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20.09.2012

18:33 Uhr

Gentechnik-Studie

Paris fordert EU-Verbot für Gen-Nahrung

Laut einer französischen Studie erkranken Tiere, die mit Gen-Nahrung gefüttert werden, häufiger an Krebs. Deshalb fordert Paris ein EU-weites Verbot bestimmter Nahrungsmittel. Deutschland lässt die Studie jetzt prüfen.

Frankreich will einige Gen-Lebensmittel in der EU verbieten lassen. dpa

Frankreich will einige Gen-Lebensmittel in der EU verbieten lassen.

Dijon/BerlinFrankreich will sich für ein Verbot bestimmter gentechnisch veränderter Lebensmittel in der EU einsetzen, sollten sich die jüngsten Erkenntnisse über mögliche Gesundheitsgefahren bestätigen. Das kündigte Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault am Donnerstag im ostfranzösischen Dijon an. Das Bundeslandwirtschaftsministerium lässt die französische Studie laut einer Sprecherin derzeit prüfen.

Der Studie zufolge sterben mit Genmais gefütterte Ratten jünger und erkranken deutlich häufiger an Krebs als Tiere, die herkömmliche Nahrung erhalten. Eine Arbeitsgruppe für gentechnisch veränderte Organismen in Nahrungsmitteln beobachtete 200 Ratten über einen Zeitraum von zwei Jahren. Die Ratten wurde mit Genmais der Sorte NK603 gefüttert. Der Mais des US-Agrarkonzerns Monsanto ist in der EU nicht zum Anbau, jedoch zur Verwendung in Tierfutter und Lebensmitteln zugelassen.

Was steckt hinter der zweijährigen Gewährleistung?

Was das BGB einen „Sachmangel“ nennt

Den Begriff „Gewährleistung“ kennt das Gesetz nicht, im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) ist von Sachmängeln und einer Verjährung der Mängelansprüche die Rede.

Wann liegt ein Sachmangel vor?

Der Kunde hat einen Anspruch darauf, dass die gekaufte Ware frei von Mängeln ist. Laut Paragraph 434 BGB ist die Sache – also der gekaufte Gegenstand – „frei von Sachmängeln, wenn sie bei Gefahrübergang die vereinbarte Beschaffenheit hat.“ Wurde die Beschaffenheit nicht vereinbart, ist die Sache frei von Sachmängeln, wenn sie sich „für die nach dem Vertrag vorausgesetzte Verwendung eignet“ oder wenn „wenn sie sich für die gewöhnliche Verwendung eignet und eine Beschaffenheit aufweist, die bei Sachen der gleichen Art üblich ist und die der Käufer nach der Art der Sache erwarten kann.“

Sachmangel wegen falscher Montage?

Ein Sachmangel kann gemäß Paragraph 434 BGB auch dann vorliegen, wenn die vereinbarte Montage unsachgemäß durchgeführt wurde oder der Verkäufe eine andere Sache oder eine zu geringe Menge liefert.

Wann verjährt der Mängelanspruch?

Üblicherweise verjährt der Anspruch auf Nacherfüllung oder Schadenersatz nach zwei Jahren.  Bei einem Bauwerk sind es fünf Jahre (Paragraph 438 BGB).

Welche Rechte hat der Käufer?

Laut Paragraph 437 BGB hat der Käufer bei einer mangelhaften Sache verschiedene Möglichkeiten: Er kann vom Verkäufer Nacherfüllung verlangen (§ 439), er kann vom Vertrag zurücktreten (§§ 440, 323 und 326 Abs. 5) oder den Kaufpreis mindern (§ 441). Unter Umständen kann er auch Schadenersatz (§§ 440, 280, 281, 283 und 311a) oder den Ersatz vergeblicher Aufwendungen (§ 284) verlangen.

Recht auf Nacherfüllung

Liegt ein Mangel vor, kann der Kunde selbst entscheiden, ob der Verkäufer diesen beseitigen oder eine mangelfreie Sache liefern soll. Wenn dabei beispielsweise Transportkosten entstehen, muss der Verkäufer diese zahlen. Allerdings kann der Verkäufer die gewählte Art der Nacherfüllung auch verweigern, wenn diese mit unverhältnismäßigen Kosten verbunden ist  (Paragraph 439 BGB).

Recht auf Rücktritt vom Vertrag

Wenn der Verkäufer beide Arten der Nacherfüllung verweigert oder sie ihm unzumutbar wären, kann der Käufer vom Vertrag zurücktreten (Paragraph 440 BGB).

Recht auf Minderung

Alternativ zum Rücktritt vom Vertrag kann der Käufer auch den Kaufpreise mindern (Paragraph 441 BGB).

Ayrault sagte am Donnerstag, er habe "ein rasches Verfahren von einigen Wochen verlangt, um die wissenschaftliche Stichhaltigkeit dieser Studie zu überprüfen". In Deutschland prüfen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Studie, wie die Ministeriumssprecherin sagte. Die Ergebnisse seien abzuwarten; dann entscheide sich, "ob Maßnahmen erforderlich sind und wenn ja welche". Ein Sprecher des BfR sagte, eine Arbeitsgruppe prüfe derzeit die inhaltlichen Aussagen und Methoden der Studie. Mit Ergebnissen ist demnach bald zu rechnen.

Monsanto selbst hatte am Mittwochabend erklärt, es sei noch zu früh für eine seriöse Einschätzung der Studie. Die Wissenschaftler des Unternehmens wollten sie prüfen, sobald sie ihnen vorliege. Mehr als 300 Studien hätten aber bereits gezeigt, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel so sicher seien wie nicht gentechnisch veränderte. Die französische Initiative für pflanzliche Biotechnologie erklärte, zahlreiche Haustiere auf der ganzen Welt würden seit 1996 mit gentechnisch verändertem Futter ernährt, und dies ohne Probleme.

Die EU-Kommission beauftragte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) damit, die Ergebnisse der Studie zu prüfen, und hofft nun auf eine Einschätzung der EU-Experten bis Jahresende, wie ein Sprecher sagte. Dafür müsste der Verfasser der Studie, der Franzose Gilles-Eric Séralini, der EU-Behörde seine Daten übergeben. Der Forscher sprach sich am Donnerstag in Brüssel jedoch gegen eine Überprüfung durch die EFSA aus. Es gebe einen "Interessenkonflikt", da die EFSA den Genmais NK603 schließlich auch zugelassen habe.

Von

afp

Kommentare (10)

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jjbs

20.09.2012, 21:00 Uhr

http://www.spektrum.de/alias/gentechnik/eine-studie-die-fragen-offen-laesst/1165414

Rechner

20.09.2012, 22:51 Uhr

O-Ton Monsanto
-------------------
Mehr als 300 Studien hätten aber bereits gezeigt, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel so sicher seien wie nicht gentechnisch veränderte.
-------------------

Diese Art von Propaganda ist an Perfidie kaum noch überbietbar.

Denn über die Sicherheit gentechnisch veränderter Lebenmittel kann man keinerlei generellen Aussagen machen.

Selbst wenn die 300 getesteten gentechnisch veränderten Lebensmittel sicher wären, dann ist es das dreihunderterste möglicherweise trotzdem nicht.

Aus 300 Studien über die Sicherheit gentechnisch veränderter Lebenmittel kann man allenfalls auf die Sicherheit der getesteten Lebensmittel schließen.

Die Genmafia versucht aber ihre Studien zu einem "Beweis" für die Sicherheit ALLER gentechnisch manipulierten Lebensmittel umzufälschen.

So will man sich teure Test- und Zulassungsverfahren ersparen.

...

Denn Tests eines Lebensmittels auf gesundheitliche Unbedenklichkeit sagen allenfalls etwas über die gesundheitlichen Schäden aus, auf die überhaupt getestet wurde. Wobei es in der Natur der Sache liegt, daß auf Langfristfolgen (keine Zeit für sowas) nicht getestet wurde.

...

Die Tests auf gesundheitliche Unbedenklichkeit sagen auch nichts über die Folgen der Einführung neuer Pflanzen oder Tiere in das Ökosystem aus.

...

Von mir aus können die Yankees ihre Frankensteinfoods an sich selbst ausprobieren.

Wir sollten aber dafür sorgen, daß von diesem Dreck nichts nach Europa kommt.

FreundHein

20.09.2012, 22:56 Uhr

Ich habe die Studie auch noch nicht gelesen. Wann auch.
Aber ich habe schon einiges über ihren Inhalt gehört und mache mir meinen Reim:

Diese Studie hat Versuchstiere bis zu ihrem gewöhnlichen Lebensende beobachtet. Mastvieh lebt bestenfalls bis ans Ende des mittleren Alters, meist wird es sogar juvenil geschlachtet.
Also auf Grundschüler (um mal menschliche Vergleichsalter beizuziehen) können die Studien von Monsanto und Co. keine Effekte feststellen. {Dabei frage ich mich: wieso machen die Hersteller ganz legal ihre eigenen Unbedenklichkeitsbescheinigungen?}
Die Verfütterung bis ins Teenageralter hat bisher auch keine krassen Effekte offenbart, ebenso wie die an Postgraduierte. Zumindest nichts, was dermaßen auffallend ist, dass die betroffenen Mäster den Mais nicht mehr kaufen, weil sie ihr Vieh statt beim Schlachter bei der TKV abliefern müssen.
Ob sich das so hält, darf im Zuge der nun steigenden Aufmerksamkeit für derartige Effekte bezweifelt werden.
Viele Landwirte halten Erhöhungen der Morbidität und Mortalität im Bereich um 10% für "natürlich". Mit ein paar Fütterungsreihen kann jetzt jeder Bauer selber nachhalten, ob MON da Effekte hat und ob die für ihn wirtschaftlich tolerabel sind.
Tja und bis ins Greisenalter hat ja bis auf diese Laborratten noch kein Lebewesen Genmais gefressen.

Daraus kann jeder klar denkende Mensch seine Schlüsse ziehen.

Jedenfalls sehe ich KEINERLEI Widerspruch zwischen den Ergebnissen der Genmafia und dieser Studie. Sie bereichert aber unsere Kenntnisse entscheidend.

Und je mehr Genmais verfüttert wird, desto mehr RoundUp landet auf unserem Teller.

Bei der genetisch induzierten Abwehr der Effekte dieses Biozides produziert ein Lebewesen dermaßen viele Radikale, dass das Krebsrisiko enorm ansteigt. Man beachte den Zusammenhang von Radikalen und genetischen Prozessen, insb. erhöhter Variabilität.

So leicht ist das.
Natürlich habe ich das nicht gemessen.
Das ist ein plausibles zu prüfendes Modell.

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