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11.09.2014

09:00 Uhr

Gemeinschaftswährung

Französischer Notenbanker für schwächeren Euro

Vorstoß aus Frankreich: Notenbankchef Noyer fordert einen schwächeren Euro. Sein Ziel: die Inflationsrate näher an die Zielmarke von zwei Prozent zu bringen.

Der französische Notenbankchef Christian Noyer: „Wir mussten den Euro drücken.“ ap

Der französische Notenbankchef Christian Noyer: „Wir mussten den Euro drücken.“

ParisDer französische Notenbankchef Noyer spricht sich für einen schwächeren Euro aus. Um die Inflationsrate wieder näher an das Ziel von zwei Prozent zu bringen, musste der Euro-Kurs gedrückt werden, sagte Noyer am Donnerstag dem Radiosender „Europe 1“. „Wir mussten den Euro drücken und wir müssen den Euro immer noch drücken.“ Derzeit liegt die Teuerungsrate in der Euro-Zone mit 0,3 Prozent weit unter dem Zielwert von knapp zwei Prozent, bei dem die Europäische Zentralbank (EZB) von stabilen Preisen spricht.

Der EZB-Rat - dem Noyer angehört - hatte vorige Woche im Kampf gegen eine drohende Deflation den Kauf von Kreditverbriefungen und Pfandbriefen angekündigt sowie ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt.

Das Ende der Eurokrise?

Was bedeutet der Schritt Lissabons für die Eurozone?

Es ist ein Indiz, dass sich die Finanzlage im gemeinsamen Währungsgebiet erheblich beruhigt hat. Länder im Süden des Kontinents können sich zur Zeit zu sehr günstigen Konditionen an den Finanzmärkten Geld leihen.

Lissabon will keine Übergangshilfen mehr. Ist das realistisch?

Ja. Die EU-Kommission, die in der Troika vertreten ist, unterstützt den Beschluss für einen „sauberen Ausstieg“ ausdrücklich. „Das sorgt für eine bessere Stimmung und Vertrauen von (Finanz-)Investoren“, lautet die Devise des verantwortlichen EU-Vize-Kommissionspräsidenten Siim Kallas.

Das Vertrauen kehrt also in die Eurozone zurück?

Ja. Aber dies hat vor allem zwei Gründe. Da ist zunächst die Europäische Zentralbank (EZB). Die Notenbank versprach, den Euro um jeden Preis zu retten. EZB-Patron Mario Draghi ist auch bereit, gegen die niedrige Inflation sowie gegen die Deflation zu kämpfen. Deflation ist ein umfassender Preisverfall, der die Konjunktur ausbremsen kann.

Was ist der andere Grund?

Angesichts von Turbulenzen bei aufstrebenden Wirtschaftsriesen in Asien oder Südamerika gilt Europa wieder als ein „sicherer Hafen“ für Anleger. Aus Russland gibt es wegen der Annexion der Krim einen bedeutenden Kapitalabfluss. Nach Moskauer Schätzungen waren es allein im ersten Vierteljahr rund 50 Milliarden Euro. Von internationalen Kapitalströmen profitiert auch der krisengeschüttelte europäische Süden.

Wie ist die Lage in Griechenland?

Griechenland hat die schwere Rezession überwunden und wird wieder wachsen. Das soll auch dem angespannten Arbeitsmarkt zugutekommen. Jeder Vierte ist dort ohne Job. Athen erzielte 2013 erstmals seit langem einen Haushaltsüberschuss - ausgeblendet sind dabei jedoch der Schuldendienst und Kapitalspritzen an Banken.

Braucht Athen ein neues Rettungspaket?

Die griechische Koalitionsregierung ist dagegen. Finanzminister Ioannis Stournaras strebt aber an, Zahlungsfristen für die Hilfskredite weiter zu strecken, um dem Land Luft zu verschaffen. Entscheidungen der Eurogruppe wird es voraussichtlich erst im Herbst geben. Ende des Jahres läuft das Griechenland-Programm von europäischer Seite aus.

Wie sieht es in Zypern aus?
Viele wollen das Kapitel „Eurokrise“ abschließen. Ist das gerechtfertigt?

Nein. Es sind nach dem Willen der Brüsseler Währungshüter weitere Reformen in vielen Ländern der Eurozone nötig, um die Erholung dauerhaft abzusichern. Nach der Krise steigen die Schuldenberge der 18 Euro-Mitgliedstaaten im laufenden Jahr sogar weiter an - um einem Punkt auf 96 Prozent der Wirtschaftsleistung. In Griechenland wächst beispielsweise der staatliche Schuldenberg um zwei Punkte auf 177 Prozent. Erlaubt sind höchstens 60 Prozent. Für Entwarnung ist es also viel zu früh, sagen die Experten.

Ein Euro kostet derzeit 1,29 Dollar. Je billiger er ist, desto teurer werden Importe - etwa von Rohstoffen, die meist in Dollar bezahlt werden. Zugleich werden Exporte in andere Währungsräume billiger, was die Konjunktur im Euro-Raum anschieben kann. Beides kann die Inflation anheizen

Von

rtr

Kommentare (3)

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Herr Manfred Zimmer

11.09.2014, 09:40 Uhr

"Französischer Notenbanker für schwächeren Euro"

Das einfache Zeichen dafür, dass das was nicht zusammen gehört, nicht zusammenwachsen kann.

Es ist an der Zeit, den Stecker zu ziehen. Das hat nichts mit Wahlkampf der AfD zu tun. Das ist nun dies sachliche Notwendigkeit.

Eine sachliche Notwendigkeit und Auftrag an die Politik in einer Zeit, dass sich Notenbank und ehemaliger deutscher EZB-Banker laut an die deutschen Politiker gewandt haben.

Die Formulierungen waren "alternativlos", um die Sprache der Politiker zu verwenden.

Wenn die Politiker jetzt nicht hören, dann sind sie fehl am Platz!

Herr Omarius M.

11.09.2014, 11:20 Uhr

Das dann das defizit höher wird weil die Importer teurer werden planen die Herren Franzosne nicht ein....

desweitenr kann man den euro garnicht soweit senken wie es nötig wäre um die F marktfähigkeit wiederheerzustellen....

wie sagte de gaulle....

Franzosen machen von Zeiut zu zeit eine Revolution.....

aber nie Reformen......

man woltle von anfang an nur die DM weg haben und die zinskonvergenz....

aber nicht das nötige dafür tun....

so macht man den Euro nun kaputt und D steht vor einem scherben haufen wenn er kippt UND....

wir sind dann noch schuld....

wie sich das Linke und rechte partein in den nachbarländer gerade zurecht legen....

es wäre besser gewesn den Euro bei der Krise zu versenken...

es dankt uns eh keiner....

man wirft dem Durchschnitts D noch vor er würde sich bereichern...

Frau Dagmar Kohlrausch

11.09.2014, 12:23 Uhr

Wie schwach darf der Euro denn werden? Er hat in den letzten Wochen bereits 10 Cent zum Dollar verloren. Gut für die Staatsfinanzen, ganz schlecht für den gemeinen Bürger. Aber um den geht es ja auch nicht. Warum sind ausgerechnet 2% Inflation gut? Für mich als Verbraucher wäre Null Inflation gut, denn das gibt mir die Sicherheit, das ich auch nächsten Monat noch irgend wie mit meinem Geld auskomme.

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