Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.10.2012

12:42 Uhr

Geheimplan

Iran plant Ölkatastrophe im Persischen Golf

Der Iran soll laut dem Geheimplan „Trübe Wasser“ absichtlich einen Öltanker sabotieren wollen. Das berichtet der „Spiegel“. So will das Regime in Teheran den Westen offenbar zur Aussetzung der Sanktionen zwingen.

Ali Chamenei: Beim geistlichen Oberhaupt des Iran soll der Geheimplan liegen. dpa

Ali Chamenei: Beim geistlichen Oberhaupt des Iran soll der Geheimplan liegen.

BerlinVor dem Hintergrund des Atomstreits mit dem Westen planen die Revolutionswächter im Iran nach einem „Spiegel“-Bericht einen absichtlichen Öltanker-Unfall im Persischen Golf. Der streng geheime Sabotageplan des Kommandeurs der Revolutionswächter, Mohammed Ali Dschaafari, mit dem Namen „Trübe Wasser“ liegt dem Nachrichtenmagazin nach eigenen Angaben vor. Dschafari habe den Plan gemeinsam mit einem Admiral entwickelt.

Er sehe vor, die Straße von Hormus durch eine absichtlich herbeigeführte Öltanker-Katastrophe weiträumig zu verunreinigen, so dass die Schiffswege für die internationalen Öltanker gesperrt und die Teheran gegenüber feindlich gesinnten arabischen Anrainerstaaten bestraft werden. Der Westen würde gezwungen, sich an einer großangelegten Säuberung der Gewässer zu beteiligen – und dafür womöglich auch die Sanktionen gegen Iran auszusetzen.

Der Geheimplan soll jetzt bei Revolutionsführer Ali Chamenei liegen, der als letzte Instanz über seine Durchführung bestimme. Der Westen und Israel verdächtigen den Iran seit geraumer Zeit, unter dem Deckmantel der zivilen Forschung an Atomwaffen zu arbeiten. Die Führung in Teheran bestreitet das.

Die Revolutionswächter bilden im iranischen Gottesstaat eine Art Staat im Staate bilden und verfügen nicht nur über schlagkräftige Armeetruppen, sondern auch über große Wirtschaftsunternehmen.

Machtfrage: Wer regiert in Teheran?

Staatschef

Ajatollah Ali Chamenei ist als Religions- und Revolutionsführer das faktische Staatsoberhaupt und der mächtigste Mann in Iran. Nach der gefälschten Wiederwahl Mahmud Ahmadinedschads zum Präsidenten im Jahr 2009 stützte er diesen und ließ die Massenproteste niederschlagen.

Präsident

Mahmud Ahmadinedschad ist zwar wortgewaltig und häufig unüberlegt in seinen Attacken, beispielsweise seinen Drohungen gegen Israel. Doch wirklich viel zu sagen hat er nicht. Als Regierungschef muss er sich seine Minister vom religiösen Oberhaupt Chamenei und vom Parlament absegnen lassen.

Parlament

Der „Majlis“ ist inzwischen mehr als ein Abnickorgan. Es tobt stattdessen eine Schlacht zwischen den Anhängern Ahmadinedschads und denen Chameneis um die Vorherrschaft unter den 290 Abgeordneten. Chamenei will offenbar das Präsidentenamt abschaffen und stattdessen einen Premier vom Parlament wählen lassen.

Wächterrat

Der zur Hälfte aus Islam-Gelehrten und Juristen bestehende zwölfköpfige Rat muss Beschlüsse des Parlaments absegnen und filtert Kandidaten bei Wahlen aus. Bevorzugte Opfer dieser Filterung sind Bewerber der Reformparteien. Jetzt – nachdem die Reformer einen Wahlboykott angekündigt haben – trifft es sogar Anhänger des Ahmadinedschad-Lagers.

Revolutionsgarden

Sie sind ein Staat im Staate, haben ein Parallel-Militär und inzwischen auch eine dominierende Rolle in der iranischen Wirtschaft. Präsident Ahmadinedschad brachte immer mehr Befehlshaber dieser „Pasdaran“ auf Ministerämtern unter und verdrängte auf diese Weise die Mullahs. Dennoch unterstützen die Pasdaran mehrheitlich ihren obersten Befehlshaber, Revolutionsführer Chamenei, und nicht Präsident Ahmadinedschad.

Im Streit um sein Atomprogramm ist die iranische Regierung offenbar zu Zugeständnissen bereit. Der Iran wolle der Besorgnis des Westens entgegentreten, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur IRNA am Samstag den Sprecher des Außenministeriums, Ramin Mehmanparast. „Der Iran ist bereit, sich flexibel zu zeigen (...), aber das sollte auf Gegenseitigkeit beruhen.“ Vor allem müsse die andere Seite das Recht des Irans anerkennen, Uran zu friedlichen Zwecken anzureichern. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte unterdessen eine Verschärfung der Sanktionen gegen Teheran.

Die iranische Regierung habe sich in den vergangenen Monaten in keiner der entscheidenden Fragen bewegt, erklärte Westerwelle am Sonntag in Berlin. Er verlangte: „Wir müssen daher den Sanktionsdruck erhöhen.“ Der Rat der EU-Außenminister berät am Montag in Luxemburg über die Verschärfung von Sanktionen gegen Iran.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×