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25.05.2012

09:06 Uhr

Gemeinsame Anleihen

Monti will Merkel von Euro-Bonds überzeugen

Deutschland kann bei Euroraum-Bonds umgestimmt werden, darüber ist sich Mario Monti sicher. Der italienische Regierungschef hält die gemeinsamen Anleihen für sinnvoll, um Stabilität zu schaffen.

Angela Merkel und Mario Monti (li.) in Brüssel. dpa

Angela Merkel und Mario Monti (li.) in Brüssel.

Eine Mehrheit der europäischen Staats- und Regierungschefs hat sich laut dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti auf dem Gipfeltreffen in Brüssel in dieser Woche für gemeinsame Euroraum-Bonds ausgesprochen. Italien könne dabei helfen, Deutschland umzustimmen, so dass es sich ebenfalls für das europäische „Gemeinwohl“ einsetze, erklärte Monti.

„Europa kann schon bald Euroraum-Bonds haben“, sagte Monti in einem Interview mit dem italienischen Fernsehsender La7. Deutschland habe ein Interesse daran, dass kein Land den Euroraum verlässt, sagte er in dem Interview. Griechenland werde mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Währungsunion bleiben, selbst wenn „alles Mögliche passieren kann“, fügte er hinzu.

Montis Einschätzung steht im Gegensatz zu den Ausführungen des luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker, der gegenüber Journalisten in Brüssel sagte, insbesondere im deutschsprachigen Raum stießen gemeinsame Anleihen „nicht auf sehr große Unterstützung“. Hingegen sei der französischsprachige Raum in dieser Frage eher zu begeistern.

Gemeinschaftsanleihen - Euro-Bonds belohnen die Sünder

Um was geht es?

Auch bei Euro-Bonds sind sich Deutschlands Wirtschaftslenker und Bundeskanzlerin Merkel einig: Gemeinsame Anleihen würden verschuldeten Ländern den Anreize nehmen, durch Reformen wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Und dennoch: Langfristig ist die Vergemeinschaftung von Schulden vorstellbar.

Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes

„Gemeinsame europäische Schuldversprechen verwischen Haftung und Anreize.“

Martin Wansleben, Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages

„Euro-Bonds sind der falsche Weg. Denn was für ein Signal sendet man damit? Doch nur, dass man Schuldenpolitik leichter machen will.“

Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank

„Euro-Bonds mit gesamtschuldnerischer Haftung verletzen das urdemokratische Prinzip von no taxation without representation.“

Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken

„Hierzu (für Gemeinschaftsanleihen, d. Red.) brauchen wir einen passenden institutionellen Rahmen, den wir noch nicht haben. Haftung darf es nur im Gegenzug zu ausreichenden Kontrollinstrumenten geben.“

Monti äußerte sich nach dem EU-Gipfel, der gestern mit einer Ermahnung an die griechischen Wähler endete, am 17. Juni eine sparwillige Regierung zu wählen. Diese müsse die notwendigen Haushaltskürzungen vornehmen, um das finanziell angeschlagene Land im Euro zu halten.

Die Stabilität des Euro mittels Euro-Bonds zu erhöhen, ist für Monti auch im Interesse Deutschlands, wie er an seinem eigenen Land illustrierte. „Sollte Italien eines Tages den Euroraum verlassen und eine eigene autonome Währung mit Zinsfreiheit einführen, würde die neue Lira abgewertet und das wäre ein riesiges Problem für die deutschen Exporte“, sagte Monti. „Und es wäre auch ein großes Problem für Italien.“
„Ein vereintes Europa ist im Interesse Deutschlands“, sagte Monti. „Wir werden Euro-Bonds bekommen, wenn der Euroraum und daher auch Deutschland sie will.“

Kommentare (33)

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Petra

25.05.2012, 09:21 Uhr

Euro-Bonds kommen! Spätestens (!) nach der nächsten Bundestagswahl!
Die Euro-Politiker scheinen jedoch vergessen zu haben, daß Deutschland die Euro-Bonds NICHT braucht. Weit vor dem Euro war Deutschland schon Exportweltmeister und Deutschland wird es auch nach dem Euro wieder werden. Mit einer starken NDM (Neue DM) wird dann auch wieder das Benzin und Heizöl billiger!

rund47

25.05.2012, 09:29 Uhr

Italien hat so viele Möglichkeiten. Gemäß meinen Kenntnissen ist z. B. das Vermögen pro Einwohner größer als in Deutschland. Da muss es doch möglich sein einen Solidaritätszuschlag o. ä. einzuführen. In Sachen Korruption und Transparenz (Transparancy International) liegt das Land vergleichsweise weit hinten, da ist somit auch Potenzial, welches Wirtschaft und Wachstum zugute kommen könnte. Warum fangen die Italiener nicht da an? Das können sie sofort tun.

Wir_sind_das_Volk

25.05.2012, 09:29 Uhr

Die deutsche Wirtschaft wollte den Euro und die Milliardengewinne daraus. Jetzt, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, soll das deutsche Volk über die
Inflation und Bürgschaften die Rechnungen zahlen? Nein,
danke. Mit solch einer Idiotie wollte man schon mal das
Finanzsystem retten, was folgte war Armut,Hunger und Krieg.
Habt Ihr denn gar nichts aus der Geschichte gelernt...???

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