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18.07.2012

08:45 Uhr

Geplanter EU-Beitritt

Isländer wollen nicht in „brennendes Hotel“ einziehen

Während Islands Regierung mit Brüssel verhandelt, dreht sich die Stimmung im Land immer mehr gegen eine EU-Mitgliedschaft. Beobachter halten die Rücknahme des Beitrittsgesuchs im nächsten Frühjahr für wahrscheinlich.

DIe TV-Moderatorin und zeitweilige Präsidentschaftskandidatin Thóra Anórsdóttir. AFP

DIe TV-Moderatorin und zeitweilige Präsidentschaftskandidatin Thóra Anórsdóttir.

ReykjavikWeniger als zwei Jahre nach Beginn von EU-Beitrittsverhandlungen rudern die Isländer immer kräftiger zurück und könnten bald auch offiziell wieder Kurs weg von Brüssel nehmen. „Wer möchte sich schon in einem brennenden Hotel einmieten?“ fragte die populäre TV-Moderatorin und zeitweilige Präsidentschaftskandidatin Thóra Anórsdóttir jüngst und drückte damit das Grundgefühl bei den meisten ihrer Landsleute aus.

Sieger bei der Direktwahl Ende Juni wurde dann der bisherige Präsident Ólafur Ragnar Grímsson, der den Widerstand gegen eine EU-Mitgliedschaft ins Zentrum seiner Kampagne gestellt hatte. Beide zusammen kamen auf 85 Prozent der Stimmen. Bei den Parlamentswahlen im nächsten Frühjahr erwarten Beobachter in Reykjavik vielleicht schon den endgültigen Todesstoß für die EU-Pläne der sozialdemokratischen Regierungschefin Jóhanna Sigurdardóttir.

„Die Konservativen liegen haushoch vorn und dürften nach einem Wahlsieg Islands Beitrittsgesuch wohl schlicht zurückziehen“, sagt die Politikwissenschaftlerin Stefania Oskarsdóttir. Schon jetzt muss Sigurdardóttirs Partei im ältesten Parlament der Welt, dem „Althing“, mutterseelenallein für die EU-Mitgliedschaft argumentieren.

Wirtschaftsminister Steingrímur Sigfússon vom linksgrünen Koalitionspartner hat offen erklärt, dass auch er eine Rücknahme des Beitrittsgesuchs für „denkbar“ halte. Seine Partei möchte wiedergewählt werden und kennt die Umfragen mit massivem Übergewicht unter den 320 000 Isländern gegen die EU-Mitgliedschaft.

Außenminister Össur Skarphédinsson von den Sozialdemokraten meinte Ende Juni in Brüssel tapfer, er spüre „zunehmendes Verständnis zwischen Island und Europa“ bei den durchaus flüssig laufenden Beitrittsverhandlungen. Aber das war vor dem jetzt in der zweiten Jahreshälfte anstehenden Tauziehen über die Integration des Beitrittskandidaten in den gemeinsamen Fischereimarkt. Die völlige Selbstbestimmung über die eigene 200-Meilen-Fischereizone gilt den meisten Isländern nach wie vor als beste kollektive „Lebensversicherung“.

Islands derzeitige Regierungschefin, Jóhanna Sigurdardóttir, muss den Todesstoß für ihre EU-Beitrittspläne fürchten. AFP

Islands derzeitige Regierungschefin, Jóhanna Sigurdardóttir, muss den Todesstoß für ihre EU-Beitrittspläne fürchten.

Anders sah es nur kurz aus, als der Euro den Bürgern 2008 nach dem katastrophalen Banken-Kollaps auf der Atlantikinsel wie der rettende Hafen nach dem Sturm auf hoher See erschien. Wie soll die winzige Landeswährung Krone allein in der globalisierten Finanzwelt überleben können, fragte die Ministerpräsidentin und verwies auf den Kurssturz der Krone von zeitweise 75 Prozent bei astronomisch hohen Zinsen.

Inzwischen aber hat gerade die massive Abwertung der eigenen Währung der Fischerei und dem Tourismus, Islands wichtigstem Erwerbszweigen, wieder auf die Beine geholfen: Sie sind für Auslands-Kunden viel billiger und attraktiver geworden. Umgekehrt eilt die EU von Finanzkrise zu Finanzkrise in zunehmend beängstigenderen Dimensionen. Der „Hafen“ wirkt nicht mehr so sicher.

„Da bin ich doch schon sehr zuversichtlich, dass nichts wird aus dem Beitritt“, sagt der Fischerei-Manager Kristjan G. Joakimsson in Ísafjördur. Seine Familie gehört zu den zehn größten Besitzern von Fischfangrechten und damit zur vielleicht immer noch einflussreichsten Bevölkerungsgruppe bei den Wikinger-Nachfahren.

Von

dpa

Kommentare (8)

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vandale

18.07.2012, 09:30 Uhr

Auch in der Schweiz ist der Gedanke an einen EU und € Beitritt in weite Ferne gerückt. Sehr wahrscheinlich beschränkt sich der Beitrittswunsch zur EU nur mehr auf Staaten deren System noch ineffizienter ist als das der EU.

Real haben die "Nehmerländer" in der EU eine Mehrheit in den Gremien erlangt. Es gilt die Länder die funktionieren auszuplündern anstatt das System durch eigene Anstrengungen und Initiativen voranzubringen. Die meisten Initiativen der vergangenen Jahre, Rettungsschirme, CO2 Klimaschwindel, REACH, Feministische Quoten, etc. sind sehr destruktiv.

Die EU hat ihren Höhepunkt überschritten und sich auf den Weg des Zerfalls begeben. Es ist schwer zu prognostizieren wann die EU zerfällt, dass diese zerfällt ist sehr wahrscheinlich...Schade!!!!

Wünschenswert wäre ein möglichst rascher und kommunikativ gut vorbereiteter Austritt Deutschlands aus der EU und dem €.

Vandale

Account gelöscht!

18.07.2012, 09:33 Uhr

Nur ausgesprochene Deppen oder Abzocker wollen noch in die EU. Deutschland sollte diesen Saustall endlich verlassen!

AgainstTheThruth

18.07.2012, 09:35 Uhr

island ist sogar noch schlauer als finnland. aber bald wird finnland als erstes land den euro-austritt vorbereiten. deutschland wird bald ziemlich alleine als einziges geberland dastehen.

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