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04.03.2011

11:08 Uhr

Geld für Familien

Gaddafi will sich Loyalität erkaufen

Im Kampf um die Macht in Libyen fährt Staatschef Gaddafi nun zweigleisig: Einerseits bekämpft er den Aufstand, andererseits bietet er Geld für Loyalität. Doch die Aufständischen lehnen sein Angebot ab.

Staatschef Gaddafi: Geld gegen Loyalität. Quelle: dpa

Staatschef Gaddafi: Geld gegen Loyalität.

Tripolis Während der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi im Osten Libyens weiter auf militärische Gewalt setzt, bietet er im Westen an. Medien der libyschen Opposition meldeten am Freitag, Gaddafi habe Vermittler in die westlichen Städte Misrata, Nalut und Al-Sawija geschickt. Diese boten den Einwohnern der drei Städte, in denen es zuvor erbitterte Kämpfe zwischen Aufständischen und den Truppen Gaddafis gegeben hatte, viel Geld für ihre Loyalität an. Angeblich lehnten die Vertreter der Aufständischen dieses Angebot alle ab.

Die Oppositions-Website „Al-Manara“ meldete zudem, in Misrata seien „Provokateure“ mit Autos durch die Stadt gefahren und hätten die Jugend der Stadt zum „Heiligen islamischen Krieg gegen Gaddafi“ aufgerufen. Die jungen Männer, die sich freiwillig gemeldet hätten,
seien anschließend verschleppt worden. Die arabische Tageszeitung „Al-Sharq Al-Awsat“ berichtete in ihrer Freitagsausgabe, in der Stadt Al-Sawija hätten Gesandte Gaddafis jeder Familie, die durch die Unruhen ein Familienmitglied verloren hat, 250.000 Dinar (rund 145.000 Euro) angeboten. Alle anderen Familien sollten 20.000 Dinar erhalten.

Zuvor hatte das Regime bereits offiziell monatliche Unterstützungszahlungen in Höhe von 500 Dinar für jede libysche Familie versprochen. Im libyschen Staatsfernsehen diskutierten Funktionäre am Freitag über „Reformen“. Einer von ihnen suchte dabei verzweifelt nach einem unverfänglichen Begriff für die Aufständischen, die er schließlich „diese Leute, die solche Forderungen haben“, nannte.

Im Kampf gegen die Aufständischen im Osten, die sich in den Waffendepots der staatlichen Sicherheitskräfte mit Waffen und Munition eingedeckt haben, setzt Gaddafi derweil weiterhin Soldaten und Söldner ein.

Widerstand gegen Gaddafi: Aufständische in Ostlibyen. Quelle: dpa

Widerstand gegen Gaddafi: Aufständische in Ostlibyen.

Rund um die Stadt Al-Sawija ist es am Freitag zu Kämpfen zwischen Aufständischen und Gaddafis Truppen gekommen. Ein Augenzeuge sagte dem Nachrichtensender Al-Arabija, die Regierungstruppen hätten versucht, Menschen aus den umliegenden Ortschaften daran zu hindern, nach Al-Sawija zu kommen, um sich dort den geplanten Demonstrationen nach dem Freitagsgebet anzuschließen. Junge Männer aus der Stadt hätten die Kontrollposten daraufhin angegriffen. Kämpfe wurden auch aus der Umgebung der Stadt Misrata gemeldet.

Ein Augenzeuge in der Hauptstadt Tripolis sagte, auch dort würden bereits Vorbereitungen für Demonstrationen gegen das Regime getroffen. Zu Medienberichten, wonach Gaddafis Truppen an der Grenze zwischen Libyen und Tunesien stationiert wurden, hieß es aus
Regierungskreisen, diese Truppen seien dort, „um den Flüchtlingen zu helfen“.

Von

dpa

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