismischer Signale in der Nähe des Testgeländes, die eher auf die Explosion einer Spaltbombe hindeuten. Einen Monat später führt Pjöngjang einen Raketentest durch: Am 7. Februar startet eine Unha-3-Trägerrakete und bringt einen Satelliten in die Erdumlaufbahn. Die USA, Südkorea und Japan werten den Start jedoch als Test einer atomar bestückbaren Langstreckenrakete – und erlassen erneut Sanktionen gegen Nordkorea.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel ist seit dem dritten nordkoreanischen Atomtest im Februar äußerst gespannt. Angesichts der Ausweitung von UN-Sanktionen wegen des Tests und jährlicher südkoreanisch-amerikanischer Militärübungen hatte Pjöngjang erklärt, den Waffenstillstandsvertrag von 1953 zur Beendigung des Korea-Kriegs und alle Entspannungsabkommen mit Südkorea nicht mehr anzuerkennen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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hanji

25.03.2013, 17:51 Uhr

Etwas kritische journalistische Distanz täte hier gut. Da tischen uns Pentagon, CIA und ihre noch im Amt befindlichen Militärs in der Südarmee (aus der MB Lee Administration) fast täglich auf, wie gefährlich der Norden ist. Ok, die verbalen Provokationen sind deftig, aber nicht neu mit Blick auf die letzten Jahrzehnte. Die angeblichen Atombombentests sind nur vielleicht nuklear, nachdem man bei allen 3 Versuchen nicht den geringsten radioaktiven Fallout messen konnte. Die "militärischen Provokationen" von 2010 (Cheonan Fregatte, Insel Yonpyong) lassen sich von unabhängigen Experten sowie von der südkoreanischen Bevölkerung leicht als fingierte oder sogar provozierte Provokationen entlarven. Die Faktenlage gegen die Version des CIA ist in beiden Fällen erdrückend. Nur das interessiert die deutsche Presse nicht, da es nicht ins Klischee von der bösen Nord-Diktatur passt.

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