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29.05.2012

09:46 Uhr

Geheime Mission

Sprangen US-Soldaten über Nordkorea ab?

Wenn sie denn stattgefunden hat, war die Mission spektakulär: Spezialkommandos aus Südkorea und den USA sollen laut einem US-Magazin-Bericht mit Fallschirmen über Nordkorea abgesprungen sein. Das Pentagon dementiert.

Nordkoreanische Soldaten während einer Parade zum Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung. dapd

Nordkoreanische Soldaten während einer Parade zum Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung.

WashingtonZum Sammeln von Geheimdienstinformationen in Nordkorea sollen einem Medienbericht zufolge Spezialkommandos aus Südkorea und den USA mit dem Fallschirm über dem kommunistischen Land abgesprungen sein. Die Soldaten beider Länder seien dort zu „speziellen Aufklärungsmissionen“ im Einsatz gewesen, zitierte das Magazin „The Diplomat“ einen US-General. Die US-Armee dementierte den Bericht am Dienstag.

Seit dem Korea-Krieg habe der Norden tausende Tunnel gebaut, wurde US-Brigadegeneral Neil Tolley, Befehlshaber der US-Sondereinheiten in Südkorea, von „The Diplomat“ zitiert. „Die gesamte Tunnel-Infrastruktur ist vor unseren Satelliten versteckt“, sagte er bei einer Konferenz in Florida in der vergangenen Woche demnach weiter. Deshalb seien südkoreanische und US-Soldaten in den Norden geschickt worden, um Geheimdienstinformationen über unterirdische Militäreinrichtungen zu sammeln. „Nach 50 Jahren wissen wir immer noch wenig über die Fähigkeit und das volle Ausmaß“ der unterirdischen Einrichtungen, zitierte das Magazin des Verbandes der nationalen Verteidigungsindustrie Tolley auf seiner Website.

Hungerland mit Atomwaffen

Einwohner und Fläche

Der abgeschottete Staat hat knapp 25 Millionen Einwohner und ist mit gut 120.000 Quadratkilometern etwa so groß wie die frühere DDR.

Militärmacht

Das mehrfach von Hungersnöten erschütterte Nordkorea unterhält mit mehr als 1,2 Millionen Soldaten eine der größten Streitkräfte Asiens.

Menschenrechte

Nordkorea zählt zu den Ländern mit den schwersten Menschenrechtsverletzungen. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf 200.000 geschätzt.

Diktatur seit 1948

An der Spitze der von einem Geflecht aus Arbeiterpartei und Militär beherrschten Diktatur stand bis zu seinem Tod der „Geliebte Führer“ Kim Jong Il. Unter der Führung seines Vaters Kim Il Sung war die „Demokratische Volksrepublik Korea“ 1948 gegründet worden. Seit einiger Zeit wurde Kim Jong Ils Sohn Kim Jong Un als Nummer drei der kommunistischen Dynastie aufgebaut.

Misswirtschaft und Hungerkatastrophe

Misswirtschaft ruinierte das an Bodenschätzen reiche Land. Die Industrieproduktion ging seit 1990 um mehr als zwei Drittel zurück. Die meisten Einwohner sind bitterarm. 1997 führte eine durch Unwetter, Missernten und Zwangswirtschaft ausgelöste Hungerkatastrophe zu einem Massensterben. Nach UN-Schätzung sind gegenwärtig sechs Millionen Nordkoreaner von Hunger bedroht.

Atomwaffen

Trotz der hungernden Bevölkerung haben Ausgaben für das Militär Vorrang. Internationale Besorgnis löste Nordkoreas Atomprogramm aus, das zusammen mit dem Raketenprogramm des Landes als Bedrohung in der Region gilt. Nordkoreas Propaganda berichtet von Fortschritten bei der Produktion von schwach angereichertem Uran. Die US-Regierung befürchtet, dass das Uran-Programm letztlich dem Bau von Atomwaffen dient. Für die Herstellung von Atomsprengköpfen muss hochangereichertes Uran vorliegen.

Die Kommandos hatten demnach nur eine minimale Ausrüstung dabei, um ihre Bewegungen zu erleichtern und das Risiko, von den nordkoreanischen Sicherheitskräften entdeckt zu werden, zu minimieren. Nach Tolleys Angaben gibt es unter der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea mindestens vier Tunnel. Unter den identifizierten Einrichtungen seien 20 teilweise unter der Erde liegende Flugfelder und tausende Artillerieposten, hieß es weiter.

Die US-Armee dementierte den Medienbericht vehement. Einige Äußerungen Tolleys bei der Konferenz seien "völlig aus dem Zusammenhang" gerissen worden, erklärte Oberst Jonathan Withington von den US-Streitkräften für Korea. Zitate seien „erfunden“ und Tolley zugewiesen worden, erklärte er und dementierte, dass US- oder südkoreanische Soldaten über Nordkorea abgesprungen seien.

Nordkorea hatte im Oktober 2006 und im Mai 2009 Atomwaffentests vorgenommen. Zuletzt testete das Land Mitte April eine Rakete mit einem Satelliten, die jedoch kurz nach dem Start ins Meer stürzte. Die USA, Japan und Südkorea sahen in dem Satellitenstart den verdeckten Test einer Langstreckenrakete und damit einen Verstoß gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates.

Militär in Nord- und Südkorea

Zwei militärische Regionalmächte

An Koreas Waffenstillstandslinie am 38. Breitengrad stehen sich zwei von Großmächten unterstützte militärische Regionalmächte gegenüber. Während im westlich orientierten Südkorea Angaben über das Militär meist öffentlich zugänglich sind, beruhen Daten zur Armee des abgeschotteten Nordens meist auf Schätzungen.

Truppenstärke

Rund 1,19 Millionen Streitkräfte stehen Nordkorea zur Verfügung. Davon entfallen 1,02 Millionen auf das Heer, 60.000 auf die Marine und 110.000 auf die Luftwaffe. Außerdem stehen 600.000 Reservisten bereit. Südkorea besitzt eine Truppenstärke von rund 655.000 Menschen, wobei 522.000 auf das Heer, 68.000 auf die Marine und 65.000 auf die Luftwaffe entfallen. Zusätzlich gibt es in Südkorea 4,5 Millionen Reservisten.

Kampfpanzer

Nordkorea verfügt über 3.500 Kampfpanzer. In Südkorea sind es 2.750 an der Zahl.

Artilleriegeschütze

10.774 Artilleriegeschütze befinden sich im Besitz von Südkorea. Mehr als das doppelte, insgesamt etwa 21.000 Stück sind es in Nordkorea.

Boden-Boden-Raketen

Zu den Boden-Boden-Raketen zählen solche, die vom Boden aus gegen Bodenziele eingesetzt werden. Darunter fallen unter anderem Raketengranaten oder Panzerfäuste. 64 solcher Waffen hat Nordkorea zur Verfügung, 30 sind es in Südkorea.

Kampfflugzeuge

Etwa 620 Kampfflugzeuge sind in Nordkorea für den Einsatz bereit, davon entfallen 458 auf Jagdflugzeuge, 80 sind reine Bomber. Südkorea verfügt über 490 einsatzbereite Kampfflugzeuge, worunter sich 467 Jagdflugzeuge befinden.

Kriegsschiffe

Über lediglich drei Kriegsschiffe verfügt Nordkorea - allesamt Fregatten. 47 Schiffe stehen Südkorea zur Verfügung, darunter ein Kreuzer, 6 Zerstörer, 12 Fregatten und 30 Korvetten.

Taktische U-Boote

Solche U-Boote sind für gewöhnlich mit Torpedos bewaffnet. 70 dieser Boote hat Nordkorea auf Lager, 23 sind es in Südkorea.

Kleinere Küstenwachtboote

Nordkorea verfügt zusätzlich über 383 Küstenwachtboote. Südkorea kommt auf eine Zahl von 111.

Von

afp

Kommentare (7)

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Harald

29.05.2012, 09:22 Uhr

Die USA treten regelmäßig die Rechte anderer souveränder Staaten mit Füssen -ganz egal wie man nun zu Nordkorea steht- verlangen aber von anderen Staaten das sie dies nicht tun! Sie fangen regelmäßig Kriege mit anderen Ländern an um angeblich "humanitäre Hilfe" zu leisten und hinterlassen dann hunderttausende tote Zivilisten. Afgahnistan, Irak, Lybien! Es wird Zeit das wir diesen Kriegstreibern die Zusammenarbeit aufkündigen!

Temmler

29.05.2012, 09:29 Uhr

Wenn ein Gegner verunsichert werden soll, ist diese Mitteilung bestens geeignet. Ob die Meldung belastbar stimmt, bezweifele ich jedoch.

Klingone

29.05.2012, 09:37 Uhr

genau Harald. Ich möchte mal wissen was passieren würde wenn irgednwer sich das Selbe erlaubt in den USA. Die Amis wissen das Sie in großen Problemen stecken und immer dann werden Sie fies. Helfen wird es Ihnen aber Nichts, selbst wenn Sie wieder mal einen öffentlichen Abriss von veralteten Gebäuden durchführen, es glaubt Ihnen sowieso keiner mehr irgendwas.

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