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19.05.2014

10:43 Uhr

Geiselnahme

Abtrünniger General greift libysches Parlament an

Erst Bengasi, dann Tripolis: Der ehemalige General Haftar geht in Libyen auf eigene Faust gegen islamistische Miliz vor. Die Angreifer kommen mit gepanzerten Fahrzeugen und umgebauten Lastern. Dutzende Menschen sterben.

Umstrittener Einzelkämpfer: General Khalifa Haftar bringt erneut Unruhe in die politische Landschaft Libyens. Reuters

Umstrittener Einzelkämpfer: General Khalifa Haftar bringt erneut Unruhe in die politische Landschaft Libyens.

TripolisEinen Tag nach dem Sturm auf das libysche Parlament ist die Lage in der Hauptstadt Tripolis angespannt. Schüsse entlang der Straße zum Flughafen klangen bis zum Montagmorgen ab, vorläufig kehrte wieder Ruhe in der Stadt ein. Bewaffnete Einheiten hatten am Sonntag das Parlamentsgebäude gestürmt und es nach eigener Aussage aufgelöst. Die Übergangsregierung verurteilte am Montag den Angriff und erklärte, man werde die Ankündigungen der Gruppe nicht respektieren. Bei dem Angriff wurden nach Angaben des Justizministeriums zwei Menschen getötet und mehr als 50 verletzt.

Ein Sprecher des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar hatte nach dem Angriff am Abend im Fernsehen erklärt, eine 60-köpfige Versammlung werde das Parlament ersetzen. Die derzeitige Regierung werde auf der Basis eines Notstands handeln. Was dies genau bedeutet, blieb offen. Vorwürfe der Regierung, es handele sich um einen Putsch, wies er zurück. Vielmehr kämpfe man im Auftrag des Volkes. Justizminister Salah al-Marghani erklärte, dass die Regierung den Ausdruck politischer Meinungen durch Waffengewalt verurteile. Er rief zu einem Ende der Gewalt auf und forderte die Beteiligten auf, in einen Prozess des Dialogs und der Versöhnung einzutreten.

Haftar und seine Soldaten hatten am Freitag bereits in der Hafenstadt Bengasi eine Kampagne gegen islamistische Milizen gestartet. Dort waren nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 70 Menschen getötet worden. Auch in Tripolis zielte der Angriff auf islamistische Kräfte, wie Haftars Sprecher Mohammed al-Hegasi am Sonntagnachmittag im Fernsehen sagte: „Dieses Parlament unterstützt diese extremistischen islamistischen Einheiten.“ Das Parlament sei „das Herz der Krise“.

Armee bricht auseinander: Kämpfe in libyscher Stadt Bengasi

Armee bricht auseinander

Kämpfe in libyscher Stadt Bengasi

Teile der libyschen Armee haben in der Stadt Bengasi Stützpunkte islamistischer Milizen angegriffen. 12 Menschen starben, Dutzende wurden verwundet. Der Befehl für den Angriff kam nicht vom Generalstab in Tripolis.

Eine von Al-Kaida inspirierte Gruppe, die sogenannten Löwen des Monotheismus, sagte den säkularen Truppen Haftars den Kampf an. In einem auf militanten Webseiten verbreiteten Video war ein vermummter Kämpfer der Gruppe zu sehen, der sich als Abu Mussab al-Arabi ausgab. Dieser warnte Haftars Kämpfer: „Ihr seid in einen Kampf eingetreten, den ihr verlieren werdet.“ Ein Abgeordneter berichtete dem Fernsehsender Al-Ahrar, die Bewaffneten seien am Sonntag ins Parlament eingedrungen, hätten das Gebäude beschädigt und versucht, Mitarbeiter und Wachen festzunehmen. Ein Vertreter der Dachorganisation der Milizen in Diensten des Parlaments meldete die Geiselnahme von rund 20 Abgeordneten und Regierungsbeamten.

Das libysche Parlament ist gespalten in islamistische und nicht-islamistische Kräfte. Jede Seite wird von Milizen unterstützt, die in Libyen sehr mächtig sind. Parlamentspräsident Nuri Abu Sahmein, der den Islamisten nahesteht, sagte dem Sender Al-Naba, dem Parlament treu ergebene Milizen hätten die Lage unter Kontrolle. Milizen, die loyal zum Parlament stehen, errichteten Kontrollpunkte rund um das Parlament.

Haftar war einst Heereschef unter Muammar al-Gaddafi, hatte sich aber bereits in den 1980er Jahren von ihm losgesagt. Nach Gaddafis Sturz 2011 sollte der Offizier helfen, neue libysche Streitkräfte aufzubauen, wurde aber wenig später von dem Auftrag entbunden. Nun beruft er sich darauf, die Regierung habe kein Mandat. Die Regierung hatte schon nach der Aktion in Bengasi von einem Putsch gesprochen.

Von

ap

Kommentare (1)

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20.05.2014, 09:38 Uhr

Niedergang+Untergang von Europa
Wenn Europa weitermacht m/d heutigen Nato werden solche Katastrophen wie Lybien,Irak,Afganistan,Somalia,Ukraine,Syrien,Kosovo.Yemen,Georgien eher die Regel.Mit Ukraine jetzt auch im Herzen Europas m Atomkrieggefahr,weil USA sind weitweg+preferieren Krieg in Europa zukaempfen.Preis fuer die EU viele Milliarden v Euros+verlorenes Ansehen i/d Welt als Marionnet-Kriegstreiber v USA,sichselbst beschaedigend in Wirtschaftsinteressen+historischen Wachstumschancen.Unbegreiflich dass die EU weitermacht m dieser desastroesen sichselbstvernichtenden Politik,die nur Verlierer kennt,viel Geld kostet+Europa Untergang bringt statt Wohlstand.Fuer diese Politik sollte man die 27 EU-NatoMinister sofort entlassen.Es ist nicht verwunderlich dass anti-europaeische Parteien gewinnen nach soviel Missgeschick aus Bruessel.Kriege,Krisen,schlechtes Ansehen der EU i/d Welt,das hemmungslose Ausspionieren v EU-Buergern,EU-Politiker die Revolution auf UkraineMaidanplatz schueren

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