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23.09.2013

16:37 Uhr

Geiselnahme in Nairobi

Warum Israel in Kenia kämpft

VonJohannes C. Bockenheimer

Israelische Sicherheitskräfte sollen beim Geiseldrama in Nairobi die kenianischen Regierungstruppen unterstützen. Bisher hat die Schebab-Miliz 70 Menschen getötet. Handelsblatt Online erklärt jetzt die Hintergründe.

Einsatzkräfte in Kenia: Israelische Spezialisten helfen der Polizei. AFP

Einsatzkräfte in Kenia: Israelische Spezialisten helfen der Polizei.

BerlinSie kamen mit Maschinengewehren und Handgranaten: Attentäter der islamistischen Schebab-Miliz sind am Samstagnachmittag in ein Einkaufszentrum in Kenias Hauptstadt Nairobi eingedrungen und haben mehr als hundert Geiseln genommen. Mindestens 62 Menschen wurden von den Terroristen getötet, 175 Menschen wurden verletzt und noch immer sollen Menschen in der Gewalt der Schebab-Miliz sein.

Laut Regierungsangaben haben Sicherheitskräfte mittlerweile das Gebäude gestürmt und zumindest Teile des Komplexes wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Glaubt man Berichten der Nachrichtenagentur AFP, sollen bei dem Einsatz auch Elitesoldaten aus Israel beteiligt sein. „Die Israelis sind gerade reingegangen, um die Geiseln und Verletzten zu retten“, zitierte die Agentur einen Vertreter der kenianischen Sicherheitskräfte.

Doch aus Jerusalem gibt es zu diesen Berichten bislang keine Bestätigung: Ilana Stein, Sprecherin des israelischen Außenministeriums sagte Handelsblatt Online: „Wir kommentieren Sicherheitsfragen grundsätzlich nicht“. Die Agentur Reuters zitierte ihrerseits Quellen, wonach Israel in Nairobi zwar beratend zur Seite stehe, nicht aber Sicherheitskräfte im Einsatz seien. Doch auch die Frage, ob Israel Kenia zumindest strategisch unterstützt, wollte weder das Außenministerium noch ein Sprecher der israelischen Armee Handelsblatt Online bestätigen.

Einkaufszentrum: Belagerung in Nairobi wird zum Nervenkrieg

Einkaufszentrum

Belagerung in Nairobi wird zum Nervenkrieg

Die Belagerung des Einkaufszentrums in Nairobi dauert bereits drei Tage. Die Einsatzkräfte rücken immer weiter vor. Offenbar haben sie die Terroristen in die Enge getrieben. Ergeben wollen sich die Islamisten aber nicht.

Trotz aller Diskretion spricht einiges dafür, dass Jerusalem dem afrikanischen Staat mit Unterstützung zur Seite steht. Einerseits gibt es weltweit keine andere Armee, deren Spezialkräfte intensiver im Kampf gegen den Terror geschult werden. Einheiten wie die Sajeret Matkal (deutsch: „Spähtrupp des Generalstabes“), die beim militärischen Geheimdienst Aman angesiedelt ist, verfügen über jahrzehntelange Erfahrung im Anti-Terror-Kampf. Andererseits gehört das Einkaufszentrum nach Medienberichten einem israelischen Eigentümer, während des Anschlags sollen sich zudem israelische Staatsbürger im Gebäude befunden haben. Und wenn es um die Sicherheit der eigenen Bürger geht, überlässt Jerusalem normalerweise nichts dem Zufall.

Für ein Eingreifen Israels in Kenia spricht zudem die enge Zusammenarbeit der beiden Staaten in den vergangenen Jahrzehnten. Die Beziehung der beiden Länder seien „eng und intim“, sagte der stellvertretende Botschafter Israels in Kenia, Yaki Lopez, der israelischen Zeitung Jedi'ot Acharonot am Montag. Dass das mehrheitlich christlich-geprägte Kenia unter den afrikanischen Staaten mittlerweile zu den engsten Verbündeten Israels zählt, geht auch aus vertraulichen Dokumenten hervor, die von der Internetseite Wikileaks veröffentlicht wurden. 2007 trafen sich demnach Diplomaten der US-Botschaft mit Tom Amolo, damals einem hohen Ministerialbeamte des kenianischen Außenministeriums. Den Aufzeichnungen der Diplomaten zufolge lobte Amolo die enge Zusammenarbeit seines Landes mit Israel. Man arbeite nachrichtendienstlich auf allen Ebenen zusammen, sagte der Regierungsangestellte und schlussfolgerte, dass Israel ein „geostrategischer Schlüsselpartner“ seines Landes sei.

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