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22.10.2012

14:44 Uhr

Gewalt eskaliert

Libanon fürchtet einen neuen Bürgerkrieg

Der Libanon ringt nach dem Mordanschlag auf Geheimdienst-Chef Wissam al-Hassan um Frieden. Die Armee appellierte an die Bürger und kündigte an, hart durchzugreifen. Auch der Oppositionsführer mahnte zur Zurückhaltung.

Die libanesische Armee droht Gewalttätern mit Gegenschlägen. dapd

Die libanesische Armee droht Gewalttätern mit Gegenschlägen.

BeirutIn Libanon stemmen sich Armee, Regierung und die politische Opposition gegen eine Eskalation der Gewalt zu einem neuen Bürgerkrieg. Die Lage nach dem Mordanschlag auf Geheimdienst-Chef Wissam al-Hassan sei kritisch, erklärte die Armee am Montag. Sie rief Bürger und Politiker zu äußerster Zurückhaltung auf und kündigte ein hartes Durchgreifen gegen Gewalttaten an. Sporadisch gab es in der Hauptstadt aber weiter Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Armee. In der nordlibanesischen Stadt Tripoli starben vier Menschen bei Zusammenstößen zwischen bewaffneten Anhängern verschiedener Glaubensgruppen.

Auch Oppositionsführer Saad al-Hariri schloss sich dem Appell zur Gewaltlosigkeit an, forderte aber zugleich erneut den Sturz der Regierung, in der die mit Syrien verbündete schiitische Hisbollah maßgeblichen Einfluss hat. Hinter dem Mordanschlag auf den syrien-kritischen Geheimdienstchef am Freitag vermutet die Opposition den Versuch des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, das kleine Nachbarland in den Syrien-Konflikt hineinzuziehen. Auch Frankreich hat eine Beteiligung Syriens an dem schwersten Anschlag im Libanon seit der Ermordung des ehemaligen Ministerpräsidenten Rafik al-Hariri 2005 als wahrscheinlich bezeichnet.

Al-Hassan war ein enger Gefolgsmann des getöteten Ministerpräsidenten und leitete auch die Ermittlungen zu dessen Tod. Seine Recherchen legten eine Verwicklung Syriens und der Hisbollah nahe.

Libanon: Nächtliche Kämpfe fordern Tote und Verletzte

Libanon

Tote und Verletzte bei nächtlichen Kämpfen

Mindestens zwei Menschen wurden bei den Kämpfen zwischen Sunniten und Schiiten getötet.

Der Mord an dem syrien-kritischen sunnitischen Geheimdienstchef verschärft die auch nach dem Ende des langjährigen Bürgerkriegs schwelenden Konflikte zwischen den verschiedenen Strömungen in der Gesellschaft. In Tripoli, einem traditionellen Brennpunkt der Auseinandersetzung zwischen den schiitischen und sunnitischen Bevölkerungsgruppen - starb auch ein neunjähriges Kind im Feuer der rivalisierenden Gruppen, wie Rettungskräfte mitteilten. Drei weitere Menschen wurden dabei getötet, ein Dutzend verletzt.

In der Hauptstadt Beirut blieb eine weitere Eskalation der Gewalt nach den heftigen Protesten vom Sonntag aber aus. Allerdings lieferten sich auch dort Armee und Bewaffnete über Nacht Gefechte, bei denen vier Menschen verletzt wurden. Nach der Beisetzung al-Hassans hatten sich am Sonntag viele Tausend vor allem sunnitische Demonstranten in den Straßen versammelt und der Regierung zu enge Beziehungen zur Assad-Regierung vorgeworfen. Demonstranten versuchten, Regierungsgebäude zu stürmen, und bewarfen die Sicherheitskräfte mit Steinen. Diese setzte Tränengas ein und gab Warnschüsse in die Luft ab.

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