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15.12.2014

12:23 Uhr

Geiselnahme in einem Café

Terroralarm in Sydney

Ein Bewaffneter hat ein Café gestürmt und hält seit Stunden mehr als ein Dutzend Geiseln fest. Angeblich soll er noch mehrere Bomben in der Innenstadt platziert haben. Die Tat könnte radikalislamistisch motiviert sein.

Ist Geiselnehmer Islamist?

Geiselnahme in Sydney: Polizei geht von Terrorakt aus

Ist Geiselnehmer Islamist?: Geiselnahme in Sydney: Polizei geht von Terrorakt aus

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SydneyDie australische Anti-Terror-Polizei im Großeinsatz: Ein bewaffneter Geiselnehmer hat am Montag mehrere Menschen in einem Café in Sydney in seine Gewalt gebracht und hält sie seit mehr als acht Stunden fest. „Es handelt sich um mindestens einen bewaffneten Täter“, sagte Polizeichef Andrew Scipione am Montag bei einer Pressekonferenz. Fernsehsender berichten zudem, der Geiselnehmer habe zwei Bomben im Café und weitere zwei in dem Finanzdistrikt, in dem sich das Café befindet, versteckt. Die Polizei kommentierte das ausschließlich mit den Worten: „Wir konzentrieren uns dabei auf ein Gebiet.“

Nach Angaben von Premierminister Tony Abbott gab es Anzeichen für eine politisch motivierte Tat. „Dies ist ein sehr beunruhigender Vorfall“, sagte er. „Es ist zutiefst schockierend, dass unschuldige Menschen von einer bewaffneten Person als Geisel genommen werden, die ein politisches Motiv für sich beansprucht.“ Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es neben dem bewaffneten Geiselnehmer weitere Täter gebe.

Der Geiselnehmer habe laut der Nachrichtenagentur Bloomberg versucht, seine Forderungen öffentlich zu machen, indem er Geiseln habe zwingen wollen, per Telefon mit TV-Sendern zu sprechen und ein Video zu schicken. Die Polizei bat die Medien, nicht auf diese Anfragen zu reagieren.

Abbott, dessen Regierung Australiens Terroralarmstufe im September auf den höchsten Stand seit zehn Jahren angehoben hatte, rief das Nationale Sicherheitskomitee zusammen und forderte die Menschen auf, ruhig zu bleiben. Im September hatten Geheimdienstinformationen darauf hingedeutet, dass Extremisten des IS die Verschleppung und Enthauptung willkürlich ausgewählter Bürger in Australien planten. Dies wurde nach offiziellen Angaben in dem größten Anti-Terror-Einsatz der Geschichte des Landes verhindert.

Der Geiselnehmer war am Morgen in ein Café der Firma Lindt im Herzen von Sydney gestürmt, wie Augenzeugen berichteten. Der Mann zwang zwei Frauen, eine Fahne mit arabischen Schriftzeichen von innen an die Fenster zu pressen.

Glossar – der politische Islam

Einen einheitlichen Islam...

… gibt es nicht. Die Religion hat etwa 1,6 Milliarden Anhänger weltweit. Doch die regional unterschiedlichen Spielarten des Glaubens variieren stark. Die meisten Muslime leben beispielsweise nicht etwa in einem Land auf der arabischen Halbinsel, sondern in Indonesien. Dort sind mit knapp 13 Prozent aller Muslime der Welt so viele Gläubige beheimatet wie in keinem anderen Staat.

Die Verwendung...

… von Begriffen wie Islamismus, politischem Islam, Fundamentalismus, radikalem Islam und Dschihadismus erfolgt in der Debatte oft nicht trennscharf. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden sie oftmals synonym und wenig trennscharf verwendet. Meist sollen mit „Islamismus“ solche fanatischen und gewalttätigen Gruppen mit terroristischer Ausrichtung erfasst werden, die sich auf den Islam beziehen.

Islamismus...

… bzw. Islamisten stehen für für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islams die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben.

Problematisch ist,...

… dass gerade späteren Strömungen die Absicht eigen ist, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Oft geht das einher mit einer Ablehnung der Trennung von Religion, was ein Spannungsverhältnis schafft zu den Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.

Friedliche Islamisten...

… sehen die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres Ziels – der Errichtung eines islamischen Staats - nicht als ihr vorrangiges politisches Instrument.

Als Mittel des Widerstands...

… haben sich islamistische Strömungen allerdings in vielen Staaten entwickelt. Grobe Faustregel: Je stärker sie unterdrückt wurden, desto eher neigten sie zur Radikalisierung und einer Fokussierung auf den bewaffneten Kampf. So etwa in Syrien und in Ägypten.

Terrorismus...

… ist daher eines von mehreren Mitteln und Handlungsstilen, die Islamisten benutzen. Andere Beispiele sind Parteipolitik und Sozialarbeit.

Der Dschihad...

… bedeutet wörtlich „Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz“ für Gott, nicht Gotteskrieg. Man muss unterscheiden zwischen dem „großen Dschihad“ als Kampf gegen sich selbst, also umgangssprachlich gesagt Überwindung des eigenen „inneren Schweinehundes“ und dem „kleinen Dschihad“, dem Kampf im militärischen Sinne. Die Übersetzung von Dschihadisten als „Gotteskrieger“ verzerrt den Begriff daher, weil es einen einseitigen Fokus auf den bewaffneten Kampf legt.

Der Schriftzug auf dem Banner war nach Angaben von Experten das muslimische Glaubensbekenntnis. Es gilt als die erste der fünf Säulen des muslimischen Glaubens. Es ist überall in der islamischen Welt verbreitet, unter anderem auf der grünen saudi-arabischen Flagge. Dschihadisten zeigen es auf schwarzen Flaggen.

Sie werde oft von Dschihadisten benutzt. Es handelte sich aber nicht um die Fahne der im Irak und in Syrien aktiven Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Bedeutung werde noch untersucht, sagte Scipione. „Wir prüfen noch, welche Motivation dahinter steckt. Wir wissen noch nicht, woher der Mann kommt.“

Polizei-Verhandler stünden jetzt in Kontakt mit dem Täter, sagte sie. „Das mag eine Weile dauern“, sagte die stellvertretende Polizeichefin Catherine Burn. Oberste Priorität sei es, den Zwischenfall friedlich zu beenden. Die Polizei sei noch dabei, Herkunft und Motivation des Mannes zu klären.

Fernsehsender filmten den Geiselnehmer durch ein Fenster des Cafés. Auf dem Video war ein Mann mittleren Alters mit grauem Bart und einem Kopftuch zu sehen, auf dem offenbar arabische Schriftzeichen standen Berichte des TV-Senders Channel 10, nach denen der Geiselnehmer gefordert hatte, mit Premier Abbot zu sprechen und eine Flagge des IS zum Café gebracht bekommen haben wollte, kommentierte die stellvertretende Polizeichefin Catherine Burn nicht.

Kommentare (5)

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Herr Hermann Paul

15.12.2014, 07:28 Uhr

Bisher ist noch nichts passiert, aber stellen wir uns mal vor , aus der Waffe des Geiselnehmers wird ein Schuss abgefeuert .
Diesen "Rückstoß" werden wir bis nach Deutschland merken ......

Herr nur meine Meinung !!!

15.12.2014, 09:30 Uhr

"...könnte radikalislamisch motiviert sein!"
Klar ist das so! Das ist wieder Wasser auf die Mühlen der PEGIDA!

Herr Gerhard Kraus

15.12.2014, 09:59 Uhr

Das ist nicht nur Wasser auf die Mühlen der Pegida,sondern für jeden DENKENDEN !! Menschen

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