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09.05.2011

10:33 Uhr

Gefahr für die Euro-Zone

Griechen-Krise schürt Angst vor Flächenbrand

VonDietmar Neuerer

ExklusivIn der Euro-Zone wachsen die Zweifel, dass Griechenland ohne drastische Maßnahmen seine Finanzprobleme noch bewältigen kann. Wäre eine Abkehr vom Euro der Heilsbringer? Experten sehen diesen Schritt äußerst kritisch.

Anti-Europa-Proteste in Griechenland (Archivbild vom März 2011). Quelle: Reuters

Anti-Europa-Proteste in Griechenland (Archivbild vom März 2011).

DüsseldorfDer Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, hat vor den Folgen eines möglichen Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone gewarnt. "Der Austritt Griechenlands wäre ein Irrweg, dessen gravierende Konsequenzen von seinen Befürwortern wohl kaum zu Ende gedacht worden sein dürften", sagte Horn Handelsblatt Online. "Am schlimmsten wäre, dass die mit diesen Schritten erzeugte Unsicherheit auf den Finanzmärkten die berechtigte Erwartung weiterer Austritte hervorrufen würde." Käme es dann nach Griechenland zu weiteren Euro-Austritten, wäre nach Horns Überzeugung das Ende der Euro-Zone vorgezeichnet. "Gerade für Deutschland käme eine solche Entwicklung einer massiven Aufwertung seiner Währung gleich, was auch die deutsche Wirtschaft in erhebliche Probleme stürzen würde."

Ähnlich äußerte sich der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Zwar hätten die Einführung einer weichen Drachme den Vorteil, dass die griechischen Güter aus Sicht der ausländischen Kunden billger würden, sagte Krämer Handelsblatt Online. "Aber es gäbe zwei gewaltige Nachteile: Zum ersten würden die Griechen ihre Banken stürmen, um sich ihre Guthaben in Euro auszahlen zu lassen und so der erwarteten Drachme-Abwertung zu umgehen. Zum zweiten müssten viele griechische Unternehmen ihre Auslandsschulden mit harten Euros zurückzahlen, vielen drohte dann Ùberschuldung", erläuterte der Ökonom und fügte hinzu: "Für Griechenland wäre ein Austritt aus dem Euroraum sehr gefährlich."

Für abwegig hält auch EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny die Euro-Austritt-Theorie. Wie das Wiener Magazin „Profil“ am Montag berichtete, nannte der österreichische Notenbankpräsident derartige Überlegungen Unsinn. Ein Austritt sei technisch und wirtschaftlich undenkbar. Ein solcher Schritt hätte zur Folge, dass es zu einem „Bankrun“ käme - also dass die Bürger ihre Spareinlagen abzögen.

In der Euro-Zone gibt es zunehmend Zweifel, dass Griechenland ohne neue drastische Schritte und neue Hilfen seiner Finanzprobleme noch Herr werden kann. Zuletzt wurde in Medien auch über eine Rückkehr des Landes zu einer nationalen Währung und damit der Abkehr vom Euro spekuliert. Genährt wurden Spekulationen über eine Verschärfung der Schuldenprobleme und eine doch näher rückende Umschuldung durch ein Treffen führender Vertreter des Währungsraums und der EU am Freitagabend in Luxemburg. Das Treffen hatten die Teilnehmer geheim halten wollen.

Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou stemmt sich vehement gegen einen Bericht, in dem von Überlegungen über einen Austritt des Landes aus der Euro-Zone die Rede gewesen war. "Solche Szenarien bewegen sich an der Grenze des Kriminellen", schäumte er am Samstag in Athen. Selbst in den Hinterzimmern der Regierung sei das kein Thema. Man solle Griechenland in Ruhe seine Probleme abarbeiten lassen. Auch das Führungsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) Erkki Liikanen unterstrich am Samstag: "Kein Land der Euro-Zone will den Euro aufgeben."

Um das Thema Euro-Ausstieg sei es bei dem Treffen in Luxemburg nicht gegangen, sagte Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker anschließend. Das sei "eine dumme Idee". Und auch eine Umschuldung Griechenlands sei erneut ausgeschlossen worden. "Wir wollen nicht, dass der Euro-Raum ohne Grund explodiert", sagte der luxemburgische Regierungschef.

Kommentare (33)

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EUjaEUROnein

09.05.2011, 09:54 Uhr

Wir haben viele Länder auf ein Niveau gezogen, das schlicht weg vom Ret nicht z bezahlen ist!
Warum eigentlich?
Die Global Players sind doch nicht ganz dicht!
EU lassen EURO nur noch Kernländer D + A + CH + .....

Alex

09.05.2011, 09:58 Uhr

F. Forsyth: "Nun steckt Europa in der Krise, und man sagte uns, es liege zunächst an der Bankenkrise und nun an den beinahe kriminellen ökonomischen Machenschaften eines halben Dutzend der „Club Med“-Mitglieder der EU.
...
Die Wahrheit ist, daß von uns allen erwartet wird, wie Ackergäule zu schuften, um die Karrieren einer privilegierten Elite zu retten, die uns den ganzen Schlamassel überhaupt erst eingebrockt hat. Wir sollen zu Bettlern werden, damit die Brüsseler Kleptokratie in Saus und Braus so weiterleben kann wie zuvor.

Hier bei uns haben die Briten D. Cameron klargemacht, daß wir dank der EU-Fanatiker Tony Blair und Gordon Brown ausreichend eigene Schulden haben. Wenn er also nach Sarkozys Pfeife tanzen wollte, würde er sich ziemlichen Ärger einhandeln. Denn unter den Briten sagt inzwischen eine Mehrheit: Genug ist genug!

Und die Deutschen? Ihr gehorsamen, fügsamen, „Jawohl!“-murmelnden Deutschen? Habt Ihr immer noch nicht genug? Laßt mich Euch einen Vorschlag machen: Eure Verfassung verbietet Euch, Euch per Referendum zu befragen – aus seit langem irrelevant gewordenen historischen Gründen. Ich glaube, das sollte sich ändern, zugunsten eines Systems, das dem der Schweiz ähnlicher und demokratischer ist. Ich glaube, Ihr Deutschen verdient es, über Eure Währung, Wirtschaft und Eure Zukunft selbst abstimmen zu dürfen! Würde das das Ende Europas bedeuten? Natürlich nicht, was für ein Quatsch! ... Die EU ist seit nunmehr zwanzig Jahren nur noch ein Projekt, das einer kleinen herrschenden Klasse dient, die sich längst über die Prinzipien der Demokratie hinweggesetzt hat.

Ich glaube, die Europäer könnten ein anderes Europa haben, ein Europa der Nationen, de Gaulles „Europa der Vaterländer“
...
Sie müssen endlich einräumen, daß das, was in Brüssel als „Le Projet“ bezeichnet und hinter verschlossenen Türen als „Vereinigte Staaten von Europa“ konstruiert wird, tot ist.
..."

www.jf-archiv.de/online-archiv/file.asp?Folder=10&File=201025061838.htm

Petra

09.05.2011, 10:06 Uhr

Das Hauptargument gegen einen Austritt Griechenlands, eine Aufwertung der deutschen Währung, zählt nicht!
Deutschland hatte zu DM-Zeiten die härteste Währung. War das ein Nachteil? Nein! Damit wurden wir sogar zur Weltmacht!!! Wir konnten Rohstoffe billiger einkaufen. Da Deutschland keine Massenprodukte, sondern hochwertige Produkte mit technischem Vorsprung verkauft, ist der Preis zweitranging. Die Ölscheichs kaufen einen SLS auch wenn er 10% teurer ist. Der Yuppie aus den USA den Porsche ebenfalls. Auch hochwerige Maschinen werden im Ausland weiterhin gekauft, wenn die Währung stärker ist. Deutschland hat mit einer Aufwertung weniger Probleme als die restlichen Staaten! Es gibt für Deutschland keinen überzeugenden Grund für einen Erhalt des EURO um jeden Preis!

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