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27.03.2013

03:28 Uhr

Gegen Islamisten

Uno regt Kampfverband in Mali an

Frankreich hofft, dass der UN-Sicherheitsrat eine Friedenstruppe in Mali aufbaut. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat dem Gremium nun einen Bericht vorgelegt. Sein Vorschlag geht über einen Blauhelm-Einsatz hinaus.

Französische Soldaten im Norden Malis. Reuters

Französische Soldaten im Norden Malis.

New YorkUN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Bildung eins Verbandes zum Kampf gegen Islamisten in Mail vorgeschlagen. Die Einheit solle zwar kein formelles UN-Mandat erhalten, erklärte Ban am Dienstag in einem Brief an die Mitgliedsstaaten des Sicherheitsrates. Dieser solle den Kampfverband jedoch informell billigen.

Aus Diplomatenkreisen verlautete, vermutlich würden die bereits in Mali stationierten französischen Truppen den Kern der Einheit bilden. Zudem regte Ban an, die in Mali eingesetzten afrikanischen Soldaten der UN zu unterstellen.

Für einen Friedenseinsatz der Uno in Mali sind nach Ansicht von Ban bis zu 11.200 Soldaten notwendig. Diese könnten allerdings nur die Ortschaften absichern, die am stärksten gefährdet seien, erklärte er in dem Bericht.

Es sei daher "absolut notwendig", dass es parallel zu der Friedenstruppe auch Kräfte für Kampfeinsätze und Terrorismusbekämpfung gebe. Diese sollten in Mali und möglicherweise auch in benachbarten Ländern eingesetzt werden.

Was in Mali auf dem Spiel steht

Wieso schreitet die alte Kolonialmacht Frankreich erst jetzt ein?

Frankreich hat in den vergangenen Monaten wiederholt die USA und die UN zum Eingreifen im Norden Malis bewegen wollen, allerdings mit wenig Erfolg. Bei allen Handlungen muss Paris auch immer das Schicksal der französischen Geiseln in der Hand von Islamisten in Afrika berücksichtigen. Es geht auch um Wirtschaftsinteressen. Der Vormarsch der Islamisten auf die strategisch wichtige Stadt Mopti zwang Paris zum Handeln. Seit langem sieht Frankreich seinen Einfluss in der Sahelzone, drei Flugstunden südlich von Europa, in Gefahr. Der Terror dort könnte auf Frankreich selbst übergreifen, weil viele der Gotteskrieger französisch sprechen und Verwandte im Land haben.

Aus welchen Kräften setzt sich die Dreier-Allianz der islamistischen Rebellen im Norden Malis zusammen?

Die Kämpfer der Terrororganisation Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQM) gelten als Anführer. Sie sollen durch Drogenschmuggel und Lösegelder für entführte Ausländer über Dutzende Millionen Dollar verfügen. Geheimdiensten zufolge haben die Islamisten insgesamt 6000 ausgebildete Kämpfer in Nordmali, darunter Dschihadisten aus Ägypten, dem Sudan und anderen Staaten. In den Reihen der Islamisten kämpfen auch Männer des nordmalischen Volks der Tuareg. Sie nennen sich Ansar Dine. An ihrer Seite steht die „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (MUJAO), die ebenfalls die Scharia durchzusetzen will.

Wieso droht ausgerechnet Mali zum „zweiten Afghanistan“ werden?

Mali galt lange als einer der wenigen demokratischen Musterstaaten Afrikas. Nach einem Militärputsch in der im Süden gelegenen Hauptstadt Bamako im März 2012 eroberten Tuareg-Kämpfer gemeinsam mit Islamistengruppen den Norden Malis. In Timbuktu, wo Moscheen, Mausoleen und Friedhöfe zum Weltkulturerbe gehören, ließen die Islamisten mehrere historische Heiligtümer zerstören. Experten fürchten, dass der riesige Norden Malis ohne staatliche Kontrolle ebenso wie Afghanistan unter den Taliban zu einer Brutstätte für islamistische Terrornetzwerke wird. Auch in Afghanistan wurde die Weltöffentlichkeit erst durch die Zerstörung von Kulturgütern auf den Konflikt aufmerksam.

Afrika-Kenner schreiben, der Konflikt in Mali sei eine späte Rache des ermordeten libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi. Wie hängt das zusammen?

Der libysche Diktator hatte kampferprobte Tuareg-Männer aus dem benachbarten Nordmali für seine Streitkräfte rekrutiert. Nach Gaddafis Sturz kehrten viele mit modernen Waffen in die Heimat zurück. Dort verschafften sie den Aufständischen die entscheidende Schlagkraft im Kampf gegen die Zentralregierung im Süden.

Hat die internationale Staatengemeinschaft zu lange die Entwicklungen in Mali ignoriert?

Die dramatische Entwicklung ist eine Katastrophe mit Ankündigung. Über Monate warnten Frankreich, die USA und auch die Vereinten Nationen wechselseitig vor den Gotteskriegern aus Nordmali. Doch aus Sicht der Interimsregierung passierte viel zu wenig. Alarmiert von den jüngsten Vorstößen der Islamisten rief der Weltsicherheitsrat am Freitag dazu auf, die afrikanisch geführte Unterstützungsmission Afisma müsse schneller in Gang gesetzt werden. Dabei war die Entsendung schon Wochen vorher beschlossen worden. Ein Hindernis war bislang, dass es in Mali Vorbehalte gegen den Einmarsch von Soldaten aus Nachbarstaaten gab. Zudem wurde befürchtet, dass der Konflikt sich auch auf andere Länder der Region ausweiten könnte.

Kann es sein, dass deutsche Soldaten bald Seite an Seite mit den Franzosen in Mali kämpfen werden?

Deutschland schließt einen Kampfeinsatz der Bundeswehr in dem westafrikanischen Krisenstaat derzeit aus. Die Europäische Union plant seit längerem, etwa 200 Militärberater zu entsenden. Sie sollen malische Soldaten auf den Kampf gegen Rebellen vorbereiten. Auch Bundeswehrsoldaten dürften bei der Ausbildung mit dabei sein. Bisher war geplant, die Ausbilder innerhalb der ersten drei Monate dieses Jahres nach Mali zu schicken. Nach den jüngsten Entwicklungen hat die EU angekündigt, die Militärausbilder schneller zu entsenden. Quelle: dpa

"Terroristische Gruppen" sowie die "Weitergabe von Waffen, selbstgebaute Bomben, Blindgänger und Landminen dürften eine erhebliche Bedrohung darstellen", erklärte Ban. Die zweite Truppe werde benötigt, um Aufgaben zu übernehmen, die das Mandat und die Fähigkeiten von UN-Blauhelmen überstiegen. Ban sagte nicht, wer die zweite Truppe bereitstellen soll.

De Maizière sichert Mali Unterstützung zu

Video: De Maizière sichert Mali Unterstützung zu

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Am 11. Januar hatte die französische Armee zur Unterstützung der malischen Truppen einen Einsatz gegen islamistische Kämpfer im Norden Malis begonnen. Islamisten hatten etwa die Hälfte von Mali unter ihre Kontrolle gebracht, bis sie mit Hilfe französischer Soldaten in die nördlichen Berge zurückgedrängt wurden.

Unterstützt werden die Soldaten in dem westafrikanischen Krisenland vor allem von Soldaten aus dem Tschad. Die Islamisten wurden inzwischen aus den wichtigen Städten der Region vertrieben, französische Soldaten gehen derzeit im Ifoghas-Gebirge im Nordosten des Landes gegen sie vor. Die Regierung in Paris will ihre Truppen Ende April abziehen.

Der UN-Sicherheitsrat soll sich am Mittwoch mit Bans Bericht befassen. Frankreich hofft, dass das Gremium im April eine Resolution verabschiedet, um den Aufbau einer Friedenstruppe einzuleiten. Diese könnte im Juli ihren Einsatz beginnen.

Kommentare (2)

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Thomas-Melber-Stuttgart

27.03.2013, 08:39 Uhr

Entweder es gibt eine offiziell legitimierte Mission mit einem entsprechenden Mandat (einschließlich Zielen) und "rules of engagement" (ROE), oder der Einsatz findet in einer völkerrechtlichen Dunkel-Grauzone statt. Wie kann der VN-Generalsekretär letzteres vorschlagen?

gerhard

27.03.2013, 13:24 Uhr

Terrorismusbekämpfung gebe. Diese sollten in Mali und möglicherweise auch in benachbarten Ländern eingesetzt werden…..Die zweite Truppe werde benötigt, um Aufgaben zu übernehmen, die das Mandat und die Fähigkeiten von UN-Blauhelmen überstiegen. Ban sagte nicht, wer die zweite Truppe bereitstellen soll. (Zitate)

Absolut notwendig .. und wer die zweite Truppe sein soll? Damit wird schon wieder der nächste „Krieg“ jetzt mit einer „Friedenstruppe“ herbei „gebetet“ und wer soll nun die zweite Truppe sein. Natürlich wieder - wie in Afghanistan?
:„Frankreich hofft, dass das Gremium im April eine Resolution verabschiedet, um den Aufbau einer Friedenstruppe einzuleiten“(Zitat)

«An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen» (heißt es zwar nach Matthäus 7,16)“,– sinngemäß sind diese Früchte aber hier durch „Worten“ zu ersetzen. um die politisch geplanten Vorhaben rechtzeitig vorher und nicht immer erst hinterher zu entlarven .

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