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25.05.2013

03:41 Uhr

Geldwäsche

Guatemala liefert Ex-Präsidenten an USA aus

Als erstes lateinamerikanisches Land hat Guatemala einen ehemaligen Staatschef an die USA ausgeliefert. Ex-Präsident Portillo soll Staatsgeld unterschlagen und bei US-Banken gewaschen haben.

Der ehemalige guatamaltekische Präsident Alfonso Portillo (r.) vor dem Abflug in die USA. AFP

Der ehemalige guatamaltekische Präsident Alfonso Portillo (r.) vor dem Abflug in die USA.

Guatemala-StadtGuatemala hat seinen früheren Präsidenten Alfonso Portillo an die USA ausgeliefert. Der 61-Jährige, der in den USA wegen Unterschlagung und Geldwäsche gesucht wird, wurde begleitet von US-Ermittlern an Bord einer Militärmaschine ausgeflogen.

Ein New Yorker Gericht hatte Portillo im Januar 2010 wegen Geldwäsche und Untreue angeklagt. Er soll während seiner Regierungszeit 70 Millionen Dollar (54 Millionen Euro) Staatsgeld beiseite geschafft und bei mehreren Banken in den USA und in Europa gewaschen haben. Im November 2011 gab der damalige Präsident Alvaro Colom grünes Licht für die Auslieferung an die USA.

Portillo war Ende Januar im Norden Guatemalas festgenommen worden. Der Ex-Präsident war 2005 nach Mexiko geflohen, nachdem er seine Immunität verloren hatte. Im Oktober 2008 wurde er nach Guatemala ausgeliefert, wo er gegen Kaution bis zu Beginn seines dortigen Prozesses auf freiem Fuß bleiben sollte. Anfang 2010 wurde er inhaftiert, als er versuchte, sich nach Belize abzusetzen.

Guatemala ist das erste lateinamerikanische Land, das einen ehemaligen Staatschef an die USA ausliefert. Ein Sprecher des US-Außenministeriums begrüßte das Vorgehen der guatemaltekischen Behörden als "Stärkung des Rechtsstaats" und des "Kampfes gegen das organisierte Verbrechen und die Korruption".

Portillo bezeichnete das Vorgehen der Behörden vor seinem Abflug am Freitag als "illegal" und als "Entführung". Mit den Worten "Hasta luego (bis später), Volk Guatemalas", verabschiedete er sich am Flughafen in Guatemala-Stadt. Das Vorgehen der Justiz bezeichnete er als "politische Verfolgung". "Sie haben alle meine Rechte verletzt", sagte Portillo, der in den Jahren 2000 bis 2004 an der Spitze des zentralamerikanischen Landes stand. Er werde zurückkommen, kündigte er an. "Wir werden dort drüben die Beweise zerstreuen."

Unterdessen demonstrierten in Guatemala-Stadt tausende Menschen gegen die Aufhebung des Urteils gegen den Ex-Machthaber Efraín Ríos Montt. Der 86-Jährige war am 10. Mai wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 80 Jahren Haft verurteilt worden, das Verfassungsgericht hob das Urteil jedoch am Montag wegen Verfahrensfehlern auf.

An der Demonstration in Guatemala-Stadt nahmen vor allem Ureinwohner und Menschenrechtsaktivisten teil. "Sie haben mein Haus niedergebrannt", sagte die 73-jährige Rosa Ramírez. Ríos Montt wird für mehrere Massaker an Maya-Ureinwohnern während seiner Herrschaft zwischen 1982 und 1983 verantwortlich gemacht. Bei bei 15 Massakern im Departamento Quiché im Norden des Landes wurden 1771 Ixil-Maya umgebracht.

Ríos Montt war im März 1982 durch einen Putsch an die Macht gelangt und regierte Guatemala bis zu seinem Sturz im August 1983 mit harter Hand. Der Prozess gegen ihn war der erste Versuch einer juristischen Aufarbeitung der Verbrechen während des Bürgerkriegs, bei dem nach UN-Angaben zwischen 1960 und 1996 mehr als 200.000 Menschen getötet worden waren.

Von

afp

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