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18.09.2015

15:29 Uhr

Gemeinsames EU-Konzept für Klimagipfel

Kurz vor der Einigung?

VonThomas Ludwig

Die EU-Staaten haben sich auf eine gemeinsame Position für den Pariser Klimagipfel geeinigt. Ob sie ihren Ehrgeiz internationalisieren können, ist jedoch fraglich. Das aber fordert Europas Wirtschaft.

Die Eisdecke am Nordpol: Im vergangenen Jahr sind die weltweiten CO2-Emissionen trotz anhaltenden Wirtschaftswachstums erstmals nicht gestiegen. dpa

Eismessungen am Nordpol

Die Eisdecke am Nordpol: Im vergangenen Jahr sind die weltweiten CO2-Emissionen trotz anhaltenden Wirtschaftswachstums erstmals nicht gestiegen.

BrüsselDie EU ist wild entschlossen, bei der Uno-Klimakonferenz in Paris Angang Dezember eine Vorreiterrolle einzunehmen. „Wir werden diejenigen sein, die die anderen Teilnehmer der Konferenz mitreißen können und wollen“, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nach einem Treffen mit ihren 27 europäischen Ressortkollegen. Diese haben sich am Freitag auf ein gemeinsames Verhandlungsmandat geeinigt. Damit können die europäischen Unterhändler auf der COP21-Konferenz nun auf einen starken internationalen Rahmen zur Begrenzung der Erderwärmung drängen.

Der Übereinkunft zufolge, verpflichtet sich die EU, die Treibhausgasemissionen bis 2030 im Vergleich zum Jahr 1990 um 40 Prozent zu verringern und die Reduktion alle fünf Jahre zu überprüfen. „Aber nicht, um hinter Vereinbarungen zurückzufallen“, wie Ministerin Hendricks betonte, sondern, um den „eigenen Ehrgeiz“ noch ausweiten zu können, wenn es der technologische Fortschritt erlaube.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Auf die Frage, ob der Pariser Gipfel angesichts der unterschiedlichen internationalen Interessen denn nicht zum Scheitern verurteilt sei, antwortete Hendricks: „Wenn wir davon ausgingen, könnten wir das Politikmachen ja gleich einstellen.“

Der vorerst letzte Klimagipfel in Kopenhagen war im Jahr 2009 auch gescheitert, weil es keinen zuvor weitgehend ausverhandelten Vertragstext gab. Das soll in diesem Jahr anders sein. Wenn COP21 beginnt, soll ein abgestimmter Text im Wesentlichen stehen.

Die Gespräche der Staatengemeinschaft laufen derzeit auf Hochtouren. Die Zeit drängt. Mitte Oktober wollen sich die Staaten in Paris erneut zu einer Vorbereitungskonferenz treffen – wohl zum letzten Mal vor dem Dezember-Gipfel, der ein neues globales Klima-Abkommen als Nachfolge-Papier des Kyoto-Protokolls verabschieden soll, dessen Ziel die CO2-Reduktion von 2008 bis 2012 war.

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US-Präsident Obama warnt auf der Gletscher-Konferenz in Alaska, dass gerade Alaska sehr stark von der Veränderung des Klimas betroffen sein. Was nicht nur die USA kümmern muss, sondern alle Länder der Erde.

Bislang haben nur rund 60 Teilnehmerstaaten dargelegt, was sie in den nächsten Jahren für den Klimaschutz tun wollen. Klar ist aber schon heute, dass es schwerlich reichen wird, um die Erderwärmung bei dem bisher stets anvisierten Wunschziel von plus zwei Grad Celsius zu stabilisieren.

„In der Summe werden die bisher bekannten Bemühungen den Anstieg der globalen Erderwärmung nur auf drei Grad Celsius begrenzen“, warnt Jo Leinen, Klimaexperte der Sozialdemokraten im Europaparlament. In Paris geht es also auch darum Staaten dazu zu bewegen, mehr für den Klimaschutz zu tun.

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