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23.07.2013

17:43 Uhr

Generalstabschef warnt vor Kosten

USA diskutieren Syrien-Szenarien

Die Rebellen in Syrien verlieren an Boden, der Druck auf Washington wächst. General Dempsey macht klar: Ein bewaffneter Einsatz wäre kostspielig und risikoreich. Nun muss Präsident Obama entscheiden.

US-Militärchef Martin Dempsey hat für Präsident Obama verschiedene Optionen für ein Vorgehen in Syrien durchgespielt. ap

US-Militärchef Martin Dempsey hat für Präsident Obama verschiedene Optionen für ein Vorgehen in Syrien durchgespielt.

Washington.

Der wichtigste militärische Berater von US-Präsident Barack Obama hat vor nicht absehbaren Risiken und Milliardenkosten bei einem umfassenden Einsatz in Syrien gewarnt. Generalstabschef Martin Dempsey listete in einem Brief an den Senat fünf mögliche Szenarien für einen bewaffneten Einsatz in dem Bürgerkriegsland auf. Sollten sich die USA für einen groß angelegten, bewaffneten Einsatz in Syrien entscheiden, drohten eine langfristige Verstrickung in den Konflikt und „ungewollte Konsequenzen“, warnte Dempsey. Hinzu kämen jeden Monat Kosten von als eine Milliarde US-Dollar (rund 760 000 Euro).

Obwohl der nun bekanntgewordene Brief fünf Optionen im Kampf gegen das Assad-Regime in Aussicht stellt und die letzte Entscheidung bei Präsident Obama als Oberbefehlshaber der Streitkräfte liegt, sind Dempseys kritische Töne kaum zu überhören. Islamisten und andere Extremisten könnten gestärkt aus einem bewaffneten US-Einsatz hervorgehen, schreibt Dempsey. Auch Vergeltungsschläge der syrischen Führung seien möglich, heißt es in dem Schreiben vom vergangenen Freitag, das an den Vorsitzenden des Streitkräfteausschusses im Senat, Carl Levin, adressiert ist.

„Wir müssen auf die ungewollten Konsequenzen unserer Handlungen vorbereitet sein“, schreibt Dempsey weiter. „Sollten die Institutionen des Regimes in Abwesenheit einer funktionsfähigen Opposition zusammenbrechen, könnten wir unbeabsichtigt Extremisten zu Macht verhelfen oder genau die chemischen Waffen entfesseln, die wir unter Kontrolle bringen wollen.“ Mitte Juni hatte sich Obama davon überzeugt gezeigt, dass das Regime in Damaskus mit dem Einsatz von Giftgas eine von ihm gezogene „Rote Linie“ überschritten habe.

Dempseys fünf Szenarien reichen von reinen Aufklärungs- und Waffenschulungen für die syrischen Rebellen über begrenzte Luftangriffe auf Militäranlagen bis hin zu einem umfassenden Einsatz von US-Streitkräften auf syrischem Boden. Für diesen seien Hunderte Flugzeuge, Schiffe und U-Boote nötig sowie mehrere Tausend Streitkräfte.

Mit all diesen Optionen könnten die Rebellen zwar gestärkt und der Druck auf Machthaber Baschar al-Assad erhöht werden. Die Erfahrungen der vergangenen zehn Jahre mit Kriegen in Afghanistan und im Irak hätten aber gelehrt, dass es nicht ausreiche, die militärischen Kräfteverhältnisse in einem Land zu verschieben. Zur Erhaltung eines funktionierenden Staats sei mehr Engagement nötig.

Der Vier-Sterne-General Dempsey reagierte mit seinem Schreiben auf wiederholte Fragen des Senators John McCain, der schon mehrfach gefordert hatte, militärisch in den Syrien-Konflikt einzugreifen. McCain bezweifelt, dass die Unterstützung für syrischen Rebellen ausreicht, wie die „Washington Post“ am Dienstag berichtete. Der republikanische Senator hatte zuvor gedroht, Dempsey seine Stimme für die erneute Nominierung zum Generalstabschef zu versagen.

Die zuständigen Ausschüsse im Repräsentantenhaus und im Senat gaben unterdessen ihre Zustimmung für die von den USA geplanten Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen. Laut einem Bericht der „Washington Post“ vom Dienstag können damit Gelder, die bereits im Budget des US-Geheimdienstes CIA vorgesehen sind, für Lieferungen an die Opposition verwendet werden. Die Waffen könnten dem Bericht zufolge bereits innerhalb der kommenden Wochen geliefert werden.

In dem seit mehr als zwei Jahren andauernden syrischen Bürgerkrieg wird das Regime von Präsident Assad vom Iran und von Russland mit modernen Waffen unterstützt. Die Aufständischen erhalten leichte Waffen und Geld von den Golfstaaten. Die USA planen seit mehreren Wochen, die Rebellen mit besseren Waffen auszustatten.

Die fünf Optionen im Überblick:

- Training, Beratung und Unterstützung der Rebellen. Dies wäre die kostengünstigste Variante, die schätzungsweise 500 Million Dollar im Jahr erfordern würde.

- Begrenzte Angriffe mit Raketen und Kampfflugzeugen auf Einrichtungen der Luftverteidigung, der syrischen Streitkräfte und auf deren Kommandostruktur, um ihre Fähigkeit zur Kriegsführung zu verringern. Die Kosten dafür lägen bei etwa einer Milliarde Dollar pro Monat. Risiken wären Gegenangriffe und zivile Opfer.

- Einrichtung einer Flugverbotszone. Das würde Hunderte Kriegsflugzeuge und deren Sicherungseinheiten erfordern. Die Kosten lägen hier auch bei etwa einer Milliarde Dollar im Monat. Die Auswirkungen wären aber möglicherweise gering, da sich die syrische Armee mehr auf Bodentruppen als auf ihre Luftwaffe stütze.

- Die Schaffung von Pufferzonen, in denen die Rebellen vor Angriffen der syrischen Armee sicher wären. Dies würde den Einsatz militärischer Gewalt zur Schaffung und Sicherung der Zonen im Land erfordern. Die Kosten lägen bei mehr als einer Milliarde Dollar pro Monat. Die Zonen könnten aber auch zum Angriffsziel für die Regierungstruppen werden.

- Kontrolle der Chemiewaffen Syriens. Zur Verhinderung der Weiterverbreitung der syrischen Chemiewaffen und zu deren Zerstörung müsste militärische Gewalt angewandt werden. Diese Option würde ebenfalls den Einsatz Hunderter Kampfflugzeuge nötig machen und mehr als eine Milliarde Dollar pro Monat kosten.

Kommentare (6)

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InvestitionInWorteFuerMehrGeld

23.07.2013, 14:46 Uhr

Kein Wunder wenn die folgende Petition gerade in den vereinten nordamerikanischen Staaten, exclusive Canada und Mexico, inclusive den Dependancen in overseas mit Krone und Zepter, die im Staate implentierten allseits ergiebigen Vasallen auf den Plan rufen und sie für den Erhalt der eigenen Pfründe sorgen, hier:[...]werden ihnen geholfen, wenn nicht sofort, dann später, wenn sie erkennen, auf welche Schiene man sich einließ.

Auch hier wird die Politik genüßlich in Geißelhaft genommen, um stets die Verbraucher "gesundheitlich" zu versorgen. Bei uns fehlt lediglich der Hinweis darauf, daß die Apotheke bereits in manchem Supermarkt Einlaß fand, nun gut, das gibt es derzeit in La France, noch nicht in Old Germany.

Wir sind bereits auf dem Wege, daß individuell die Persönlichkeit angepaßt wird. Bei so manchem Erdenbürger kann dies nicht verfangen, dann beißt er halt ins Gras. Der Effekt bleibt sich gleich. Das Eingangstor zu diesen Manöver wird durch diejenigen, welche sich weniger Gedanken machen zur Wahl im September 2013 zu gehen, in voller Pracht eröffnet.

Cheers und [...] Bush, wie auch dem Baalen Osamah. Ich würde mir wünschen, daß es mehr Menschen mit Courage gibt, welche den Mut dieses Mannes haben: [...]und sie sind außen vor, wenn Sie sich bald nicht einmischen wollen.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

23.07.2013, 15:09 Uhr

Natürlich sind Menschenrechte etc das letzte, warum es geht bei den Revolutionen, Gegenrevolutionen, Kriegen, Angriffskriegen der Nato (Code: "Flugverbotszone"), den "Gaza"-Booten der Türkei damals, die Finanzattacke auf Zypern usw.

Es geht um Gas, sowohl die Gasfelder des Östlichen Mittelmeers (die Israel schon anzapft) als auch zwei geplante konkurrierende Pipeline-Projekt durch SYRIEN (welch ein Zufall), eines vom Iran, das andere von Katar (US-Komplize).

Da könnte man doch schon ein paar Milliarden springen lassen, lieber General, vor allem wenn man die drittklassigen Freunde wie z.B. unsere Bananenrepublik zum Zahlen mit einspannt.
(wir wollen unsere Patriot-Kompanie zurück!!! Keine Angriffskriege mit Beteiligung Deutschlands!!!)

Hier etwas Hintergrund speziell zu Syrien

http://lupocattivoblog.com/2013/05/21/der-gaskrieg-die-gas-falle-als-das-praludium-zum-dritten-weltkrieg/

http://www.zerohedge.com/news/2013-05-27/europe-ends-arms-embargo-syrian-rebels-desperate-break-russian-natgas-export-monopol

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/f-william-engdahl/wird-syrien-fuer-die-usa-zum-neuen-vietnam-.html

Entsprechende Links zu den anderen Brennpunkten des "Gasfelds" Östlichen Mittelmeer habe ich ja bei diesen Themen schon geposted.

Hier noch ein Überblick (Karten und Israels Stand):

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/f-william-engdahl/israels-energiepolitische-gesamtstrategie-wird-erkennbar.html

bestprice

23.07.2013, 18:35 Uhr

Ich weiß nicht an welcher Börse hier gehandelt wird aber 1000000000USD/760000EUR=1315,79 USD/EUR erscheint mir sehr lukrativ. ;)

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