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18.12.2014

04:44 Uhr

Gefangenenaustausch

Ende der Eiszeit zwischen USA und Kuba

Nur etwa 150 Kilometer trennen Kuba vom den USA. Doch ideologisch liegen zwischen den Staaten Welten. Nach langen Verhandlungen zeichnet sich eine Kehrtwende ab – dabei soll der Papst eine zentrale Rolle gespielt haben.

USA und Kuba

Kubaner freuen sich über Ende der Feindschaft

USA und Kuba: Kubaner freuen sich über Ende der Feindschaft

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Havanna/WashingtonNach jahrzehntelanger Eiszeit schlagen die USA und Kuba ein neues Kapitel ihrer diplomatischen Beziehungen auf. In Havanna soll in den kommenden Monaten wieder eine US-Botschaft eröffnet werden, zudem sollen einige Beschränkungen beim Handel und bei Finanzgeschäften aufgehoben werden. Das gaben US-Präsident Barack Obama und sein kubanischer Amtskollege Raúl Castro am Mittwoch zeitgleich in Fernsehansprachen bekannt. Am Dienstag hatten die beiden Präsidenten erstmals miteinander telefoniert.

Die US-Regierung plant nach eigenen Angaben "in den kommenden Monaten" die Eröffnung einer Botschaft in Havanna. Das Weiße Haus will zudem Beschränkungen bei Reisen und Geldtransfers von in den USA lebenden Exil-Kubanern in ihr Heimatland weiter lockern. Außerdem soll die Ausfuhr bestimmter Güter - wie Baustoffe und landwirtschaftliches Gerät - nach Kuba erlaubt werden. US-Telekommunikationsfirmen sollen auf der Karibikinsel Geschäfte machen dürfen, um dort unter anderem den Internetzugang zu verbessern.

Beide Staaten unterhalten seit mehr als 50 Jahren keine diplomatischen Beziehungen. Die USA überzogen den Karibikstaat nach der Machtübernahme Fidel Castros mit einem scharfen Wirtschafts- und Handelsembargo, unter anderem weil Kuba das Eigentum amerikanischer Unternehmen auf der Insel verstaatlichte und sich dem Kommunismus zuwandte. 1961 versuchte eine Söldnertruppe von Exilkubanern mit Hilfe des US-Geheimdienstes CIA, das Regime zu stürzen. Kubas Revolutionsarmee schlug die Invasion in der Schweinebucht zurück.

Daten und Fakten über die USA

Fläche

Mit einer Fläche von 9.809.155 Quadratkilometern sind die Vereinigten Staaten laut Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) der drittgrößte Staat der Erde.

Bevölkerung

Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) betrug die Gesamtbevölkerung der USA im Jahr 2013 rund 317 Millionen Einwohner.

Hauptstadt

Die Hauptstadt der USA ist Washington D.C. Die Stadt selbst hat etwa 646.000 Einwohner, im Großraum haben sich etwa 5,7 Millionen Menschen niedergelassen. (Stand: 2014)

Staatsform

Die Staatsform der USA ist eine föderale und präsidentielle Republik.

Präsident

Barack H. Obama ist der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er befindet sich in seiner zweiten Amtszeit.

BIP

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA beläuft sich nach Angaben des Auswärtigen Amts auf etwa 16,72 Billionen US-Dollar. (Stand: 2013)

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten lag im Juli 2014 bei 6,2 Prozent. Vor der Wirtschaftskrise lag die Quote im Jahr 2007 noch bei 4,6 Prozent, 2010 stieg sie zwischenzeitlich auf 9,6 Prozent an.

Außenhandel

Die USA sind nach Angaben des Auswärtigen Amts weltgrößter Absatzmarkt für Importgüter und standen als Exporteur 2013 (nur Waren) hinter China an zweiter Stelle.

„Wir können die Geschichte zwischen uns niemals ausradieren“, sagte Obama, doch das Erbe der Kolonisierung und des Kommunismus müsse nun überwunden werden. Castro dankte insbesondere Papst Franziskus für seine Vermittlung der Gespräche, ebenso wie der Regierung Kanadas. Dort hatten seit dem Sommer 2013 mehrere Treffen zwischen beiden Seiten stattgefunden. „Das heißt aber nicht, dass das Wichtigste gelöst ist“, stellte Castro klar.

Der Vatikan bestätigte, dass der Papst die historische Annäherung vermittelt hat. Franziskus habe Obama und Castro in einem Brief aufgefordert, „humanitäre Probleme von gemeinsamem Interesse zu lösen, darunter die Lage von gewissen Gefangenen, um eine neue Phase in den Beziehungen beider Seiten einzuleiten“.

Der Papst gehörte am Mittwoch zu den ersten Gratulanten, er begrüßte eine "historische Entscheidung" und sicherte beiden Seiten weitere Unterstützung zu. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte die Annäherung.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) würdigte "das Ende der Sprachlosigkeit" zwischen Havanna und Washington. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini erklärte, sie wolle den "historischen Wendepunkt" nutzen, damit auch die EU ihre Beziehungen zu "allen Teilen der kubanischen Gesellschaft" ausweiten könne.

Kommentare (11)

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Herr Günther Schemutat

17.12.2014, 18:19 Uhr

Man merkt das Obama seinen Vorhof sauber halten will und einer
russischen Diplomatischen Aktion zuvor kommen will. Das erste was ich als Putin machen würde, wäre schon längst mit Kuba sehr enge Beziehungen einzugehen. Aber nun hat Obama einen Stopp gesetzt und es zu spät. Russland soll weltweit eingeschnürt werden, aber das gute ist eben auch, dass die fröhlichen Kubaner endlich
Autos und andere Sachen kaufen können und auch reisen können.

Allerdings werden die Castros wohl kurzfristig aus ihren Ämtern gejagt werden. Die Jugend hat nichts mehr mit Schweinebucht und Kommunismus zu tun.

Herr Peter Spiegel

17.12.2014, 18:33 Uhr

Irrtum es geht um China.

Herr Paul Mueller

17.12.2014, 20:27 Uhr

Obama wird mit der Heuchelei aufhören, wenn er meint mit Russland ferig zu sein, oder von Selbigen ordentlich auf die Fresse bekommen hat. Danach wird er Kuba wieder zur "Axis of evil" erklären. Castro wird das wissen.

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