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29.01.2014

00:46 Uhr

Gegen Kursverfall

Türkische Notenbank hebt Leitzins drastisch an

Die türkische Notenbank greift zu außergewöhnlichen Maßnahmen und erhöht den Leitzins von 4,5 auf 10 Prozent. Für die Wirtschaft und den türkischen Regierungschef Erdogan könnte das deutliche Konsequenzen haben.

Die US-Geldpolitik hat die türkische Lira massiv unter Druck gebracht. Reuters

Die US-Geldpolitik hat die türkische Lira massiv unter Druck gebracht.

AnkaraDie türkische Notenbank reagiert trotz des Widerstands von Regierungschef Recep Tayyip Erdogan mit einer unerwartet kräftigen Zinserhöhung auf den jüngsten Kursverfall der Lira. Wie die Notenbank CBRT am späten Dienstagabend nach einer Krisensitzung in Ankara mitteilte, steigt der Leitzins (Benchmark Repo Rate) von bisher 4,50 auf 10,00 Prozent. Den Zinssatz für Übernacht-Kredite beträgt nunmehr 12,00 (bisher 7,75) Prozent, der für Übernacht-Ausleihungen 8,00 (bisher 3,50) Prozent. In einer ersten Reaktion legte die Lira zum Euro um mehrere Prozent zu.

Die türkische Währung steht seit Wochen massiv unter Druck. Nach dem argentinischen Peso musste sie seit Jahresbeginn die stärksten Verluste aller Schwellenländerwährungen hinnehmen. Ausschlaggebend ist ein Gemisch aus politischen und wirtschaftlichen Gründen. So steht die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wegen eines Korruptionsskandals mit dem Rücken zur Wand. Hinzu kommt die starke Abhängigkeit des Landes von ausländischem Kapital, was sich in hohen Handelsdefiziten spiegelt. Die Inflation liegt gegenwärtig mit 7,4 Prozent auf hohem Niveau.

Euro gegen den Rest der Welt - Währungsbilanz 2013

Chinesischer Yuan

Euro/Yuan +0,8 Prozent

Britisches Pfund

Euro/Pfund +2 Prozent

Schweizer Franken

Euro/Franken +2,5 Prozent

US-Dollar

Euro/US-Dollar +3,7 Prozent

Russischer Rubel

Euro/Rubel +13,2 Prozent

Kanadischer Dollar

Euro/Kan. Dollar +13,3 Prozent

Norwegische Krone

Euro/Nor. Krone +14,7 Prozent

Australischer Dollar

Euro/Aus-Dollar +22,2 Prozent

Japanischer Yen

Euro/Yen +24,1 Prozent

Türkische Lira

Euro/Türk. Lira +26,6 Prozent

Südafrikanischer Rand

Euro/Rand +28,8 Prozent

Erschwerend wiegt für die Türkei wie für viele andere Schwellenländer der Geldentzug der amerikanischen Notenbank Fed. Die Federal Reserve will ihre zur Konjunkturbelebung aufgelegten Wertpapierkäufe in diesem Jahr schrittweise zurückfahren. Dies veranlasst viele Investoren, Kapital aus aufstrebenden Ländern abzuziehen, was die Einfuhr von Gütern und Dienstleistungen erschwert.

Nach Meinung von Beobachtern wurde die ohnehin angespannte Lage von der Notenbank zusätzlich angefacht. In einer als halbherzig empfunden Entscheidung hatte sie vor rund einer Woche den Zins, zu dem sich Banken über Nacht bei ihr Geld beschaffen können, nur für bestimmte Tage angehoben. Die Lira geriet daraufhin unter zusätzlichen Druck.

Wenige Tage später intervenierte die Notenbank erstmals seit mehr als zwei Jahren außerplanmäßig am Devisenmarkt. Die Wirkung verpuffte allerdings. Beobachter rechnen vor, dass die Währungshüter nicht über ausreichende Devisenreserven verfügen, um diesen Kurs länger durchhalten zu können.

Notenbankchef Erdem Basci hatte angesichts der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung in der Türkei die Leitzinsen bisher niedrig gehalten. Zuletzt häuften sich Berichte, dass Regierungschef Erdogan sich gegen Leitzinserhöhungen ausgesprochen hat. „Trotz aller Diffamierungskampagnen und all der Sabotage bahnt sich die türkische Wirtschaft ihren Weg auf solide und unverwüstliche Weise“, sagte Erdogan. 2013 seien so viele Autos, Kühlschränke und Waschmaschinen gekauft worden wie noch nie.

Die regierungsnahe Zeitung „Yeni Safak“ warf der „Zinslobby in New York und London“ vor, die Lira nach unten geprügelt zu haben und damit die Zentralbank zu erpressen.

Kommentare (13)

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Zinsgewinne

29.01.2014, 09:43 Uhr

Genau so muss es sein! Den Währungsverfall mit Zinserhöhungen von 4,5 auf 10 Prozent begegnen und dann geht die Post ab!!! Das ist doch eine Steilvorlage für alle anderen Länder der Welt! Erst rauf dann steigen die Lurse und anschließend wieder runter dann steigen die Kurse erst recht....was soll da noch passieren. Ich habe nur Bedenken, das man überall auf der Welt auf ähnliche Schritte zurückgreifen wird, weil wir dann wohl etwas zu schnell auf 15 000 DAX-Punkte steigen dürften!

Kevin

29.01.2014, 10:51 Uhr

Wie arbeiten Notenbanken, sehr interessant.

http://www.youtube.com/watch?v=1rvPPxnITzU

Ameise

29.01.2014, 10:59 Uhr

..natürlich sind bei Misserfolg immer die anderen Schuld, typische Haltung moslemischer Länder. Kann mich gut erinnern, dass ein Erdogan posaunte, die EU würde auf Knien rutschend die Türkei um einen Beitritt bitten, Lol. Waschmaschine und Kühlschränke, so so. Das ist Erdogans Definition für wirtschaftlichen Erfolg, hahaha. You made my day.

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