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15.10.2016

11:37 Uhr

Geständnisse einer IS-Braut

Eine Ehe mit dem Terror

Laura Passoni wollte ihr Leben ändern und heiratete einen IS-Terroristen in Syrien. Die Belgierin hat ein Buch geschrieben, um junge Leute vor dem Islamischen Staat zu warnen. Die Geschichte einer verzweifelten Flucht.

Terroristen des Islamischen Staates versuchen auch Frauen in die Kampfgebiete zu locken. dpa

Leben mit dem IS

Terroristen des Islamischen Staates versuchen auch Frauen in die Kampfgebiete zu locken.

BrüsselEinmal Syrien und zurück: Für Laura Passoni war es der größte Fehler ihres Lebens. Die junge Belgierin heiratete einen IS-Kämpfer und reiste im Juni 2014 mit ihrem vierjährigen Sohn nach Syrien. Neun Monate später floh sie ernüchtert bei Nacht und Nebel über die türkische Grenze. Am 23. März – dem Tag nach den IS-Anschlägen in Brüssel – wurde sie in Belgien wegen Mitgliedschaft bei der Terrormiliz zu einer Bewährungsstrafe mit strengen Auflagen verurteilt. In dem bisher auf Französisch erschienenen Buch „Mit meinem Sohn im Herzen des Daesh“ beschreibt sie ihre Zeit in Syrien. Und warnt junge Leute vor der Terrormiliz.

Im Gegensatz zu manch anderen Syrien-Rückkehrern, die ihre wahre Identität nicht preisgeben wollen, tritt Passoni offen und unverhüllt auf. So hat sie in einer Hotelbar im Zentrum Brüssels wenig Ähnlichkeit mit einer Dschihadistenbraut. Trotzdem lebt sie zwischen zwei Welten: „Für Daesh bin ich eine Verräterin, weil ich gegangen bin und sie denunziere“, sagt sie unter Verwendung des arabischen Akronyms. „Für Belgien bin ich eine Terroristin, weil ich dem IS beitrat.“

Im Gegensatz zu manch anderen Syrien-Rückkehrern, die ihre wahre Identität nicht preisgeben wollen, tritt Laura Passoni offen und unverhüllt auf AP

Ex-IS-Braut

Im Gegensatz zu manch anderen Syrien-Rückkehrern, die ihre wahre Identität nicht preisgeben wollen, tritt Laura Passoni offen und unverhüllt auf

Ihren zukünftigen Ehemann Usama, auch er Belgier, lernte sie im Internet kennen. Damals war sie 29 Jahre alt und alleinerziehende Mutter eines vierjährigen Sohnes. Zum Islam war Passoni bereits als Jugendliche konvertiert, weil ihr bester Freund aus Kindertagen Muslim war. Innerhalb weniger Wochen überredete Usama sie, zu heiraten und mit ihrem Sohn nach Syrien zu reisen.

Damals habe sie nach einem Neuanfang gesucht, sagt Passoni heute. Zudem betonten die Anwerber des IS auf Facebook, Belgien könne für einen guten Muslim nie eine richtige Heimat sein. Wie sie rekrutierten sie Tausende Ausländer – für den Krieg oder für Anschläge in ihren Heimatländern.

Wer kämpft gegen wen im Norden Syriens?

Idlib

Die Provinz im Nordwesten des Landes wird von dem Rebellenbündnis Dschaisch al-Fatah kontrolliert, das aus verschiedenen moderaten bis radikalen Gruppen besteht. Darunter die dschihadistische Miliz Fatah al-Scham. Das syrische Regime fliegt mit seinen Verbündeten – zu denen unter anderem Russland gehört – Luftangriffe auf Stellungen der Aufständischen. Einige der islamistischen Rebellen sollen Saudi-Arabien und Katar nahestehen.

Aleppo

Die einstige Handelsmetropole ist seit Jahren zwischen Regime und verschiedenen Rebellengruppen geteilt. Die Regierung kontrolliert den Westteil der Stadt. Die Aufständischen im Osten gehören einem weiten Spektrum zwischen extremistisch, islamistisch bis hin zu moderat an. Einige werden auch von den USA unterstützt. Das gilt auch für die kurdischen Kämpfer, die einige Viertel im Norden der Stadt kontrollieren. Westlich und südwestlich Aleppos herrscht das Bündnis Dschaisch al-Fatah, das auch die Provinz Idlib kontrolliert.

Grenzregion bei Dscharablus

Nach der Invasion der türkischen Armee zusammen mit Rebellengruppen am Mittwoch eroberten die Kräfte westlich des Euphrat die Grenzstadt Dscharablus von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Dschihadisten halten immer noch einige Gebiete an der Grenze zur Türkei, darunter die Stadt Al-Bab.

Die Kurdenmiliz YPG hatte die strategische Stadt Manbidsch vor wenigen Wochen vom IS befreit und war vom Osten her weit in das Gebiet der Extremisten vorgerückt. Dies ist der Türkei ein Dorn im Auge, weil die Kurdenmiliz YPG der bewaffnete Arm der Kurdenpartei PYD in Syrien ist. Bei der PYD wiederum handelt es sich um den Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei.

Der Nordosten

Die Kurden unter Führung ihrer Partei PYD haben im östlichen Teil der Provinz Aleppo sowie den Landesteilen Al-Rakka und Hasaka eine zusammenhängendes Gebiet unter ihrer Kontrolle geschaffen. In dem mehrere hundert Kilometer langen Streifen an der türkischen Grenze haben sie eine Selbstverwaltung ausgerufen. Die Kurden schienen sich trotz zeitweiser Gefechte mit Regimetruppen in zwei Enklaven arrangiert zu haben. Allerdings kam es zuletzt zu ungewöhnlich heftigen Kämpfen, die erst mit einer Waffenruhe eingedämmt werden konnten.

Nach ihrer Ankunft in Syrien traf Passoni bald andere Ausländerinnen, darunter eine 15-jährige Französin, die ihren Ehemann ebenfalls im Internet kennen gelernt hatte. Außerdem eine junge Deutsche, die angab, nur Verwandte zu besuchen. Weitere kamen hinzu – in dieser Zeit warb die Terrormiliz offensiv um Frauen zum Aufbau eines islamischen Kalifates. „Warum Frauen? Weil wir Babys bekommen“, sagt Passoni. „Sie wollen vor allem Jungs, sie brauchen Nachkommen.“

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