Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.09.2012

16:00 Uhr

Geldwäsche

Italiens Steuerfahnder werden bei Galerien fündig

VonKatharina Kort

Im Kampf gegen die Steuerhinterzieher wählen italienische Steuerfahnder immer drastischere Methoden. Nun haben sie in einer konzertierten Aktion Kunstgalerien und Auktionshäuser überprüft - mit erstaunlichen Ergebnissen.

Mitarbeiter tragen Tiziano Vecellio's (besser bekannt als „Titian“) Malerei „Fuga in Egitto“ durch eine Galerie in Venedig. Reuters

Mitarbeiter tragen Tiziano Vecellio's (besser bekannt als „Titian“) Malerei „Fuga in Egitto“ durch eine Galerie in Venedig.

MailandNach den Luxushotels, Diskotheken und Shopping-Meilen ist nun die Kunst an der Reihe. Italiens Steuerfahnder haben sich fast zeitgleich insgesamt 24 Kunstgalerien und Auktionshäuser vorgeknöpft und zwei von ihnen bereits geschlossen.

Wie die Finanzpolizei mitteilte, haben sie illegale Transaktionen in Höhe von 19 Millionen Euro festgestellt. Dabei ging es größtenteils- bei 14 Millionen Euro – um Verstöße gegen die Geldwäscherichtlinien, nach denen suspekte Zahlungen der Polizei gemeldet werden müssen. Bei drei Millionen Euro wurde das Gesetz, nach dem Cash-Zahlungen ab einer bestimmten Höhe verboten ist, nicht beachtet und bei weiteren zwei Millionen um klare Steuerhinterziehung.

Die jüngste Aktion reiht sich ein in die Serie spektakulärer Auftritte der Finanzpolizei. Zum Jahreswechsel platzten die Finanzpolizisten mitten in der Skisaison im Edel-Skiort Cortina in die Läden und Hotels. Und siehe da: kaum stand ein Polizist neben der Kasse, nahmen die Geschäfte auf einmal vier mal so viel ein, wie zur gleichen Zeit vor einem Jahr. Es folgten Blitz-Aktionen in Mailands angesagten Diskotheken, in Roms Edel-Restaurants und auf den Shopping-Meilen in den verschiedenen Großstädten. Im August schließlich waren die Strandbäder, Eisdielen und andere Vergnügungseinrichtungen an Italiens Küste dran.

Auch die Fahrer von Luxusautos und Yachten müssen immer öfter damit rechnen, von den Steuerfahndern angehalten zu werden. Sie gleichen dann den Besitz der teuren Fortbewegungsmittel mit ihrer Steuererklärung ab. Nicht selten kommen dabei Situationen zutage, in denen sich die Menschen dem Fiskus gegenüber arm rechnen, sich dann aber dicke SUVs oder Sportwagen leisten. In den vergangenen Monaten haben aus diesem Grund schon Hunderte Porsche-Fahrer ihre Wagen ins Ausland verkauft. Und auch die Hersteller von Luxusautos klagen über eine rückgängige Nachfrage in Italien.

Montis Reformen

Rentenreform

Gleich nach Amtsantritt hat Regierungschef Mario Monti mit Arbeitsministerin Elsa Fornero die Rentenreform mit späterem Renteneintritt durchgesetzt. Die Höhe der Rente hängt künftig stärker von den gezahlten Beiträgen ab. Das Eintrittsalter wird regelmäßig der Lebenserwartung angepasst. Die Reform gilt als Erfolg.

Liberalisierungen

Die Regierung hat verschiedene Berufe wie Notare, Apotheker und Tankstellenbetreiber liberalisiert. Viele blieben jedoch außen vor. Noch immer regeln Kammern mit teuren Beiträgen viele Berufe und erschweren Neuzugänge. Die Reform gilt als unzureichend.

Arbeitsmarktreform

Mit ihrer Reform des Arbeitsmarktes hat die Regierung Monti den Kündigungsschutz gelockert, Abfindungszahlungen reduziert und das Recht auf Wiedereinstellung beschnitten.

Korruptionsbekämpfung

Die Regierung verlängert die Verjährungsfristen und erhöht die Strafen für die stark verbreitete Korruption.

Italiens Premierminister Mario Monti hat sich die Bekämpfung der Steuerhinterziehung auf die Fahne geschrieben. Er hat auch keine große Wahl, wenn er die die ohnehin schon strauchelnde Konjunktur nicht komplett abwürgen will. Italien steckt schließlich mitten in der Rezession.

Um den Haushalt zu sanieren, hat Monti die Steuern schon heftig erhöht. Da die Italiener aber mit einer Steuerlast von mittlerweile 44 Prozent schon zu den am höchsten besteuerten weltweit gehören, kann er kaum noch mehr verlangen. Er muss also zusehen, dass alle zahlen. Denn das tun längst noch nicht alle Bürger: Die Schattenwirtschaft wird in Italien je nach Studie auf ein Fünftel bis hin zu einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts geschätzt, mit Spitzen im Süden von bis zu 70 Prozent. Die Regierung beziffert die entgangenen Steuern auf mehr als 100 Milliarden Euro im Jahr.

Kunstgalerien gelten als klassische Orte für Geldwäsche oder generell Schwarzgeldverkehr, da der wahre Wert der Kunstwerke für den Fiskus nur schwer nachzuvollziehen ist. Während der Wert für Luxusautos nicht allzu sehr vom Listenpreis abweichen kann, kann der eines Bildes oder einer Skulptur um ein Vielfaches von dem eines anderen abweichen.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

13.09.2012, 16:57 Uhr

Sehr erstaunlich und löblich, dass die Italiener so durchgreifen.

Bin mal gespannt ob sich Monti das auch im Süden traut, ohne Ärger mit der Mafia zu bekommen....

Giovani

13.09.2012, 17:11 Uhr

Alberne Show um Aktionismus zu demonstrieren Wow 1 Razzia beid en Reichen in Cortina und die anderen 355 Tage und in PAlermo, Catania etc???

Jeder der in PAlermo mal essen war weiß, daß man dort keine Quittungen bekommt.

Ist ja jetzt auch egal, Gelt kommt ab jetzt aus Germania und wenn nicht oder zu wenig, dann sind das Nazis dort in Germania

MIB

13.09.2012, 17:31 Uhr

Lektoriert eigentlich niemand die Artikel? Die Steuerquote in Italien liegt bei 29,4% und nicht bei 44%!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×