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20.01.2013

12:23 Uhr

Geiseldrama in der Wüste

Algerien verteidigt blutiges Vorgehen

Die algerische Armee stürmt das besetzte Gasfeld und beendet die Geiselnahme durch Islamisten blutig. Insgesamt 55 Menschen sterben während des mehrtägigen Militäreinsatzes. Algerien verteidigt den Einsatz.

Die überlebenden Geiseln werden in einem Krankenhaus in Ain Amenas behandelt. dapd

Die überlebenden Geiseln werden in einem Krankenhaus in Ain Amenas behandelt.

AlgierAlgerien hat sein umstrittenes Vorgehen im Geiseldrama in der Wüste verteidigt. „Der Einsatz ist die Antwort auf eine Entscheidung der Terroristen gewesen, alle Geiseln zu töten und ein wahres Massaker anzurichten“, zitierte die Tageszeitung „El-Khabar“ einen Armeesprecher.

Das Geiseldrama war am Samstag mit der Erstürmung der Gasanlage bei In Amenas im Osten des Landes blutig zu Ende gegangen. Bei den Militäraktionen gegen die Geiselnehmer wurden insgesamt 55 Menschen getötet. 23 Geiseln seien ums Leben gekommen, gab das algerische Innenministerium am Samstagabend bekannt. Über die Nationalitäten wurde zunächst nichts mitgeteilt. Außerdem seien 32 Terroristen getötet worden. 685 algerische Arbeiter und 107 ausländische Kräfte hätten befreit werden können.

Frankreichs Präsident François Hollande sieht sich durch das blutige Geiseldrama im Kampf gegen den Terrorismus bestärkt. Er verurteilte den Tod der Geiseln als feigen Mord.+#

Der Konflikt in Algerien

Die radikale islamische Organisationen

In Algerien sind seit langem radikale islamische Organisationen aktiv. Anfang der 1990er Jahre entbrannte ein blutiger Konflikt zwischen Regierung und Fundamentalisten in dem nordafrikanischen Land.

Der Bürgerkrieg

Als sich während der Wahl im Dezember 1991 ein Sieg der Islamisten abzeichnete, brach die Armee die Wahl ab. In dem anschließenden Bürgerkrieg sollen bis zu 150 000 Menschen getötet worden sein.

Die radikal-islamische Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC)

Der seit 1999 amtierende Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika leitete in Algerien eine Politik der nationalen Versöhnung mit einer Generalamnestie für umkehrwillige Terroristen ein. Die radikal-islamische Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) setzte jedoch ihre Anschläge fort.

El Kaida im islamischen Maghreb (AQMI)

Die Terrororganisation, die sich seit Anfang 2007 El Kaida im islamischen Maghreb (AQMI) nennt, sorgte mit schweren Anschlägen immer wieder für Schlagzeilen. Sie ist mittlerweile in der ganzen Region aktiv. Die algerische Sicherheitskräfte konnten zwar die terroristischen Aktivitäten eindämmen, aber die AQMI stellt weiter eine Bedrohung dar.

US-Präsident Barack Obama machte die islamistischen Geiselnehmer für das Blutvergießen verantwortlich. „Die Schuld an dieser Tragödie liegt bei den Terroristen, die sie verursacht haben“, hieß es in einer schriftlichen Erklärung in Washington. Die Vereinigten Staaten verurteilten die Aktionen der Angreifer in der schärfsten Form.

Obama bot den algerischen Stellen jede Unterstützung an. Die USA würden weiter mit ihren Partnern eng zusammenarbeiten, um die „Geißel des Terrorismus“ in der Region zu bekämpfen. Der Angriff auf das Gasfeld führe erneut die Bedrohung durch Al Kaida und andere gewalttätige Extremisten vor Augen.

Die Anlage In Amenas im Osten Algeriens war am Mittwoch von schwer bewaffneten Islamisten besetzt worden. Am Donnerstag griff das Militär erstmals an. Beim Sturm am Samstag wurden nach einem Bericht der algerischen Nachrichtenagentur APS alle verbliebenen elf Terroristen getötet. Zuvor sollen die Islamisten sieben ausländische Geiseln umgebracht haben. Laut algerischem Radio hatten die Terroristen versucht, einen Teil der Anlage in Brand zu setzen. Die Geiselnehmer in Algerien hatten ein Ende des Militäreinsatzes im Nachbarland Mali gefordert.

In Mali setzte die dortige Armee mit französischer Unterstützung den Kampf gegen islamistische Rebellen fort. Zwei deutsche Transall-Maschinen landeten am Abend in der malischen Hauptstadt Bamako. Sie sollen Soldaten der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas nach Mali bringen.

Mali: Darum führt Frankreich in Afrika Krieg

Mali

Darum führt Frankreich in Afrika Krieg

Hollandes Entscheidung, in Mali militärisch einzugreifen, sieht wie ein Abenteuer aus. Doch sie ist populär, weil viele Franzosen nicht bereit sind, Afrika den Islamisten zu überlassen. Aber auch sie stellen Fragen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte Mali im Kampf gegen den islamistischen Terror weitere Hilfe zu. In einem Gastbeitrag für „Bild am Sonntag“ schrieb Westerwelle: „Die afrikanischen Truppensteller brauchen finanzielle Unterstützung. Auf der Geberkonferenz in Addis Abeba Ende des Monats wird Deutschland auch dabei seiner Verantwortung gerecht werden. Jetzt afrikanische Fähigkeiten stärken, heißt auch, unsere französischen Freunde zu entlasten.“

In Mali gelang es der Armee nach Angaben lokaler Medien und der französischen Regierung, Diabali zurückzuerobern. Die Stadt war zuvor in Händen der Islamisten. Nach Berichten von Einwohnern versuchte eine Gruppe mit bis zu 60 Fahrzeugen, Richtung Nampala, Léré und Nara zu entkommen. In Gao im Norden des Landes soll sich nach einem Bericht der nigerianischen Zeitung „The Tribune“ der Anführer der islamischen Terrorgruppe Boko Haram, Abubakar Shekau, verstecken. Er werde von der malischen Rebellengruppe Ansar Dine unterstützt.

Die Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas rief zu mehr internationaler Unterstützung auf. „Es ist an der Zeit, dass die Weltmächte und weitere Staaten und Organisationen die militärische Operation begleiten“, sagte der Ecowas-Vorsitzende Alassane Ouattara in Abidjan in der Elfenbeinküste. Dort wollten die Führer der 15 Ecowas-Staaten ihre Unterstützung untereinander abstimmen. Sie wollen mehr als 3500 Soldaten nach Mali entsenden. Nach Ansicht des französischen Außenministers Laurent Fabius müssen afrikanische Soldaten rasch das Ruder in Mali übernehmen.

Gleichzeitig verstärkt Frankreich seine Truppen in Mali weiter. „Heute befinden sich 2000 französische Soldaten auf malischem Boden“, sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian. Zusammen mit französischen Einheiten aus benachbarten Ländern seien derzeit 2900 französische Soldaten an der Operation Serval beteiligt.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

20.01.2013, 11:54 Uhr

Die algerischen Einsatzkräfte haben alles richtig gemacht. Knapp 800 Leute befreit, 34 haben es nicht geschafft.
"Also, was wolle Westerwelle, Niebel?" Vielleicht Popo hinhalten um die bärtigen Analphabeten zu besänftigen.
Diese perversen islamistischen Dumpfbacken müssen mit ALLEN Mitteln dezimiert werden, auch IN Deutschland. Im Einzelfall könnte auch Bildung helfen.
Oh weh, wir lassen uns von Milchtüten regieren.

gerhard

20.01.2013, 21:36 Uhr

Obama bot den algerischen Stellen jede Unterstützung an. Die USA würden weiter mit ihren Partnern eng zusammenarbeiten, um die „Geißel des Terrorismus“ in der Region zu bekämpfen(Zitat)

In einem Artikel in der NYTimes heißt es aber zusätzlich : „Details sind noch unklar nach dem Algerischen Überfall
Die Details über den letzten Kampf sind trüb – besonders die Informationen welche Geisel starben und wie….Obama wird Algerien im engen Kontakt zu Algerien bleiben, um sich ein vollständiges Bild machen zu können. (siehe Quelle NYTimes):
Details Still Sketchy After Algerian Raid By ADAM NOSSITER and ALAN COWELL - Published: January 20, 2013
The details of the desert standoff and the final battle for the plant remained murky — as did information about which hostages died and how — with even the White House suggesting late Saturday that it was unclear what had happened. In a brief statement, President Obama said his administration would “remain in close touch with the government of Algeria to gain a fuller understanding of what took place.”

Danach dürfte wohl noch einiges zu klären sein?

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