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21.08.2014

01:32 Uhr

Gespräche im Atomstreit

Ruhani will Verhandlungen notfalls selbst führen

Ohne Aufhebung der Sanktionen macht für den Iran eine Einigung im Atomstreit keinen Sinn. Um das zu erreichen, will Ruhani die Verhandlungen notfalls selber führen. Ein IAEA-Bericht gibt dem Iran positives Feedback.

Irans Präsident Hassan Ruhani will bei den Ermittlungen im Atomstreit mit der internationalen Gemeinschaft kooperieren. dpa

Irans Präsident Hassan Ruhani will bei den Ermittlungen im Atomstreit mit der internationalen Gemeinschaft kooperieren.

TeheranIrans Präsident Hassan Ruhani will in die Atomverhandlungen mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland unter Umständen persönlich eingreifen. Sein Ziel sei es, sowohl die Wirtschaftssanktionen zu beenden als auch das Recht Irans auf ein friedliches Atomprogramm zu wahren, sagte Ruhani am Mittwoch laut Nachrichtenagentur ISNA. „Falls notwendig, werde ich sogar die Atomverhandlungen selber führen.“

Vor der Wahl habe er den Menschen das Ende der Sanktionen versprochen, und dieses Versprechen wolle er auch einhalten, sagte der Präsident. Die Sanktionen haben den Iran in den letzten Jahren in eine Wirtschaftskrise geführt, die Ruhani nun beenden will. Das nächste Atomtreffen findet Mitte nächsten Monats am Rande der UN-Vollversammlung in New York statt, an der auch der iranische Präsident teilnehmen wird.

Unterdessen kam die Internationale Atomenergiebehörde IAEA laut einem aktuellen Bericht zu dem Ergebnis, dass sich der Iran an das vorläufige Abkommen im Atomstreit halte. Demnach kommt Teheran der Vereinbarung vom November 2013 nach, seine Nuklearaktivitäten einzuschränken.

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

Der Iran macht die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen zur Voraussetzung für eine Einigung im Atomstreit. Vor einer Verständigung müssten die Strafmaßnahmen gegen die Islamische Republik vollständig aufgehoben werden, sagte die Sprecherin des iranischen Außenministeriums, Marsieh Afcham, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Teheran.

Zur Vorbereitung der Verhandlungen wollen sich demnach zuvor bereits die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif treffen. Datum und Ort müssten noch besprochen werden, sagte die Sprecherin. Außerdem könnte es in den kommenden Tagen auch weitere Verhandlungen auf Expertenebene geben.

Von

dpa

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