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08.12.2014

14:05 Uhr

Gescheiterte Rettungsaktion

Jemen zieht Konsequenzen aus Tod von US-Geisel

Anschläge erschüttern die jemenitische Hauptstadt Sanaa tagtäglich. Jemens Präsident Hadi zieht nun die Konsequenz und feuert Generalstabschef al-Atschuel. Grund könnte die fehlgeschlagene Rettung eines US-Bürgers sein.

Die Szene eines Anschlags in Sanaa: In der jemenitischen Hauptstadt eskaliert die Gewalt. dpa

Die Szene eines Anschlags in Sanaa: In der jemenitischen Hauptstadt eskaliert die Gewalt.

London/Johannesburg/SanaaInmitten anhaltender Gewalt im Jemen hat Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi seinen Generalstabschef gefeuert. Ahmed Ali al-Atschuel sei per Dekret entlassen und durch Hussein Nadschi Hadi Khairan ersetzt worden, berichteten die Medien des Landes am Montag. Ein Grund für die Entscheidung wurde offiziell nicht genannt, der Schritt hängt aber offenbar mit der geringen Durchschlagskraft der Armee im Kampf gegen Rebellen zusammen.

Der Jemen wird seit dem Sturz von Machthaber Ali Abdullah Saleh im Jahr 2012 von Gewalt und schweren politischen Unruhen erschüttert. Am Montag wurden bei Anschlägen auf Stellungen der schiitischen Miliz Ansarullah erneut acht Menschen verletzt. In einem Vorort der Hauptstadt Sanaa detonierten insgesamt fünf Sprengsätze, wie das Verteidigungsministerium mitteilte.

Rebellen hatten Sanaa und andere Städte nach einem Vormarsch im September unter ihre Kontrolle gebracht. Im Namen der schiitischen Minderheit fordern sie mehr politische Mitsprache. In Sanaa lieferten sie sich tagelang heftige Gefechte mit der Armee und regierungstreuen sunnitischen Kämpfern, bevor sie unter UN-Vermittlung ein Friedensabkommen mit der Regierung schlossen. Den darin vereinbarten Rückzug aus der Hauptstadt setzten die schiitischen Kämpfer bislang aber nicht um.

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Die Familie des bei einem missglückten Befreiungsversuch im Jemen getöteten Fotojournalisten Luke Somers hat die Kommandoaktion der US-Armee kritisiert. Die Familie hätte weitere Verhandlungsversuche einer gewaltsamen Befreiung vorgezogen, sagte am Montag Penny Bearman, die Stiefmutter des britischstämmigen US-Fotojournalisten. Somers war zusammen mit einer südafrikanischen Geisel bei einem Kommandoeinsatz von US-Soldaten und irakischen Sicherheitskräften am Samstag im Südosten Jemens getötet worden.

Der Zeitung „The Times“ sagte Bearman, auch ihr Stiefsohn hätte einer Verhandlungslösung sicherlich den Vorzug gegeben. Mit Blick auf Drohungen der Geiselnehmer vom Netzwerk Al-Kaida, den 33-Jährigen binnen 72 Stunden zu töten, sollten die USA nicht mehrere Forderungen der Kidnapper erfüllen, sagte Bearman: „Es gab schon vorher Drohungen, die nicht wahrgemacht wurden.“ Somers Vater Michael sagte der BBC, hätte es keinen Rettungsversuch gegeben, wäre sein Sohn noch am Leben. Dennoch wolle er der US-Regierung keine Vorwürfe machen. „Hätten sie ihn rausgeholt, würden wir sie jetzt loben.“

Die Witwe des getöteten Südafrikaners Pierre Korkie erklärte am Sonntagabend, ihre Familie habe sich entschieden zu „vergeben“. „Wir haben uns entschieden, uns bei den Gedanken an Pierre zu freuen und ihn in unseren Herzen weiterleben zu lassen“, statt einen Streit um seine missglückte Befreiung zu führen. Korkie hätte nach Angaben einer Hilfsorganisation am Sonntag freigelassen werden sollen, dies wurde durch die missglückte Befreiungsaktion am Samstag verhindert.

Für den südafrikanischen Lehrer hatten die Geiselnehmer drei Millionen Dollar Lösegeld gefordert. Der Organisation Gift of the Givers zufolge waren bereits Vorbereitungen getroffen worden, um den 57-Jährigen auszufliegen. Der Südafrikaner und seine Frau waren Ende Mai 2013 in der Stadt Taes entführt worden, wo sie seit vier Jahren als Lehrer arbeiteten. Yolande wurde im Januar freigelassen. Somers war im September vergangenen Jahres entführt worden.

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