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09.04.2013

20:18 Uhr

George Soros

Der Euro kann auch ohne Deutschland überleben

US-Investor Soros sieht einen Weg, wie Europa aus der Krise kommen kann: Eurobonds. Doch die lehnt Deutschland ab. Damit werde Fortbestand der EU gefährdet, mahnt Soros - und legt Berlin den Euro-Austritt nahe.

US-Starinvestor George Soros. Reuters

US-Starinvestor George Soros.

FrankfurtIm Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise sollte Deutschland nach Überzeugung von US-Starinvestor George Soros den Widerstand gegen Eurobonds aufgeben - oder aus der Währungsunion austreten. „Eurobonds akzeptieren oder den Euro verlassen - beides ist für Europa und Deutschland besser, als weiterzumachen wie bisher“, sagte Soros am Dienstag im Center for Financial Studies (CFS) an der Goethe-Universität Frankfurt.

Nur ein aktives Deutschland könne die aktuelle Krise überwinden, ist Soros überzeugt. Das Problem sei, dass Deutschland immer nur so viel wie unbedingt nötig mache, um den Euro zu retten, aber keinen Deut mehr. Das sei ein Fehler, der teuer werden könne: „Die Krise wird sich wahrscheinlich sogar noch vor den Wahlen in Deutschland verschärfen.“ Bis dahin könne Deutschland schon wie andere Euroländer in die Rezession gestürzt sein.

Welche Euro-Staaten das Zypern-Virus in sich tragen

Slowenien

Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) haben slowenische Banken etwa sieben Milliarden Euro an faulen Krediten in ihren Büchern stehen - eine Summe, die 20 Prozent des BIP des Landes ausmacht. Seit Monaten wird daher regelmäßig darüber spekuliert, ob der Adria-Staat als nächstes Land unter den Euro-Rettungsschirm flüchten müsse; im vergangenen Sommer waren die Anzeichen dafür besonders akut.

Wie gefährdet ist der Staat?

Slowenien hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die dem Land mehr Luft an den Finanzmärkten verschafften. So wurde eine Bad Bank beschlossen, in die toxische Papiere der Banken ausgelagert werden sollen. Die Ratingagentur Fitch sah in ihrem jüngsten Länderblick auf Slowenien von vor wenigen Tagen daher nicht mehr unmittelbar das Risiko, dass die frühere jugoslawische Teilrepublik internationale Finanzhilfe beantragen muss. Unter einer Voraussetzung: dass die neue Mitte-Links-Regierung in Ljubljana den Reformkurs fortsetzt und den Bankensektor noch stärker an die Kandare nimmt. Vor allem müsse die Rekapitalisierung der Banken vorangetrieben werden. In Slowenien wird im zweiten Jahr in Folge in 2013 mit einer Rezession gerechnet.

Luxemburg

Der Kleinstaat gilt eigentlich als wirtschaftlich grundsolide, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bescheinigte ihm in einem Bericht vom Dezember das höchste Pro-Kopf-Einkommen der OECD-Staatengruppe. Zudem sei Luxemburg vergleichsweise gut durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gekommen. Doch die OECD mahnte auch, dass das Land trotz bereits umgesetzter Regulierungen im Bankenbereich zu stark von seinem riesigen Finanzsektor abhängig sei, der ein Drittel des BIP erwirtschaftet - zum Vergleich: Auf Zypern waren es 45 Prozent.Die luxemburgischen Banken gelten freilich als weit seriöser als die zyprischen. Sie litten laut OECD kaum unter der Finanzkrise, weil ihnen als "sicherer Hafen" manche Anlagegelder zuflossen.

Wie gefährdet ist der Staat?

Ein schwere Verschärfung der Eurokrise könnte auch das luxemburgische Geschäftsmodell ins Wanken bringen, die Einlagen bei Banken und Investmentfonds übersteigen das BIP um ein Vielfaches. Das kleine Luxemburg könnte die Banken dann aus eigener Kraft nicht retten - ganz zu schweigen von den internationalen Schockwellen. Allein bei der Rettung der maroden Dexia-Bank gab Luxemburg 2011 eine Garantie von 2,55 Milliarden Euro oder 8,5 Prozent seines Bruttosozialproduktes ab.

Malta

Der winzige Inselstaat im Mittelmeer rühmt sich, die Eurokrise zuletzt weit besser als andere Euroländer überstanden zu haben. Die Arbeitslosigkeit liegt bei lediglich sechs Prozent, das Wachstum erreichte im vergangenen Jahr 1,5 Prozent und das Defizit konnte auf 2,3 Prozent und damit sogar unter die Drei-Prozent-Grenze der EU gedrückt werden.

Wie gefährdet ist der Staat?

Malta wird immer wieder als möglicher Wackelkandidat im Euroraum genannt. Der Grund: Die Entwicklung war vorher über Jahre weit negativer, der Schuldenstand ist immer noch zu hoch und der Finanzsektor ebenfalls viel zu aufgebläht.

Der Star-Investor warnte vor der Gefahr der Eurokrise für die EU. Denn die aktuellen Ungleichgewichte seien auf Dauer politisch nicht tragbar. „Das würde die Europäische Union zerstören. Das könnte schon im kommenden Jahr geschehen.“

Die umstrittenen gemeinsamen Anleihen (Eurobonds) sollen die Zinslast für Krisenstaaten senken. Für Deutschland würde die Kreditaufnahme teurer. Die Bundesregierung lehnt Eurobonds ab, zuletzt war das Thema von der Agenda der EU verschwunden.

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Der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, wies Soros Vorstoß zurück. Gemeinschaftsanleihen, mit denen ein Land neue Staatsschulden mit dem Geld der Steuerzahler in anderen Ländern finanziert, seien demokratisch nicht legitimiert.

Soros sieht in Gemeinschaftsanleihen hingegen die Möglichkeit, die Pleite-Gefahr der Euroländer auszuräumen, was die Finanzierung der Krisenländer verbilligen und die Rückkehr zu Wirtschaftswachstum ermöglichen würde.

Diese Aktien hat Soros im Depot

Wal Mart

Anzahl der Aktien: 4,83 Millionen

Anteil am gesamten Unternehmen: 0,1 Prozent

Anteil in Soros Portfolio: 4,9 Prozent

Adecoagro

Anzahl der Aktien: 25,39 Millionen

Anteil am gesamten Unternehmen: 21,1 Prozent

Anteil in Soros Portfolio: 3,4 Prozent

General Electric

Anzahl der Aktien: 8,58 Millionen

Anteil am gesamten Unternehmen: 0,1 Prozent

Anteil in Soros Portfolio: 2,6 Prozent

Westport Innovations

Anzahl der Aktien: 4,13 Millionen

Anteil am gesamten Unternehmen: 7,5 Prozent

Anteil in Soros Portfolio: 2,2 Prozent

NetApp

Anzahl der Aktien: 4,48 Millionen

Anteil am gesamten Unternehmen: 1,2 Prozent

Anteil in Soros Portfolio: 2,1 Prozent

SPDR Gold Trust

Anzahl der Anteile: 884.400

Anteil am gesamten Fonds: 0,2 Prozent

Anteil in Soros Portfolio: 2 Prozent

Charter Communications

Anzahl der Aktien: 1,88 Millionen

Anteil am gesamten Unternehmen: 1,9 Prozent

Anteil in Soros Portfolio: 1,9 Prozent

Soros ist überzeugt, dass der Euro auch ohne Deutschland überleben könne. Die Währung würde abwerten, die Wettbewerbsfähigkeit steigen, sagte Soros. „Europa könnte die drohende Depression verhindern.“ Auch ohne Deutschland sei die Eurozone niedriger verschuldet als andere Währungsräume.

Soros ist einer der bekanntesten Hedgefonds-Manager. Der 1930 in Ungarn geborene Investor verwaltet Milliarden-Vermögenswerte. Bekannt wurde er Anfang der 1990er Jahre, als er massiv gegen das britische Pfund wettete. Das deutsche Vorgehen in der Schuldenkrise hatte er wiederholt attackiert.

Von

dpa

Kommentare (69)

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Account gelöscht!

09.04.2013, 20:30 Uhr

" und legt Berlin den Euro-Austritt nahe"

Wunderbar! Gern sofort!

akdym

09.04.2013, 20:31 Uhr

Dieser Lottospieler sollte lieber den Mund halten.

Collie

09.04.2013, 20:34 Uhr

Wahrscheinlich hat Herr Soros gewettet und kann es jetzt nicht abwarten zu kassieren

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