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11.11.2016

15:06 Uhr

Geteiltes Zypern

Einigung rückt näher

Seit Jahrzehnten besteht Zypern politisch aus einem griechischen und einem türkischen Teil. Erstmals werden brenzlige Themen, wie die Grenzziehung, besprochen. Der innerzyprische Konflikt scheint sich zu entschärfen.

Symbol der Teilung: Nikosia. Die Stadt ist sowohl Hauptstadt der griechischen Republik Zypern, wie auch des türkischen Nordteils der Insel. dpa

Nikosia

Symbol der Teilung: Nikosia. Die Stadt ist sowohl Hauptstadt der griechischen Republik Zypern, wie auch des türkischen Nordteils der Insel.

Mont PèlerinDie politischen Führer der griechischen und türkischen Zyprer, Nikos Anastasiades und Mustafa Akinci, sind am Freitag zu einer vorläufig letzten Sitzung unter UN-Schirmherrschaft im schweizerischen Mont Pèlerin zusammengekommen. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit sprachen sie unter anderem über die Grenzziehung zwischen dem türkisch-zyprischen Norden und dem griechisch-zyprischen Süden. Angestrebt wird ein föderaler Staat mit zwei politisch gleichberechtigten Bundesländern. Die Gespräche hatten am Montag begonnen und dauerten am Freitagnachmittag an. Wann sie zu Ende gehen, war nicht abzusehen, hieß es aus Verhandlungskreisen beider Seiten.

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Anastasiades und Akinci wollen bestimmen, welche der zurzeit von türkischen Truppen besetzten Gebiete an die griechischen Zyprer zurückgegeben werden sollen. Anastasiades hofft, dass die innerzyprischen Bundesstaaten-Grenzen genau kartiert werden. Die türkisch-zyprische Seite will zunächst nur allgemeine Prinzipien erörtern und das Thema später zusammen mit Sicherheitsfragen klären.
Der Sondergesandte der Vereinten Nationen (UN), der ehemalige norwegische Außenminister Espen Barth Eide, hatte sich am Vorabend nach einem gemeinsamen Abendessen der beiden zyprischen Politiker und ihrer Delegationen optimistisch zum Ausgang der Gespräche geäußert. Beobachter rechneten mit einer Erklärung der Beteiligten am späten Freitagabend.

Geteiltes Zypern

Kolonialzeit

Bis 1960 britische Kolonie.

Ethnie

80 Prozent ethnische Griechen, 18 Prozent ethnische Türken.

Unruhen 1964

Schon wenige Jahre nach der Unabhängigkeit brachen 1964 blutige Unruhen zwischen beiden Volksgruppen aus. 1974 besetzte die Türkei unter Berufung auf ihre Rolle als Garantiemacht den Inselnorden, um eine befürchtete Annektierung Zyperns durch Griechenland zu verhindern.

Besetzung durch die Türkei

1983 rief die Führung der türkischen Volksgruppe im besetzten Inselnorden die „Türkische Republik Nordzypern“ aus, die aber nur von der Türkei anerkannt wird.

Aufnahme in die EU

Der griechische Inselsüden, die Republik Zypern, gehört seit 2004 der Europäischen Union an.

Chance zur Vereinigung?

Die Wahl des Einigungs-Befürworters Mustafa Akinci zum Präsidenten der türkischen Zyprer im April 2015 galt als wichtige Weichenstellung für eine Vereinigung. Ziel der Verhandlungen ist eine Föderation aus zwei Teilstaaten mit weitgehender Selbstverwaltung der beiden Volksgruppen und einer gemeinsamen Zentralregierung. So hat es aber keine Einigung gegeben.

Einige Beobachter schlossen nicht aus, dass die Gespräche um einen Tag verlängert werden könnten. Sie erwarteten zwar keinen Durchbruch, doch es wäre ein wichtiger Schritt, wenn die beiden zyprischen Politiker sich auf eine erweiterte Konferenz unter Beteiligung Griechenlands, der Türkei, des Vereinigten Königreichs und Vertretern der UN und der EU einigen würden.

Dann könnte auch die Sicherheit des Föderativen Zyperns zusammen mit den letzten Details der innerzyprischen Grenzen erörtert werden. Bei einer Einigung zu diesem Thema müsste das gesamte Lösungspaket in getrennten Abstimmungen von den beiden Volksgruppen gebilligt werden.

Zypern ist seit einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention 1974 geteilt. Die Inselrepublik ist seit 2004 EU-Mitglied. Das EU-Recht gilt aber nur im griechisch-zyprischen Süden. Der türkisch-zyprische Norden wird nur von Ankara anerkannt.

Von

dpa

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