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07.10.2013

11:21 Uhr

George Soros

„Griechenland kann seine Schulden nie zurückzahlen“

US-Investor Soros fordert einen neuen Schuldenerlass für Griechenland, damit sich das Land erholen kann. Jeder wisse, dass das Land niemals seine Schulden zurückzahlen könne. Athen gibt sich deutlich optimistischer.

George Soros forderte Deutschland auf, sich für einen neuen Schuldenschnitt starkzumachen. dpa

George Soros forderte Deutschland auf, sich für einen neuen Schuldenschnitt starkzumachen.

Berlin/AthenDer US-Großinvestor George Soros fordert einen erneuten Schuldennachlass für Griechenland „Jeder weiß, dass das Land seine Schulden niemals zurückzahlen kann“, sagte Soros in einem am Montag veröffentlichten Interview mit „Spiegel Online“. Verzichteten die öffentlichen Gläubiger auf die Rückzahlung von Schulden, würden private Investoren in das Land zurückkehren. „So könnte sich Griechenland rasch erholen.“

Der Schuldenstand des rezessionsgeplagten Landes wird nach Prognose der EU-Kommission in diesem Jahr auf 175 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung steigen. Soros forderte Deutschland auf, sich für einen Schuldenschnitt starkzumachen.

„Deutschland sollte sich daran erinnern, dass es nach dem 2. Weltkrieg selbst dreimal von Schuldennachlässen und Stundungen profitiert hat, darunter auch von Griechenland. Nun aber zeigt es sich unnachgiebig“, sagte der Investor. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel diese Politik nicht ändere, habe sie mit ihrem Sieg bei der Bundestagswahl einen Pyrrhus-Sieg errungen: „Dann droht die Zerstörung der Europäischen Union.“

Krisenländer im Check

Portugal

- LICHT: Das Land steckt in der tiefsten Rezession seit den 1970er-Jahren. Doch der Abwärtsstrudel verliert an Stärke: Die Arbeitslosenquote sank im Mai und im Juni, das Geschäftsklima hellte sich sieben Monate in Folge auf. Die gesamte Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal überraschend um 1,1 Prozent, es war das erste Plus seit rund zweieinhalb Jahren.

- SCHATTEN: Die jüngste Regierungskrise hat Investoren verunsichert und Zweifel geschürt, dass sich Portugal ab Mitte 2014 wieder vollständig über den Finanzmarkt finanzieren kann. Nur ein Rettungspaket über 78 Milliarden Euro bewahrte das Land vor der Staatspleite.

Zypern

- LICHT: Die Troika aus Europäischer Zentralbank, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds hat dem Euro-Land jüngst Fortschritte bei der Sanierung seines Staatshaushalts bescheinigt. Die internationalen Geldgeber müssen Zypern mit insgesamt rund zehn Milliarden Euro vor der Staatspleite retten.

- SCHATTEN: Wegen des harten Sparkurses als Gegenleistung für das Rettungspaket steht Zypern konjunkturell noch ein tiefes Tal bevor. Die Arbeitslosenquote stieg zuletzt stetig auf gut 17 Prozent – dies ist hinter Griechenland, Spanien, und Portugal der höchste Wert in der EU. Im zweiten Quartal schrumpfte die Wirtschaft um 1,4 Prozent. Für das Gesamtjahr 2013 sagt die EU-Kommission ein Minus von 8,7 Prozent voraus.

Irland

- LICHT: Die Immobilienkrise, die das Land in den Abgrund getrieben hat, nähert sich ihrem Ende. Die Hauspreise stiegen im Juni erstmals seit Ausbruch der Misere wieder, und zwar um durchschnittlich 1,2 Prozent zum Vorjahresmonat. Sie waren seit 2008 um rund 50 Prozent eingebrochen. Dadurch erlitten die Banken des Landes milliardenschwere Verluste. Sie mussten mit Steuergeldern gerettet werden, was wiederum den Staat an den Rand der Pleite trieb. Da die Regierung zahlreiche Reformen umgesetzt hat, hob die Rating-Agentur S&P ihren Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Landes von „stabil“ auf „positiv“ an.

- SCHATTEN: Die Konjunktur läuft schlechter als erwartet, die Wirtschaft schrumpfte zuletzt drei Quartale in Folge. Die Notenbank senkte deshalb ihre Wachstumsprognose für 2013 von 1,2 auf 0,7 Prozent. Damit wird es auch schwerer, das Defizit wie geplant auf 7,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu drücken.


Frankreich

- LICHT: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone galt zuletzt als Sorgenkind. Nun verließ das Land aber die Rezession – und das mit deutlich mehr Schwung als erwartet. Im zweiten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent und damit mehr als doppelt so schnell wie erwartet.

- SCHATTEN: Die Lage bleibt fragil. Die Regierung in Paris hatte zuletzt nicht mehr ausgeschlossen, dass das Bruttoinlandsprodukt 2013 leicht schrumpft. Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen. Zudem hat die Regierung Mühe, den Haushalt in den Griff zu bekommen. Präsident François Hollande, dessen Popularität auf Tiefstwerte gerutscht ist, räumte kürzlich ein, Frankreich könnte sein Defizitziel von 3,7 Prozent der Wirtschaftskraft 2013 verfehlen. Der Internationale Währungsfonds legte Frankreich bereits nahe, aus Rücksicht auf die Konjunktur die Haushaltskonsolidierung abzubremsen.


Italien

- LICHT: Auch Italien hat ein Ende der Rezession vor Augen. Von April bis Juni schrumpfte die Wirtschaft zwar das achte Quartal in Folge, mit 0,2 Prozent aber nur halb so stark wie befürchtet. Zuletzt mehrten sich die Hinweise darauf, dass Italien der Dauer-Rezession in den Sommermonaten entkommen kann: Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe wuchs im Juni mit 0,3 Prozent den zweiten Monat in Folge, der Einkaufsmanager-Index für die Industrie stieg im Juli auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren, der Einzelhandelsumsatz legte nach 14-monatiger Pause zuletzt wieder zu. Und auch die Kauflaune der Verbraucher besserte sich.

- SCHATTEN: Die schwache Konjunktur gefährdet die Sanierung des Haushalts. Im Juli lag das Defizit bei fast neun Milliarden Euro. Italien ist damit weit davon entfernt, die Neuverschuldung unter die EU-Obergrenze von drei Prozent der Wirtschaftskraft zu drücken. Gefährdet wird die Erholung auch von politischer Instabilität. Die Koalition von Silvio Berlusconis Partei Volk der Freiheit und der linken Demokratischen Partei hing zuletzt am seidenen Faden. Mit Warnungen vor einem Bürgerkrieg und Rücktrittsforderungen von Ministern und Abgeordneten machte das rechte Lager gegen die Verurteilung Berlusconis Front, der vom Obersten Gerichtshof zu vier Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung verdonnert worden war.

Spanien

- LICHT: Das Land nähert sich dem Ende der Dauer-Rezession. Im zweiten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt mit 0,1 Prozent nur noch minimal. Für die zweite Jahreshälfte wird wieder ein leichtes Wachstum erwartet. Die Zahl der Arbeitslosen fiel im Juli den fünften Monat in Folge – um knapp 65.000 auf 4,7 Millionen. Hauptgrund dafür ist der Aufwind der Tourismusindustrie, die in der Ferienzeit viele zusätzliche Mitarbeiter benötigt. Die Branche macht etwa zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Auch einige Banken lassen die Krise nach der geplatzten Immobilienblase allmählich hinter sich. Branchenprimus Santander steigerte seinen Überschuss im ersten Halbjahr um 29 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro.

- SCHATTEN: Die Industrie kommt nicht auf die Beine. Die Unternehmen drosselten ihre Produktion im Juni bereits den 22. Monat in Folge. Der Rückgang zum Vorjahresmonat fiel mit 1,9 Prozent sogar deutlicher aus als erwartet. Sorgen bereitet zudem das hohe Defizit. Der Staat musste bereits mehrfach den Reservefonds der Sozialversicherung anzapfen, um Pensionszahlungen leisten zu können. Spanien leidet immer noch unter den Folgen des 2008 geplatzten Immobilienbooms. Offiziellen Angaben zufolge sind die Grundstückpreise seit ihrem Höhepunkt 2007 um 43 Prozent eingebrochen. Immobilienexperten gehen sogar von einem Minus von mindestens 70 Prozent aus. Banken mussten deshalb milliardenschwere Abschreibungen vornehmen. Das Geld fehlt nun, um es in Form von Krediten an Unternehmen zu vergeben.

Griechenland

- LICHT: Der Tourismus brummt wieder. In diesem Jahr werden 17 Millionen Urlauber erwartet und damit so viele wie noch nie. Die Branche rechnet mit einem Umsatzplus von zehn Prozent auf elf Milliarden Euro. Der Tourismus macht etwa 17 Prozent der Wirtschaftsleistung aus; jeder fünfte Grieche arbeitet in dieser Branche. Auch bei der Sanierung der Staatsfinanzen kommt das Land langsam voran. Der Primärhaushalt – bei dem die Zinskosten nicht berücksichtigt werden – wies in den ersten sieben Monaten völlig unerwartet einen Überschuss von 2,6 Milliarden Euro aus.

- SCHATTEN: Die Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal mit 4,6 Prozent so langsam wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Doch das reicht längst nicht aus, um neue Jobs zu schaffen. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit mit 27,4 Prozent sehr hoch. Die Zentralbank geht davon aus, dass sie noch bis auf 28 Prozent steigen wird. Erst 2015 soll sie zurückgehen.

Griechenland hat sich unterdessen mit dem Haushaltsentwurf für 2014 ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Athen will einen deutlichen Überschuss von 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung (2,8 Milliarden Euro) erreichen, berichteten Informanten aus griechischen Finanzministerium am Montag.

Die Regierung geht davon aus, dass es bereits dieses Jahr einen marginalen Überschuss zwischen 300 und 400 Millionen Euro geben werde, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen des Ministeriums am Montag erfuhr. Allerdings wird das Plus im Haushalt ohne Berücksichtigung der Zinsen berechnet, die das Land für seine Schulden aufbringen muss. Die Zinsen werden von den Hilfen der internationalen Geldgeber gedeckt.

Der Haushaltsentwurf soll am Montag dem Parlament vorgelegt werden. In seiner endgültigen Form soll er jedoch erst Mitte November gebilligt werden, hieß es seitens des Finanzministeriums. Die Wirtschaft soll im kommenden Jahr erstmals nach sechs Jahren Rezession um 0,6 Prozent wachsen. 2013 dürfte die Wirtschaft nach jetziger Berechnung jedoch um vier Prozent schrumpfen.

Kann Griechenland nur noch ein Staatsbankrott retten?

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Kommentare (82)

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Tabu

07.10.2013, 10:15 Uhr

Jeder wisse, dass das Land niemals seine Schulden zurückzahlen könne.
-

Warum kaufen wir nicht gleich Griechenland.
Was deren Steuerflüchtlinge hier alles aufkaufen,
ist schon nicht mehr zu vertreten.
Irgendwas,muß ja auch was für die Schuldenverzichts-
erklärer rausspringen.Oder kriegen die alles für lau.
Außerdem,Deutschland braucht mehr Land.
Wird zu eng hier.

Account gelöscht!

07.10.2013, 10:16 Uhr


Revolutionäre Soros-Aussage, wenn unser HB-Rechner die Mahnung mitbekommt, gibt es die übliche harsche Schäuble-Watsche. Was bildet der Kerl sich ein ?

Account gelöscht!

07.10.2013, 10:19 Uhr

Oh, hat da jemand Angst um ein paar eigene Millarden?

Gegen die USA ist die Verschuldung von Griechenland, auch im Verhältnis gemessen, ein Witz.
Diese Jongleure sollten sich mehr um ihr eigenes Land kümmern, Europa steht deutlich besser da, die haben sich sogar auf einen eigenen Haushalt einigen können.

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