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27.08.2014

11:50 Uhr

Gefechte in der Ostukraine

Mindestens drei Tote bei Beschuss in Donezk

Separatisten und Regierungstruppen liefern sich in der Ostukraine weiter heftige Gefechte. In Donezk starben am Mittwoch mindestens drei Zivilisten. Angeblich rollt eine weitere russische Militärkolonne ins Kampfgebiet.

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Kiew/MoskauTrotz des Minsker Krisengipfels haben das ukrainische Militär und prorussische Aufständische in Donezk ihre Kämpfe fortgesetzt. Bei Beschuss seien mindestens drei Zivilisten getötet worden, teilte der Stadtrat am Mittwoch mit.

Bei Kämpfen um die Stadt Ilowaisk und die strategisch wichtige Anhöhe Saur-Mogila seien auf beiden Seiten zahlreiche Kämpfer getötet und verletzt worden, berichteten Medien in der krisengeschüttelten Ex-Sowjetrepublik am Mittwoch.

Sowohl die Armee als auch die prorussischen Aufständischen sprachen von Gebietsgewinnen. Unabhängige Berichte gab es zunächst nicht.

Zudem hat die ukrainische Armee das Eindringen einer weiteren russischen Militärkolonne in den umkämpften Südosten des Landes gemeldet. Es gebe Informationen über eine Kolonne aus hundert Fahrzeugen, darunter Panzer, Truppentransporter und Grad-Raketenwerfer, die sich auf dem Weg in die Ortschaft Telmanowe befinde, erklärte die Armee am Mittwoch. Die Fahrzeuge seien mit einem Dreieck oder einem weißen Kreis markiert. Telmanowe liegt rund 80 Kilometer südlich der Separatistenhochburg Donezk und 20 Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt.

Die Streitthemen bim Ukraine-Gipfel

Die humanitäre Situation in der Ostukraine

Die Menschen in der Großstadt Lugansk haben nach Angaben des Stadtrats seit mehr als drei Wochen keinen Strom und kein Wasser. Auch in der Separatistenhochburg Donezk ist die Versorgung schlecht. Russland spricht von einer „humanitären Katastrophe“ im Krisengebiet. Eigenmächtig hat Moskau einen Konvoi mit Hilfsgütern nach Lugansk geschickt - unter lautem Protest aus Kiew, das dem Kreml eine „Invasion“ vorwarf. Am Montag kündigte Russland einen zweiten Hilfskonvoi an. Die Ukraine wirft Russland vor, die prorussischen Separatisten auszurüsten.

Die militärische Lage im Konfliktgebiet

Die Nato hat Russland mehrfach vor einer Militärintervention in der Ostukraine gewarnt und auf Truppenkonzentration an der Grenze hingewiesen. Immer wieder berichten zudem die Behörden in Kiew von illegalen Grenzüberschreitungen russischer Kämpfer. Auch Kriegsgerät soll in großem Stil aus Russland in das Separatistengebiet geschafft worden sein. Russland weist diese Vorwürfe entschieden zurück.

Der Gasstreit zwischen der Ukraine und Russland

Seit Juni erhält die Ukraine von Russland kein Gas mehr. Der Streit dreht sich um die Höhe der Schulden Kiews für bereits erfolgte Lieferungen. Der Gasstopp wurde verhängt, weil die unter Vermittlung der EU geführten Verhandlungen über Nachzahlungen erfolglos geblieben waren. Brüssel ist stark an einer Einigung der beiden Seiten interessiert, weil die Hälfte der russischen Gaslieferungen an die EU über das Leitungsnetz der Ukraine fließen. Insgesamt kommt ein Drittel des EU-weit verbrauchten Erdgases aus Russland. Brüssel möchte neue Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine einleiten. Die Kommission hat die Ukraine vor Sanktionen gegen Russland gewarnt. Strafmaßnahmen könnten die Belieferung der EU mit russischem Gas gefährden.

Das Freihandelsabkommen der EU mit der Ukraine

Russland fürchtet, dass das im Juni geschlossene Assoziierungs- und Freihandelsabkommen zwischen der Ukraine und der EU den Handel zwischen Moskau und Kiew beeinträchtigen könnte. Die EU hat stets versucht, diese Bedenken zu entkräften. Nichts hindere Russland und die Ukraine am Ausbau ihrer Handelsbeziehungen. Allerdings sei eine Mitgliedschaft der Ukraine in der Eurasischen Zollunion, die von Russland, Weißrussland und Kasachstan gebildet wird, nicht möglich.

Eurasische Zollunion

Nach der EU-Osterweiterung 2004 wollte Moskau ein wirtschaftliches und politisches Gegengewicht zu Brüssel schaffen. 2011 bildeten Russland, Weißrussland und Kasachstan eine Zollunion. Im Folgejahr wurde ein einheitlicher Wirtschaftsraum gegründet, der einen freien Austausch von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskräften garantieren soll. Ziel ist eine bereits vereinbarte Eurasische Wirtschaftsunion, die ab Januar 2015 gelten soll. Mit ihr soll ein gemeinsam koordinierter Markt geschaffen werden. Armenien und Kirgistan denken über eine Mitgliedschaft nach. Auch für die Ukraine, Moldau und Georgien war eine Mitgliedschaft angedacht, doch die Länder entschieden sich für eine stärkere Anbindung an die EU.

Außerdem liegt Telmanowe etwa 40 Kilometer nördlich der Küstenstadt Nowoasowsk, vor der am Dienstag nach ukrainischen Armeeangaben eine weitere russische Militärkolonne gestoppt wurde. Kiew meldete zudem, eine Kolonne aus sechs Grad-Raketenwerfern und Lastwagen mit Kämpfern sei nahe der Ortschaft Dibrowka von Russland in die Ukraine eingedrungen. Kiew wirft Russland seit Monaten vor, die Separatisten mit Kämpfern und Waffen zu unterstützen. Moskau bestreitet dies, doch wurden am Montag erstmals zehn russische Soldaten im Osten der Ukraine festgenommen und identifiziert.

Im Ringen um einen zweiten russischen Hilfskonvoi für die notleidende Bevölkerung in der umkämpften Ostukraine ist nach Moskauer Angaben ein Durchbruch in Sicht. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und sein russischer Kollege Wladimir Putin hätten sich am Dienstag im Grundsatz geeinigt, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow am Mittwoch. „Die Hilfe wird unter Schirmherrschaft des Roten Kreuzes und in vollständiger Zusammenarbeit mit der ukrainischen Regierung gewährleistet“, zitierte die Nachrichtenagentur Itar-Tass den Kreml-Sprecher.

Moskau hatte nach wochenlangem Tauziehen vor wenigen Tagen einen ersten Hilfskonvoi ohne umfassende Absprache mit Kiew in die Rebellengebiete gebracht. Am Montag kündigte Russlands Außenminister Sergej Lawrow dann die Entsendung eines zweiten Konvois an und provozierte damit den Argwohn der ukrainischen Regierung.

Für ein in Minsk geplantes Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe haben die Aufständischen nach eigenen Angaben noch keine Einladung erhalten. Der weißrussische Staatschef Alexander Lukaschenko hatte angekündigt, die Gruppe könne schon an diesem Mittwoch zusammenkommen. An dem Gesprächsforum sollen sich die Ukraine, die Separatisten, Russland und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) beteiligen.

Kommentare (47)

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Herr Jürgen Jantschik

27.08.2014, 10:54 Uhr

Das kann man heute bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten lesen !
Krieg im Osten: Ukrainische Armee gerät in die Defensive
Deutsche Wirtschafts Nachrichten | Veröffentlicht: 27.08.14, 00:13 | Aktualisiert: 27.08.14, 08:44 | 61 Kommentare
Das ukrainische Militär ist in der Ostukraine offenbar in die Defensive geraten. 13 von 15 ostukrainischen Städten sind unter der Kontrolle der Separatisten. Lediglich in den Städten Ilowaisk und Charzysk hat das Militär noch die Oberhand. Doch auch dort ist die Lage aus Sicht der Ukraine und des mit Kiew verbündeten Westens besorgniserregend.

Die Rebellen haben die Truppen des Militärs weitgehend eingekreist, wie Itar-TASS meldet. Die Verbände werden an vielen Stellen von den Separatisten aufgerieben. Die anfänglichen Erfolge des ukrainischen Militärs sind verpufft, die groß angekündigte Erstürmung von Donezk musste vorerst abgeblasen werden – und das, obwohl die Ukraine ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung mit Raketen auf die Stadt geschossen hat.

Herr Die Wahrheit oder nichts

27.08.2014, 11:07 Uhr

Bereits gestern berichtete RIA-Novosti, dass 7.000 ukrainische Soldaten eingekesselt seien. Die Separatisten hätten ihnen freien Abzug versprochen, wenn sie aufgeben und ihre Waffen abgeben würden.
Die heutigen Berichte scheinen diesen Bericht zu bestätigen. Überhaupt scheint RIA-Novosti näher an der Wahrheit als die Westpropagandamedien.
Die ukrainische Armee sollte sich einmal die Frage stellen, ob die Kohle einiger Oligarchen und die Gier der EUSA nach ukrainischen Rohstoffen es wert sind, dafür zu verrecken.

Herr C. Falk

27.08.2014, 12:21 Uhr

Wenn Moskau in der Ostukraine militärisch interveniert
hat Kiew auch nicht den Hauch einer Chance.

Wahrscheinlich will Putin das einmal "kurz andeuten"
damit Herr Poroschenko die richtigen Schlüsse hinsichtlich einer Minsker Übereinkunft zieht.

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