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30.08.2014

11:57 Uhr

Gefechte auf den Golanhöhen

Uno-Soldaten kämpfen gegen syrische Rebellen

Uno-Soldaten sind auf den Golanhöhen von Kämpfern der syrischen Rebellen angegriffen worden. Zuvor hatte die radikalislamische Miliz rund 70 Blauhelme von den Fidschi-Inseln eingekesselt.

Philippinische Uno-Soldaten sollen von syrischen Rebellen auf den Golanhöhen angegriffen werden (Archivbild). AFP

Philippinische Uno-Soldaten sollen von syrischen Rebellen auf den Golanhöhen angegriffen werden (Archivbild).

ManilaSyrische Rebellen haben auf den Golanhöhen im Süden des Landes eingeschlossene philippinische UN-Soldaten angegriffen. Zwischen beiden Seiten seien Kämpfe ausgebrochen, sagte ein Sprecher der philippinischen Armee dem einheimischen Fernsehsender ANC. Einige der eingeschlossenen Blauhelme hätten ihren Posten verlassen können. 30 weitere Männer seien in den Schusswechsel mit den Rebellen verwickelt gewesen.

Die radialislamische Al-Nusra-Front hatte am Donnerstag 72 philippinische UN-Blauhelme auf den syrischen Golanhöhen eingekesselt. Weitere 44 Mitglieder der UN-Beobachtertruppe nahm die Miliz gefangen. Dabei handelt es sich um Soldaten der Fidschi-Inseln. Die Blauhelmsoldaten beobachten auf den Golanhöhen den Waffenstillstand zwischen Israel und Syrien.

Bereits in der Nacht zu Samstag waren in der Region Kämpfe zwischen Soldaten der syrischen Armee und Rebellen ausgebrochen. Bei Bombenangriffen des Militärs seien mindestens drei Regimegegner getötet worden, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Demnach waren in der Gegend am Samstag auch Schüsse der Al-Nusra-Front zu hören.

Die einflussreichsten Rebellengruppen in Syrien

Islamische Front

Sie ist ein Zusammenschluss aus sechs großen islamistischen Gruppen. Die Islamische Front ist vermutlich die größte Rebellenallianz in Syrien und verfügt über 40.000 bis 50.000 Kämpfer. Ihre Mitglieder sind sunnitische Extremisten, die einen islamischen Staat in Syrien errichten wollen. Die Haltung der Islamischen Front gegenüber den Extremisten von IS ist ambivalent. Teile der Gruppe unterstützen aber den Kampf gegen sie.

Nusra-Front

In der einflussreichen Rebellengruppe sind sowohl syrische als auch ausländische Extremisten aktiv. Sie ist von Al-Kaida offiziell als Ableger in Syrien anerkannt. Die Nusra-Front hat als erste Gruppierung in Syrien Selbstmord- und Autobombenanschläge in Stadtgebieten verübt. Sie kämpft für einen islamischen Staat, hat zwischen 7000 und 8000 Anhänger und arbeitete bislang eng mit der Islamischen Front zusammen.

Islamischer Staat

Die Gruppe wurde von abtrünnigen Mitgliedern der Nusra-Front gebildet und vereinigte sich mit dem Al-Kaida-Ableger im Irak. Früher nannte sie sich Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil). Angeführt wird IS von Abu Bakr al-Baghdadi, der die Forderung der Al-Kaida ignorierte, den Schwerpunkt der Aktivitäten auf den Irak zu legen. Anfang des Jahres kappte Al-Kaida die Verbindungen zur IS, die als die militanteste Extremistengruppen in Syrien gilt.

Zunächst hatte die Gruppierung unter anderem wegen ihrer strikten Haltung gegen Plünderungen einen Großteil der syrischen Bevölkerung auf ihrer Seite. Dies änderte sich, als sie begann, Kritiker zu entführen und zu töten.

Derzeit kämpft IS an mehreren Fronten - gegen rivalisierende Rebellen in Syrien und gegen die Kurden im Nordirak. Die Gruppe soll über 6000 bis 7000 Kämpfer verfügen. Im Irak wird sie durch Zehntausende Kämpfer sunnitischer Stämme unterstützt, die von der Zentralregierung in Bagdad enttäuscht sind.

Syrische revolutionäre Front

Die Allianz aus weitgehend nicht ideologisch geprägten Rebellen-Einheiten formierte sich im Dezember. Das Rückgrat der Gruppe bildet die Syrische Märtyrer-Brigade, eine einst einflussreiche Gruppe aus der nördlichen Provinz Idlib unter Führung von Dschamal Maruf. Ihm war von rivalisierenden Rebellengruppen vorgeworfen worden, für den Aufstand bestimmtes Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Die Anhänger der revolutionären Front sind weitgehend moderate Islamisten. Finanziell unterstützt wird die Gruppe vermutlich von Golfstaaten wie Saudi-Arabien.


Mudschaheddin-Armee

Sie bildete sich zu Jahresbeginn aus acht syrischen Gruppen und startete eine Offensive gegen die Extremisten von IS. Die Allianz ist moderat islamistisch und hat nach eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder.


Höchstes Militärkommando

Es handelt sich um eine moderate, nicht ideologische Gruppe. Sie wird von westlichen Ländern wie den USA unterstützt. Auch die Türkei und die arabischen Golfstaaten stehen auf ihrer Seite. Sie hat niemals den Eindruck ausräumen können, dass ihre Führung aus dem Ausland kommt.

Die gefangenen Soldaten sollen nach Angaben eines Sprechers der Vereinten Nationen sicher und wohlauf sein. Angeblich würden sie in ihrem eigenen Interesse festgehalten. „Die UN wurden informiert, dass es die Absicht war, die Friedensschützer von einem aktiven Gefechtsfeld zu ihrem eigenen Schutz in sicheres Gebiet zu bringen“, heißt es in einer UN-Erklärung.

Die UN hätten „aus sicherer Quelle“ vom Zustand der Soldaten erfahren. Zu ihnen bestehe kein direkter Kontakt. Dagegen haben die Vereinten Nationen Funkverbindung zu den eingekesselten philippinische Soldaten.

UN-Sprecher Stéphane Dujarric hatte am Freitag gesagt, die Vereinten Nationen sprächen „mit allen Seiten“, um eine Freilassung der Gefangenen zu erreichen. Er forderte im Namen der Vereinten Nationen erneut die Freilassung der UN-Soldaten. Zuvor hatte es Gerüchte gegeben, die Freilassung stünde kurz bevor. Entsprechende Meldungen bestätigten sich zunächst jedoch nicht.

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