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29.04.2013

13:45 Uhr

„Gefahr der kompletten Schließung“

Nordkorea droht erneut mit Ende für innerkoreanischen Industriepark

Erneut hat Nordkorea das Ende des gemeinsam mit Südkorea betriebenen Industrieparks von Kaesong in Erwägung gezogen. Der grenznahe Sonderwirtschaftszone wurde zuvor bereits ein Produktionsstopp auferlegt.

Seoul hat allen Südkoreaner bereits geraten, Kaesong aus Sicherheitsgründen zu verlassen. Reuters

Seoul hat allen Südkoreaner bereits geraten, Kaesong aus Sicherheitsgründen zu verlassen.

SeoulNordkorea hat erneut mit der Schließung des gemeinsam mit Südkorea betriebenen Industrieparks von Kaesong auf seinem Gebiet gedroht. Die offizielle Zeitung „Rodong Sinmun“ gab Südkorea am Montag die Schuld für die verschärften Spannungen auf der koreanischen Halbinsel. Seoul sei dafür verantwortlich, die grenznahe Sonderwirtschaftszone „in die Gefahr der kompletten Schließung“ gebracht zu haben. Nordkorea werde, „wie bereits vorgewarnt, einen entscheidenden Schritt unternehmen“.

Seoul hatte angekündigt, dass alle noch in Kaesong verbliebenen Südkoreaner zu ihrem eigenen Schutz zurückkehren sollten. Die für Montag geplante Rückkehr der letzten Gruppe von 50 Südkoreanern verzögerte sich zunächst. Beide Seiten würden noch beraten, sagte eine Sprecherin des Vereinigungsministeriums in Seoul. Man erwarte die Gruppe jedoch noch im Verlauf des Tages zurück.

Nordkorea und seine Rakete

Was deutet auf einen bevorstehenden Test hin?

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat Geheimdienstberichte bestätigt, wonach Nordkorea mindestens eine Mittelstreckenrakete mit dem Zug an die Ostküste des Landes transportiert habe. Die Rakete wurde demnach bereits auf eine mobile Abschussvorrichtung montiert. Südkoreanische Medien berichteten, dass zwei Raketen an die Küste gebracht wurden.

Um was für Raketen handelt es sich?

Dazu äußerte sich das südkoreanische Verteidigungsministerium nicht genau. Es sprach lediglich von einer Mittelstreckenrakete mit "erheblicher Reichweite". Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militär- und Regierungsvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Mudusan.

Was ist über die Mudusan-Rakete bekannt?

Dieser Raketentyp wurde erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Die Sicherheitsberatungsfirma IHS Jane's ist der Ansicht, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete mit einem einzelnen Sprengkopf handelt, die auf der Straße transportiert werden kann und mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Sie basiere auf der russischen R-27 und nutze auch Technik von Raketen des Typs Scud.

Welche Reichweite und Tragfähigkeit hat die Rakete?

Den Sicherheitsexperten zufolge kann die Rakete 2500 bis 4000 Kilometer weit fliegen. Damit könnte sie von Nordkorea aus mindestens Südkorea und Japan erreichen, möglicherweise aber auch US-Militärstützpunkte auf der Pazifikinsel Guam.

Kann die Rakete Nuklearsprengköpfe transportieren?

Das ist theoretisch möglich. Die meisten Experten sind allerdings der Ansicht, dass Nordkorea bislang nicht über die nötige Technologie verfügt, um Nuklearsprengköpfe auf Raketen zu montieren.

Gibt es Experten, die diesen Beschreibungen widersprechen?

Ja, und zwar zwei deutsche Experten. Markus Schiller und Robert Schmucker aus München sind der Ansicht, dass es die Mudusan-Rakete gar nicht gibt. Das im Oktober 2012 vorgeführte Modell sei lediglich eine Attrappe gewesen. Zwar sei ein Raketentest durchaus vorstellbar, meinen die beiden Experten. Doch dann würde höchstwahrscheinlich ein ausländisches Modell verwendet und kein in Nordkorea hergestelltes.

Fast drei Wochen nach dem Produktionsstopp in Kaesong waren zuletzt am Samstag 126 Südkoreaner in ihre Heimat zurückgekehrt. Mit dem Abzug ihrer Mitarbeiter folgen die in Kaesong tätigen südkoreanischen Unternehmen der Weisung Seouls, das kommunistische Nachbarland zu verlassen. Einen Vorschlag Seouls zu Gesprächen über den Kaesong-Komplex hatte Pjöngjang zuvor abgelehnt.

Von

dpa

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