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03.01.2007

11:44 Uhr

Gefangenenlager Guananamo

FBI bestätigt Hitze- und Sexfolter

Hitze- und Kältefolter, sexuelle Demütigung oder Einwickeln von Muslimen in eine israelische Flagge - nur einige der Foltermethoden, die FBI-Mitarbeiter im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba beobachteten. Für eine Stellungnahme an eine Bürgerrechtsorganisation gaben Hunderte Beamte jetzt ihre Beobachtungen zu Protokoll.

Bärtiger Gefangener mit Aufseherin um US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba. Foto: ap ap

Bärtiger Gefangener mit Aufseherin um US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba. Foto: ap

HB WASHINGTON. Die US-Bundespolizei FBI veröffentlichte jetzt auf Antrag der Amerikanischen Union für Bürgerrechte (ACLU) mehr als zwei Dutzend Fälle, in denen Häftlinge in dem umstrittenen Gefängnis mutmaßlich misshandelt wurden. Die Dokumente basieren auf der Befragung aller 493 FBI- Mitarbeiter, die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in dem Gefangenenlager waren. 26 mal bestätigten die Bundespolizisten, dass sie in Guantanamo aggressives Verhalten gegenüber Häftlingen beobachteten, das nicht mit den geltenden Regeln im Einklang gestanden habe.

Beschrieben wird unter anderem, „wie Gefangene an Händen und Füßen gefesselt in Embryonalstellung am Boden der Verhörräume über 18, 24 oder mehr Stunden ohne Nahrung oder Wasser“ gelegen hätten. Vielfach hätten die hilflosen Häftlinge dabei im eigenen Urin und Kot liegen müssen.

Andere Gefangene seien bei auf Vollast laufender Klimaanlage „zitternd vor Kälte“ oder in ungelüfteten, brütend heißen Räumen eingesperrt worden. Ein Häftling sei so lange in einem heißen Raum ohne Lüftung festgehalten worden, bis er sich vor Verzweiflung die Haare ausriss. In einem Fall sei „der Kopf eines vollbärtigen Häftlings mit Klebeband umwickelt“ worden, um ihm am Rezitieren von Koranversen zu hindern. Einen weiteren Gefangenen habe man in eine israelische Flagge gehüllt.

Verantwortlich für die Misshandlungen waren dem Bericht zufolge sowohl Militärbeamte als auch die privaten Wachdienste in Guantanamo. Einige von ihnen erklärten den FBI-Beamten, dass die Verhörpraktiken von Vertretern des Verteidigungsministeriums gebilligt worden seien, darunter dem früheren Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Ein Pentagon-Sprecher wandte dagegen ein, dass in zahlreichen Untersuchungen über den Betrieb von Gefangenenlagern keine Anweisungen zutage getreten seien, die Misshandlungen billigten.

Zum Teil waren die dokumentierten Fälle schon bekannt. Der Vorsitzende des Justizausschusses im neu gewählten Senat, der demokratische Politiker Patrick Leahy, sagte, die Behandlung von Gefangenen werde im Kongress künftig eine wichtige Rolle spielen.

Die FBI-Unterlagen hatte die Bürgerrechtsunion für ihren Rechtsstreit im Interesse der Misshandelten angefordert. ACLU hat wegen der Vorfälle in Guantanamo den früheren Verteidigungsminister Rumsfeld verklagt. US-Präsident George W. Bush hat im Oktober aggressive Verhörmethoden per Gesetz genehmigt, diese aber nicht näher definiert. ACLU-Anwalt Jameel Jaffer sagte, die Unterlagen zeigten, dass eine schärfere Kontrolle seitens des Kongresses nötig sei.

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