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06.08.2012

20:31 Uhr

Geheimdienst Mossad

Syrien-Konflikt bedroht Irans Macht

VonPierre Heumann

ExklusivDer ehemalige Mossad-Chef sieht Syrien in der Schlüsselrolle von Irans Machtpolitik. Doch Assads Einfluss schwindet immer mehr. Das zeigt nicht zuletzt die Flucht seines Ministerpräsidenten Riad Hidschab ins Ausland.

Syrien Konflikt

Weißes Haus: Assads Macht schwindet

Syrien Konflikt: Weißes Haus: Assads Macht schwindet

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Damaskus/BerlinJe mehr Rückschläge das syrische Regime einstecken muss, desto schwächer werde auch der Iran: Das sagt der ehemalige Mossad-Chef Efraim Halevy im Interview mit Handelsblatt. Syrien sei für den Iran ein Schlüsselland im nördlichen Mittleren Osten: „Was in Syrien geschieht, ist für die Iraner eine ernsthafte Bedrohung“. Teheran sei darauf angewiesen, dass das Regime von Assad überlebt. Ein Rückschlag des syrischen Regimes wäre für Teheran eine strategische Niederlage beim Bestreben, im Mittleren Osten zur Hegemoniemacht aufzurücken, sagt Halevy.

Er ist überzeugt, dass iranische Soldaten auf der Seite von Assad aktiv engagiert sind. Ohne iranische Präsenz in Syrien wäre die Zahl der zivilen Opfer doppelt so hoch, sagte neulich ein hoher iranischer Offizier. „Das bedeutet nichts anderes“, sagt Halevy“, „als dass die Iraner in die Kämpfe verwickelt sind“.

Regionale Player im Syrien-Konflikt

Israel

Ein Einsatz syrischer Massenvernichtungswaffen ist ein Alptraum für Israel, das dem Konflikt bisher eher als Beobachter beiwohnte. Jetzt warnt Jerusalem laut davor, dass Assads Chemie- und Flugabwehrwaffen in die Hände der Hisbollah oder Al-Kaidas fallen könnten. Positiv wäre für Israel, dass sein Erzfeind Iran mit Assad seinen wichtigsten Stützpfeiler in der Region verlieren würde. Mit Assad könnte Israel allerdings auch einen Nachbarn verlieren, der für weitgehende Ruhe an der gemeinsamen Grenze gesorgt hat.

Saudi Arabien und Katar

Die sunnitischen Herrscher vom Golf unterstützen in Syrien - wie schon zuvor in Libyen - die islamisch-konservativen Kräfte. Und versuchen, einen Verbündeten ihres Erzfeindes Iran zu schwächen. Daheim können sie sich so als Unterstützer der Revolution präsentieren, ohne Protesten Vorschub zu leisten. Damaskus will in Saudi-Arabien und Katar die Urheber des „Komplotts“ gegen sich identifiziert haben.

Türkei

Das Nato-Mitglied ist seit langem einer der schärfsten Kritiker des syrischen Regimes. Weiter verschärft wurde das Verhältnis Ende Juni durch den Abschuss eines türkischen Kampfflugzeuges vor der syrischen Küste. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan sagte dem syrischen Volk daraufhin Unterstützung bis zur Befreiung von „Diktator“ Assad zu, bei weiteren Zwischenfällen werde sein Land mit Gewalt zurückschlagen. Ein Teil des Nachschubs der syrischen Rebellen wird durch die Türkei geschleust, die allerdings offiziell keine Waffen liefert.

Libanon

Das westliche Nachbarland Syriens ist zerrissen - eine gefährliche Lage. Die Sunniten im Libanon stehen mehrheitlich auf der Seite der syrischen Opposition, die zum Großteil ebenfalls aus Sunniten besteht. Über die Grenze werden auch Waffen geliefert. Die schiitische Hisbollah-Miliz hingegen, die in Beirut in der Regierung sitzt, ist mit dem Assad-Regime verbündet. Die Waffen, mit denen sie ihre Herrschaft sichert, kommen aus Damaskus. Seit einigen Wochen gibt es im Libanon Auseinandersetzungen zwischen pro- und anti-syrischen Gruppierungen, dabei gab es auch Tote.

Iran

Aus iranischer Sicht darf das syrische Regime keinesfalls fallen. Im Frühjahr erklärte Präsident Mahmud Ahmadinedschad, er kenne keine Grenzen bei seiner Unterstützung für Präsident Assad. Angeblich schickte Teheran Militärberater und Kämpfer. Ohne Assads Regime würde es für den Iran schwerer, die eigene anti-israelische Ideologie zu verbreiten. Auch die pro-iranischen Milizen, besonders die Hisbollah in Libanon, würden geschwächt. Zuletzt bestätigte der Iran Gespräche mit Regimegegnern in Syrien und brachte sich als Vermittler ins Gespräch.

Al-Kaida

Das Terrornetzwerk Al-Kaida versucht einmal mehr, auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Die Terroristen wollen sich als Speerspitze der Revolution präsentieren und das anschließende Tohuwabohu für ihre Zwecke nutzen.

Teheran warnt er davor, die Diskussionen in Israel über einen Angriff auf iranische Nuklearanlagen bloß „als eine Übung in psychologischer Kriegsführung“ anzusehen: „Die Iraner müssen realisieren, dass die militärische Option für Israel sowohl sehr realistisch als auch verfügbar ist. Es gibt eine militärische Option.“

Unterdessen wird die Luft um den syrischen Machthaber Baschar al-Assad wird dünner: Nach hohen Militärs und Diplomaten hat sich nun auch sein Ministerpräsident Riad Hidschab ins Ausland abgesetzt und den Aufständischen angeschlossen. „Ich gebe hiermit bekannt, dass ich mich vom mörderischen und terroristischen Regime abgewandt und mich der Revolution der Freiheit und Würde angeschlossen habe“, hieß es in einer Erklärung, die Hidschabs Sprecher Mohammed al-Ottri am Montag im arabischen Fernsehsender Al-Dschasira verlas.

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Zuvor hatten jordanische Sicherheitskreise dem Sender bestätigt, dass Hidschab über die grüne Grenze nach Jordanien geflohen ist. Als mögliches Ziel wurde das Golfemirat Katar genannt.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach von einem Wendepunkt und einem Zerfall des syrischen Regimes. „Die Zeit von Assad ist vorüber“, sagte er am Abend in London. Ähnlich äußerte sich das Weiße Haus in Washington. Die Tatsache, dass sich immer mehr hochrangige Vertreter absetzten, sei ein Zeichen, dass Assads Macht zunehmend bröckele, sagte Sprecher Jay Carney. Nun sei das syrische Volk am Zug. „Assad kann seine Kontrolle (über das Land) nicht wiederherstellen, weil es das syrische Volk nicht erlauben wird.“

Al-Ottris Erklärung zufolge plante Hidschab seine Flucht bereits seit mehr als zwei Monaten. Bewerkstelligt wurde sie mit Hilfe der aufständischen Freien Syrischen Armee. Zu seinem Nachfolger wurde der bisherige Vize-Ministerpräsident Omar Galawandschi bestimmt.

Kommentare (10)

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06.08.2012, 21:14 Uhr

O-Ton Hidschab
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Ich gebe hiermit bekannt, dass ich mich vom mörderischen und terroristischen Regime abgewandt und mich der Revolution der Freiheit und Würde angeschlossen habe.
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Nach 20-jähriger Karriere in der Baath-Partei bedarf ein solch plötzlicher Sinneswandel natürlich einer Erklärung.

Offensichtlich ist es den Terroristen gelungen den Ministerpräsidenten durch Drohungen gegen seine Familie zu dieser lächerlichen und vollkommen unglaubwürdigen Aussage zu zwingen.

Es zeigt aber nur, daß sich in Syrien jetzt die Spreu vom Weizen trennt.

Denn die Christen und Alewiten kämpfen dort um ihr nacktes Überleben. Woran ein sunnitischer Überläufer auch nichts ändert.

touspourun

06.08.2012, 21:41 Uhr

Die USA/Israel machen jeden Tag Tam Tam um Assads Syrien zu stürzen damit Sie den Iran weiter unter Druck setzen. Mit freundlicher Unterstützung der Mainstream Presse. Alles nur gelogen, gelogen, und noch mal gelogen. Wie die Massenvernichtungswaffen im Irak. Man stelle sich vor der Iran würde aktiv irgendwelche Terrorisen (wenn sie die Interessen der USA dienen sind es dann "Rebellen" wie in Libyen) unterstützen was wäre wohl dann los... Übrigens, die Enola Gay hat vor 67 Jahren 140.000 Japaner (Zivilisten) per Atombombe ausgelöscht. Das wäre Mal eine Nachricht wert, aber nicht für die [...]. Bush, Cheney, Rumsfeld und Obama gehören als Kriegsverbrecher angeklagt. Aber wie, die Cowboys werden nur dann angespannt wenn einer von ihnen aufgrund einer Verletzung der Genfer Konvention... Ansonsten heisst es Exekution von „vermuteten“ Terroristen per Knopfdruck durch eine Drohne irgendwo in Afghanistan, Pakistan oder Jemen auf Befehl von „El Presidente de los Estados Unidos“ Barack Obama. E K E L H A F T [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

Mouse

06.08.2012, 23:20 Uhr

Die Amis haben ja zugegeben, daß sie die "Rebellen-Terroristen" unterstützen. Da behauptet wird, daß sie nicht militärisch eingreifen, wird es wohl finaziell sein. Wie immer! die Amis glauben alles kaufen zu können und leider haben sie oft recht. Jeder ist wohl käuflich ab einem gewissen Preis - auch Ministerpräsidenten. Leider.

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