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05.01.2010

13:51 Uhr

Geheimdienst-Kritik

CIA in Afghanistan „ahnungslos und uninteressiert“

Externe Gutachter lassen kein gutes Haar an der Arbeit der US-Geheimdienste in Afghanistan. Statt die entscheidenden Fragen zu beantworten hätten die Agenten einzelnen Aufständischen hinterhergespürt. Die US-Geheimdienste seien daher "für die Gesamtstrategie nur marginal relevant" - Ein hartes Urteil, welches zudem ausgerechnet am Tag des Geheimdienstgipfels im Weißen Haus an die Öffentlichkeit dringt.

Wappen des CIA: Arbeit in Afghanistan weitestgehend wertlos? dpa

Wappen des CIA: Arbeit in Afghanistan weitestgehend wertlos?

HB WASHINGTON. Keine Ahnung, keine Meinung, kein Konzept? Nach acht Jahren Krieg am Hindukusch lässt ein Expertenbericht kein gutes Haar an der Aufklärungsarbeit der US-Geheimdienste in Afghanistan. Für die Gesamtstrategie seien sie nur am Rande von Bedeutung, befanden die Autoren. Knapp eine Woche nach dem Selbstmordanschlag eines Doppelagenten auf einen CIA-Vorposten rieten sie den Spionen und Auswertern dringend, sich statt auf die Aufständischen mehr auf die afghanische Bevölkerung zu konzentrieren.

Der 26 Seiten umfassende Bericht eines ranghohen Geheimdienstoffiziers der NATO-Truppen und zweier weiterer Berater wurde am Montag vom Center for a New American Security veröffentlicht, einer Denkfabrik für Sicherheitspolitik in Washington. US-Generalmajor Michael Flynn schreibt darin, die Agenten und Analytiker könnten "kaum mehr tun als mit den Schultern zucken", wenn Entscheidungsträger auf hoher Ebene nach den Erkenntnissen, Einschätzungen und Informationen fragten, die sie zur erfolgreichen Aufstandsbekämpfung benötigten.

Weil sie sich hauptsächlich darauf konzentriert hätten, Informationen über Gruppierungen von Aufständischen zu sammeln und zu analysieren, seien die US-Geheimdienste nicht imstande, entscheidende Fragen darüber zu beantworten, welche örtlichen Gegebenheiten die Soldaten vorfänden. Sie hätten keine Ahnung von örtlichen Wirtschaftsstrukturen und Landbesitzverhältnissen, nur eine vage Vorstellung, wer die Strippenzieher seien und wie sie beeinflusst werden könnten, seien nicht an den Zusammenhängen zwischen verschiedenen Entwicklungsprojekten interessiert und abgekoppelt von dejenigen Leuten, die in der besten Position seien, um Antworten zu finden.

"Der riesige Geheimdienstapparat ist außerstande, grundlegende Fragen über das Umfeld zu beantworten, in dem sich die US-Truppen und die Verbündeten bewegen, und über die Menschen, die sie auf ihre Seite ziehen wollen", urteilten die Experten. Die US-Geheimdienste, speziell der CIA unter Leitung von Leon Panetta, seien "für die Gesamtstrategie nur marginal relevant".

Als US-Präsident Barack Obama vor einem Jahr "seinen" Direktor des Geheimdienstes CIA präsentierte, reagierten selbst Politiker in den eigenen Reihen mit Kopfschütteln. Zwar gilt der 71-Jährige als ausgewiesener Troubleshooter und geschickter Manager - doch seine Erfahrungen mit Agenten und Doppelagenten, mit verdeckten Aktionen und Abhörpraktiken waren vor seiner Amtsübernahme gleich null. Das war ungewöhnlich in Washington - und könnte Panetta heute zum Nachteil gereichen.

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