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20.06.2014

21:19 Uhr

Gespräche mit dem Iran

Atomverhandlungen noch mit offenem Ausgang

Langsame Fortschritte: Gut ein Monat bleibt den Beteiligten noch für eine Einigung im Atomstreit mit dem Iran. Die fünfte Verhandlungsrunde war geprägt von langen Nachtsitzungen, eine Lösung bleibt bisher aber aus.

Lange Gesprächsrunden: EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif bei den Atomverhandlungen. AFP

Lange Gesprächsrunden: EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif bei den Atomverhandlungen.

WienBei den Atomgesprächen mit dem Iran zeichnen sich einen Monat vor Fristablauf nur langsam Fortschritte ab. „Es gibt nach wie vor etliche Differenzen, die ausgeräumt werden müssen“, sagte der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif nach dem Ende der fünften Verhandlungsrunde am Freitag in Wien.

Bei den Verhandlungen der UN-Vetomächte USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien sowie Deutschlands mit dem Iran geht es um einen Entwurf für eine endgültige Lösung des mehr als zehn Jahre alten Atomstreits. Bis 20. Juli soll eine umfassende Lösung stehen.

Der Westen möchte Gewissheit, dass der Iran keine Atomwaffen bekommt. Teheran will eine Aufhebung der Wirtschaftssanktionen erreichen. Er hoffe, dass in der nächsten Verhandlungsrunde ab 2. Juli Streitpunkte gelöst und nicht nur wiederholt würden, sagte der iranische Außenminister.

Skepsis bleibt bestehen

„Es ist unklar, ob Iran wirklich alle nötigen Schritte unternehmen will, um der Welt zu versichern, dass das Atomprogramm ausschließlich friedlichen Zwecken dient“, sagte die US-Chefunterhändlerin Wendy Sherman. Dennoch seien die Gespräche in dieser Woche konstruktiv gewesen. „Wir haben extrem hart gearbeitet“, sagte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte bereits am Donnerstag die aktuelle Phase als schwierig bezeichnet. Es sei klar gewesen, dass die „ganz dicken und harten Bretter am Schluss kommen“. Mit Blick auf die Lage im Irak und in Syrien sagte Steinmeier: „Es wäre gut, wenn unter den vielen Konflikten, die in dieser Region eine Rolle spielen, wenigstens einer gelöst werden könnte.“

Zentrale Streitpunkte sind weiterhin der Schwerwasserreaktor in Arak, dessen Plutonium für Atomwaffen verwendet werden könnte. Teheran hat sich bereiterklärt, die Plutoniumproduktion um bis zu 90 Prozent zu verringern. Auch die Zahl der Zentrifugen ist strittig. Je weniger Zentrifugen im Einsatz sind, desto länger bräuchte der Iran im Falle eines Vertragsbruchs zur Herstellung von Atomwaffen.

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

Die Beteiligten hatten bereits zu Beginn der fünften Verhandlungsrunde am Montag die Erwartungen gedämpft: Selbst ein erfolgreicher Abschluss der Atomgespräche würde das gespannte Verhältnis der USA zum Iran nicht grundlegend verbessern - auch nach einem Abkommen würden „große Vorbehalte“ bleiben, sagte ein hoher US-Regierungsbeamter. Als Gründe führte er an, dass der Iran Terrorismus begünstige und Menschenrechte missachte.

Am Rande der Verhandlungen war es auch zu Gesprächen mit dem Iran über die Sicherheitslage im Irak und den Vormarsch der sunnitischen Miliz Islamischer Staat im Irak und Syrien (Isis) gekommen. Die USA waren in Wien mit dem stellvertretenden Außenminister William Burns prominent vertreten. Der Fortgang der Atomgespräche soll laut US-Regierungsvertretern durch die Entwicklungen im Irak nicht beeinflusst werden.

Von

dpa

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