Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.10.2012

17:44 Uhr

Geldpolitik

Monti attackiert Bundesbank

Italiens Premierminister hat Bundesbank-Chef Weidmann wegen seiner Kritik an der EZB ermahnt. Die Bundesbank sollte nicht den Eindruck vermitteln, sie stelle die Kollegialität zur EZB infrage, sagte Monti.

Premierminister Monti: Rückendeckung für die EZB. dpa

Premierminister Monti: Rückendeckung für die EZB.

MailandItaliens Premierminister Mario Monti hat das Verhalten der Bundesbank kritisiert, sich öffentlich gegen die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank zu stellen. Die Bundesbank habe in der Vergangenheit als Beispiel für die EZB gedient. Doch heute sei sie „ein Beispiel, dem man nicht folgen sollte, wenn sie den Eindruck vermittelt, die Kollegialität der EZB in  Frage zu stellen“, sagte Monti bei einem Treffen mit dem Verein der Auslandspresse in Mailand. „So mancher Beobachter meint, dass die Bundesbank noch nicht den Machtverlust verdaut hat, den sie durch die Abgabe zahlreicher Kompetenzen an die EZB erlitten hat“, sagte Monti und schloss sich dem indirekt an.

Auf die Frage, was es für Italien bedeuten werde, wenn Spanien den Hilfsantrag auf europäische Gelder stellt, gab sich Monti gelassen: „Es gibt zwei Gedankenschulen: Die einen sagen, sobald einer den Machanismus aktiviert, werden sich die Investoren wie eine Meute Wölfe auf die nächsten Länder losgehen. Aber ich denke, wenn das System funktioniert, dann wird die Marktspekulation weniger aggressiv“, sagte er.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Italien leidet unter einem historisch extrem hohen Schuldenberg von mehr als 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Beim Defizit stehen die Italiener dagegen deutlich besser da als Länder wie Spanien, Griechenland und Portugal. „Wir haben heute ein Defizit, dass geringer ist als das der Niederländer, die sich fühlen, als wären sie die Musterschüler“, stellte Monti mit offensichtlicher Genugtuung klar.

Seit seinem Antritt hat Monti nicht nur den Haushalt saniert. Er hat auch verschiedene strukturelle Reformen verabschiedet wie die Rentenreform und die Arbeitsmarktreform. Diese Woche hat er sogar überraschend eine Steuersenkung von ein Prozent für die unteren beiden Steuerklassen angekündigt. Außer einer „moderaten Umverteilung“ sieht der ehemalige Rektor der Mailänder Elite-Universität Bocconi in der Maßnahme vor allem“ eine pädagogische Bedeutung“,. „Wir wollen, dass die Menschen verstehen, dass sich Haushaltsdisziplin lohnt und dass sie nicht einen ewigen Leidensweg bedeutet“ sagte Monti.

Die verbleibende Zeit seines Mandats will er dazu nutzen, die Reformen so fest zu verankern, dass sie zukünftige Regierungen sie nicht mehr ändern können. „Wir müssen verhindern, dass sie mit dem ersten Regen weggewischt werden“, sagte er. Das Mandat der Regierung endet im April. Monti hat bereits durchblicken lassen, dass er vielleicht bereit ist, noch einmal als Premier zu fungieren, wenn er gebraucht wird.

 

 

Von

kk

Kommentare (34)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

14.10.2012, 17:48 Uhr

So eine Frechheit. Jemanden nieder zu machen, weil er seine Stimme verweigert hat, zeigt, wie undemokratisch Monti & Co in Wahrheit eingestellt sind.
Bleiben Sie bitte standhaft, Herr Weidmann! Ihr Verhalten ist absolut in Ordnung, mit Ihnen sind sehr viele Sympathisanten im ganzen Land - und sogar im Ausland! Dass Monti so gegen Sie wettert, zeigt nur seine Unruhe. Und dazu hat er ja jeden Grund.

Ekel_vor_Politikern

14.10.2012, 17:53 Uhr

Hey, Monti. Lass die Italiener zahlen! Ihr habt mehr Kohle per capita als die Deutschen. Ihr seid extrem reich!!!
Nicht so arme Schweine wie die Deutschen, die von fehlgeleiteten Politikern aller Blockparteien für diese Scheiß-EU verwurstet werden!

WiderDieNeueInquisition

14.10.2012, 18:04 Uhr

Ach, der eine Mario möchte gerne "die Kollegialität der EZB" nicht in Frage stellen, also die Machenschaften des anderen Mario nicht zu entlarven.
Hey, Marios, möchtet Ihr die Inquisition wieder installieren?? Wenn er widerruft, darf er am Leben bleiben, muß dann aber für ewig schweigen. Und wenn er dann nochmals was gegen den Mario sagt, Rübe ab und ewiges Fegefeuer!

So nicht, wir kämpfen um unsere Demokratie!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×