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10.07.2017

06:45 Uhr

Geheimtreffen im Wahlkampf

Trump-Familie wollte Hilfe aus dem Kreml

Schon früh im Wahlkampf versuchte die Familie Trump, aus dem Kreml belastende Informationen über Rivalin Clinton zu bekommen. Trump Jr. traf sich mit einer russischen Anwältin – sein Vater soll davon nichts gewusst haben.

US-Präsident und die Russland-Verbindungen

Welche Rolle spielte eine russische Anwältin für Trumps Sohn?

US-Präsident und die Russland-Verbindungen: Welche Rolle spielte eine russische Anwältin für Trumps Sohn?

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WashingtonDer älteste Sohn und der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump haben sich im Wahlkampf 2016 mit einer russischen Anwältin getroffen, die kompromittierende Informationen über Trumps demokratische Rivalin Hillary Clinton in Aussicht gestellt habe. Die „New York Times“ berichtet unter Berufung auf drei Berater des US-Präsidialamts, die Anwältin habe Verbindungen zum russischen Präsidialamt gehabt. An dem Treffen hätten neben Donald Trump Jr. auch der Schwiegersohn des Präsidenten, Jared Kushner, und Trumps ehemaliger Wahlkampfmanager Paul Manafort teilgenommen.

Trump Jr. soll dem Treffen zugestimmt haben, weil er sich daraus kompromittierende Informationen über Hillary Clinton erhoffte, berichtet die New York Times unter Berufung auf Mitarbeiter des Weißen Hauses.

Nach Treffen mit Putin: Trumps Cyber-Kooperation hält 13 Stunden

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Trumps Cyber-Kooperation hält 13 Stunden

Zwischen zwei Kursänderungen der US-Regierung liegen manchmal nur wenige Tage. Nun hat es Donald Trump geschafft, innerhalb von Stunden eine mögliche Sicherheits-Kooperation mit Russland wieder abzusagen.

Das Blatt zitiert eine Stellungnahme von Donald Trump Jr., wonach dieser die Begegnung mit der Anwältin Natalia Veselnizkaja einräumt. „Nach dem Austausch von Freundlichkeiten erklärte die Frau, sie habe Informationen, dass Personen mit Verbindungen zu Russland das Democratic National Committee finanzierten und Frau Clinton unterstützten. Ihre Äußerungen waren vage, unklar und ergaben keinen Sinn. Es wurden keine Details oder unterstützende Informationen genannt oder angeboten. Es wurde schnell klar, dass sie keine bedeutsamen Informationen hatte“, wird der Präsidenten-Sohn zitiert.

Das Democratic National Committee ist die Parteiorganisation der Demokraten. Ein Sprecher des Anwaltsteams des US-Präsidenten sagte, dieser habe an dem fraglichen Treffen nicht teilgenommen und auch nichts davon gewusst.

Trump und Russland - eine Geschichte mit vielen Unbekannten

Trumps eigene Kontakte

1986 will der Geschäftsmann in New York den damaligen sowjetischen Botschafter Juri Dubinin kennengelernt haben. Daran knüpften sich ein Besuch in Moskau und erste Pläne für ein Hotel, so schildert es Trump in seinem Buch „The Art of the Deal“. Wie oft der Unternehmer seitdem in Russland war, ist nicht bekannt.

Geschäftsbeziehungen

Belegbar ist, dass sich in den 2000er Jahren viele zu Geld gekommene Russen in Trump-Immobilien eingekauft haben. Aufsehen erregte 2008 der Verkauf eines Anwesens in Florida an den russischen Oligarchen Dmitri Rybolowlew für 95 Millionen US-Dollar (knapp 90 Millionen Euro). 2013 fand der von Trump veranstaltete Schönheitswettbewerb Miss Universe in Moskau statt. Trump-Firmen waren auch auf Moskauer „Millionärsmessen“ für Luxusgüter vertreten.

Trumps Umfeld

Trumps erster Wahlkampfmanager Paul Manafort machte PR-Arbeit für den moskautreuen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch, bis dieser 2014 gestürzt wurde. Nach Korruptionsvorwürfen wegen dieses Einsatzes schied Manafort aus Trumps Team aus. Der künftige US-Sicherheitsberater Michael Flynn tritt für bessere Beziehungen zu Moskau ein. Er ließ sich zum Jubiläum des staatlichen Senders RT (Russia Today) einladen und saß dort neben dem Kremlchef.

Putins mögliches Interesse an einem Präsidenten Trump

Die Lesart vieler russischer Experten ist, dass der Kreml eigentlich einen Sieg der demokratischen Bewerberin Hillary Clinton erwartet hatte. Die Ex-US-Außenministerin wäre für Putin ein hartes, erfahrenes, aber berechenbares Gegenüber gewesen. Trump ist dagegen unberechenbar. Aber der Republikaner hat bessere Beziehungen zu Moskau versprochen, die Rede war sogar davon, die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland anzuerkennen. Aus Putins Sicht dürfte der unerfahrene neue US-Präsident als lenkbar erscheinen.

Trump hatte die Wahl im November gegen Clinton gewonnen. In den USA gehen derzeit mehrere Gremien dem Verdacht nach, Russland habe durch das Ausspionieren vertraulicher Daten die US-Präsidentenwahl beeinflusst. Zudem geht es um die Frage, ob es geheime Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und Vertretern der Moskauer Regierung gab. Trump weist dies ebenso zurück wie Russland den Vorwurf einer Einmischung in den Wahlkampf.

Im Rahmen des am Wochenende zu Ende gegangenen G20-Gipfels in Hamburg hatte Trump erstmals seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin getroffen. Nach Trumps Angaben wurde bei dem Gespräch auch der Aufbau einer gemeinsamen Sondereinheit zur Abwehr von Wahlmanipulation im Internet erörtert. „Es ist an der Zeit, voranzukommen zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit Russland“, betonte Trump.

Kommentare (8)

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Herr Andreas Kertscher

10.07.2017, 08:59 Uhr

Eine Anwältin wollte beim Wahlkampf helfen. Man hörte sich an, was sie zu sagen hatte und lehnte dann dankend ab. So wie es jeder Journalist mit Informanten macht. Völlig normal und keine Zeile wert, es sei denn, man verdreht wieder mal die Fakten für ein weiteres Trump-Bashing. Kein Wort davon, dass Trump Jr etwas wollte, wie die Überschrift suggeriert.

Herr Hans Schönenberg

10.07.2017, 10:20 Uhr

Zumindest ist doch ersichtlich, dass man bereit war, mit irgendwelchen obskuren Personen zu sprechen, um an Informationen für den Wahlkampf zukommen. - Die Qualität dieser eventuellen Informationen und deren Wahrheitsgehalt ist doch schon aus der dubiosen Quelle ersichtlich. Mit derartigen Quellen zu sprechen spricht doch wohl für die Naivität der Trump-Familie und deren Helfer. Das hat doch wohl mit Trump-Bashing wenig zu tun.

Herr Tomas Maidan

10.07.2017, 10:26 Uhr

Mitglieder der deutschen Trump-Partei, wie Frauke Petry, ind auch ziemlich eilig nach Moskau gejettet und haben sich da mit dubiosen Gestalten getroffen.

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