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13.03.2012

10:51 Uhr

Gerüchte in Brüssel

Euro-Gruppe rechnet fest mit Rückzug Junckers

VonRuth Berschens

ExklusivErst signalisierte er Amtsmüdigkeit, dann hieß es plötzlich, er könne es sich noch einmal überlegen. Doch es bleibt wohl dabei: Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker gibt sein Amt ab. Ein Finne hofft auf seine Nachfolge.

Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker: Amtsmüdigkeit signalisiert. dapd

Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker: Amtsmüdigkeit signalisiert.

Nach Informationen des Handelsblatts rechnet in der Euro-Gruppe kaum noch jemand damit, dass Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker als Chef der Euro-Gruppe noch einmal in die Verlängerung geht. „Juncker hat seinen Rückzug öffentlich angekündigt und damit Fakten geschaffen“, hieß es in diplomatischen Kreisen. Deshalb sei es sicher, dass Juncker Ende Juni den Vorsitz der Euro-Gruppe niederlege.

Der luxemburgische Ministerpräsident hatte Ende Januar erklärt, den Posten abgeben zu wollen. Montag dann machten überraschend Gerüchte die Runde, Juncker könnte es sich noch einmal überlegen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass der langjährige Vorsitzende der Finanzminister-Runde weitermache, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters hochrangige EU-Vertreter.

Doch in der Euro-Gruppe richtet man sich inzwischen auf einen Nachfolger ein. Favorit für das Erbe Junckers ist der finnische Ministerpräsident Jyrki Kaitanen. Er erfüllt mehrere Voraussetzungen für das Amt: Er kommt aus einem der vier Euro-Staaten, die die Topnote Triple A halten konnten. Für Berlin ist das ein wichtiges Auswahlkriterium, wie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Montag betonte. Die sogenannten AAA-Länder seien „am besten geeignet, einen Kandidaten zu präsentieren“, sagte Schäuble der niederländischen Zeitung „De Volkskrant“. Darüber hinaus bringt Katainen als Ex-Finanzminister die nötige Expertise für das Amt des Euro-Gruppenchefs mit.

Juncker hatte Anfang März angekündigt, seine Nachfolge solle zusammen mit den fälligen Neubesetzungen bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Osteuropabank/London) sowie im Direktorium der EZB entschieden werden. Mit schnellen Beschlüssen wird deshalb nicht gerechnet. Eventuell werde erst nach der französischen Präsidentschaftswahl Anfang Mai über die Personalie entschieden, hieß es in Brüssel.

Als relativ sicher gilt inzwischen die Berufung des luxemburgischen Notenbankgouverneurs Yves Mersch in das EZB-Direktorium. Spanien wehre sich zwar noch dagegen, werde am Ende aber überstimmt werden, hieß es in Brüssel.

Mit Material von Reuters

Kommentare (11)

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Mazi

13.03.2012, 11:24 Uhr

Ob Juncker jemals davon geträumt hat, einen Vertrag zu erstellen, der potentielle kriminelle Handlungen schon per Vertrag von der Strafverfolgung freistellt?

Nachzulesen ist dies im § 30 ESM-Vertrag.
(http://www.peter-bleser.de/upload/PDF-Listen/E-Mail-Info_Eurostabilisierung/Entwurf_Vertrag_ESM.pdf)

Ich kann mir gut vorstellen, dass Juncker müde und nicht mehr bereit ist, mit solchen Typen gemeinsam am Tisch zu sitzen. Das Bild im jüngsten Artikel mit dem spanischen Finanzminister war zwar humorvoll gedacht, aber dennoch passend und eindrucksvoll.

Juncker hat "Griechenland" nur noch irgendwie zu einem Ende gebracht und verlässt das sinkende Schiff. Dafür ist er "zuviel Fuchs".

Dominik

13.03.2012, 11:59 Uhr

Immer eine Belehrung zur Hand, arrogant und herablassend, geht dieser Versager in Rente.
Was bleibt ist ein Scherbenhaufen.

wanze1958

13.03.2012, 12:25 Uhr

Es ist schon erschreckend, wie in der EU laufende Verträge dauernd gebrochen werden. Da kann ich schon nachvollziehen das er keine Lust mehr hat. Kein wirklicher Verlust für die Eurokraten. Der Vertrag von Maastricht als wesentlicher Bestandteil der EU ist nicht das Papier wert, auf dem er einst gemeinsam verfasst wurde. Was interessieren die Eurokraten schon Vereinbarungen, die dann etwas später hinderlich für das Regieren sind. Das da der einzelne Bürger keine hohe Meinung von der EU haben kann ist doch einleuchtend. Griechenland ist erst der Anfang. Die anderen Länder wie Spanien oder Italien werden die Götterdämmerung einleiten. Fakt ist das diese unglaublichen Schulden real von diesen Ländern nie mehr getilgt werden können. Der Bürger vor allem in Deutschland wird die Zeche zahlen. Herr Juncker wird trotzdem nicht darben brauchen. Die Eurokraten sorgen für sich selbst schon vor wie ja auch der arme Herr ex BP Wulff!

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