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09.07.2014

14:17 Uhr

Geplante Katalonien-Abspaltung

Separatisten könnten Spanien in die Krise stürzen

VonDietmar Neuerer

Die Katalanen wollen sich von Spanien abspalten. Kommt es dazu, hätte das verheerende wirtschaftliche Folgen für das Euro-Schwergewicht. Ökonomen haben den Ernstfall durchgerechnet – und kommen zu düsteren Ergebnissen.

Tausende Katalanen demonstrieren in Barcelona für ein unbabhängiges Katalonien (Archivbild vom am 11.09.2012). Die Separatismus-Welle bereitet dem spanischen Zentralstaat erhebliche Sorgen. dpa

Tausende Katalanen demonstrieren in Barcelona für ein unbabhängiges Katalonien (Archivbild vom am 11.09.2012). Die Separatismus-Welle bereitet dem spanischen Zentralstaat erhebliche Sorgen.

BerlinDie Katalanen trommeln schon lange für ihre Unabhängigkeit von Spanien. Noch in diesem Jahr soll ein Referendum abgehalten werden. Die Zentralregierung lehnt das Vorhaben ab. Doch verhindern wird sie es wohl nicht können, zumal die Separatisten mit dem Trainer des FC Bayern München, Pep Guardiola, der aus Katalonien stammt, auch einen prominenten Unterstützer haben.

Am Pfingstsonntag warb Guardiola auf dem Berliner Alexanderplatz für die Belange seiner Landsleute. Zur gleichen Zeit verkündeten in weiteren europäischen Metropolen Katalanen ihren Wunsch nach einem Referendum, mit dem sie über die Gründung eines eigenen Staates abstimmen wollen.

Die Regierung der wirtschaftsstärksten Region in Spanien plant für November die Volksabstimmung. Die Regierung in Madrid will dies verhindern. Spaniens neuer König Felipe VI. plädierte dafür, Spanien solle eine „einheitliche und verschiedenartige Nation“ sein. Von ihm wird in Madrid erwartet, dass er den Dialog zwischen dem Zentralstaat und den Katalanen fördert. Geht seine Mission schief, könnte das schwerwiegende Folgen für Spanien nach sich ziehen. Darauf weisen Experten der DZ Bank hin, die den Fall eine Abspaltung Kataloniens durchgespielt haben.

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Während sich für Katalonien wirtschaftliche Vorteile und unter Umständen auch Nachteile aus einer Unabhängigkeit ergäben, überwögen bei Spanien eindeutig die Nachteile, schreiben die Banken-Ökonomen in ihrer Analyse. „Spanien verlöre die industrielle Stärke Kataloniens sowie auch die größere Steuerertragskraft. Damit stiege die Belastung der verbliebenen stärkeren spanischen Regionen.“

Konkret rechnen die Experten damit, dass spanische Staatsanleihen negativ auf die Unabhängigkeit Kataloniens reagieren dürften, da das wirtschaftliche Potenzial Landes zurückginge. Die Wirtschaftskraft (Bruttoinlandsprodukt; kurz: BIP) des Landes nähme auf einen Schlag um etwa 5 Prozent ab. Je nach Verteilungsschlüssel der Verbindlichkeiten könne auch die Verschuldung des Landes im Verhältnis zum BIP zunehmen.

Die Spreads dürften entsprechend einer Neubewertung unterzogen werden. „Da bei der Ratingbeurteilung die wirtschaftliche Stärke eines Landes starken Einfluss auf die Note hat, könnte die Abspaltung Kataloniens, das circa 20 Prozent zur Gesamtwirtschaftsleitung Spaniens beiträgt, auch Ratingherabstufungen bei Spanien nach sich ziehen“, heißt es im DZ-Bank-Szenario.

Kommentare (4)

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Herr Alexander Eicke

09.07.2014, 15:10 Uhr

So einfach ist das nicht.

Man braucht auch Medien, die der nach Unabhängigkeit strebenden Minderheit die Schuld an ihren eigenen Toten gibt, wenn diese durch das Militär der Mehrheit bombardiert werden. Am besten man verbindet es mit dem Motif des bösen Russen. Funktioniert immer.

Dann gibt es freie Fahrt zum Niederknüppeln und -schießen von Rebelen und Zivilisten (samt ihrer Städte).

Herr Alexander Eicke

09.07.2014, 15:22 Uhr

Ich bin gegen die Aufteilung Spaniens. Aber nur, wenn alle Ethnien bleiben wollen.

D.h. Spanien benötigt eine Willkommemskultur und das heilige, nationale Versprechen alle regionalen Eigenheiten zu schützen und für ihr Fortleben zu sorgen.

Im Konkreten bedeutet dies die katalanische, galizische (inkl. Portugal) Säule/Reconquista mit der kastellanischen gleich zustellen und sich auf das gesamt-iberische Erbe der Basken zu berufen, die einst den ganzen Norden besiedelten (und gegen die römischen Invasoren kämpften, siehe Augustus usw.) und damit eine historische Identität geben. Die anderen bilden eh zusammen die Sprachfamilie der Ibero-Romanen. Sprache, Geschichte und da insbesondere die Reconquista wären das einende Motif.

Eine neue Identität, die auf den 4 Säulen steht. Galizier (inkl. evtl. Portugiesen), Katalanen (inkl. Valenzianer und Mallorquiner usw), Basken in allen Siedlungsgebieten (über die eigentlichen Baskenländer hinaus) und die Kastilier (Alt- und Neukastilien, was Andalusien ist). Idealerweise, auch um die kastilische Übermacht einzufangen, sollte man also von 5 Säulen des Hispanischen/ Iberischen Staates sprechen. Andalusien wäre die 5..

Das wäre ein finaler Ausgleich, mit dem jede Region leben könnte. Gleichzeitig hätte man einen Bundesstaat bzw. eine Konföderation, wo sich ein jeder mit seinem Gebilde identifiziert. Wider einen Zentralstaat.

Herr Christian Wetzel

09.07.2014, 16:39 Uhr

Wenn man die frueheren Abspaltungen betrachtet sieht man
weniger das hier angedrohte Desaster sondern meistens Erfolge.
Die Unabhaengigkeit (gerade auch von Spanien) ist in vielen Laendern sogar der wichtigste Feiertag.

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