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20.05.2013

22:02 Uhr

Gewalt eskaliert

Mehr als 70 Tote bei Terrorwelle im Irak

Eine Serie von Angriffen mit etlichen Toten hat den Irak erschüttert. Die politischen Kontrahenten bleiben weiter auf Kollisionskurs, allen voran Regierungschef Al-Maliki, der eine neue Sicherheitsstrategie ankündigte.

Sicherheitskräfte und Zivilisten am Ort einer Autobombenexplosion in Basra. ap

Sicherheitskräfte und Zivilisten am Ort einer Autobombenexplosion in Basra.

Bagdad/BasraExtremisten haben den Irak am Montag erneut mit einer blutigen Terrorwelle überzogen. Polizei und Krankenhausärzte zählten insgesamt mindestens 71 Tote vor allem in schiitischen Wohngebieten. Dazu kamen Hunderte Verletzte. Alleine in Bagdad wurden sieben Anschläge mit Autobomben verübt, zudem explodierte ein Sprengsatz am Straßenrand. Insgesamt starben in Bagdad mindestens elf Menschen, mindestens 102 weitere wurden verletzt.

Dazu kamen drei Autobomben in der vorwiegend von Schiiten bewohnten Hafenstadt Basra, wobei 13 Menschen starben, 48 wurden verletzt. In der westlichen Wüste wurden zudem die Leichen von 14 Entführten gefunden.

Am Freitag waren bei politisch-religiös motiviertem Terror landesweit 79 Menschen ums Leben gekommen, am Samstag starben weitere Dutzende Menschen. Der schiitische Regierungschef Nuri al-Maliki und der sunnitische Parlamentspräsident Osama al-Nudschaifi heizten die Spannungen mit abfälligen Bemerkungen über das jeweils andere politische Lager an.

Die schwersten Unruhen im Irak seit dem US-Truppenabzug

22. Dezember 2011

Wenige Tage nach dem Abzug der US-Truppen erschüttern Bombenanschläge schiitische Viertel der Hauptstadt Bagdad. 69 Menschen sterben.

5. Januar 2012

Mindestens 78 Menschen sterben bei koordinierten Anschlägen auf Schiiten in Bagdad und Nassirija im Süden des Landes.

14. Januar 2012

Bei einem Bombenanschlag auf eine Prozession schiitischer Pilger im Süden des Landes kommen mindestens 53 Menschen ums Leben.

23. Februar 2012

Vor einer Grundschule in der Ortschaft Mussajib und vor einem Restaurant in Bagdad explodieren mehrere Autobomben. 55 Tote.

13. Juni 2012

Schiitische Pilger werden mit 16 Bombenanschlägen angegriffen, 72 Menschen sterben.

23. Juli 2012

Bei Angriffen auf die Sicherheitskräfte werden 115 Menschen getötet. Es ist die höchste Opferzahl an einem einzigen Tag in zwei Jahren.

16. August 2012

Bei einer Anschlagsserie im ganzen Land kommen mindestens 93 Menschen ums Leben.

9. September 2012

Rebellen greifen mehrere Posten der Sicherheitskräfte an. Soldaten werden niedergeschossen, Polizisten werden bei Bombenexplosionen getötet. Insgesamt sterben 92 Menschen.

19. März 2013

Am Vorabend des zehnten Jahrestages des US-Angriffs auf den langjährigen Machthaber Saddam Hussein verüben Aufständische mehrere Bombenanschläge. Mindestens 65 Menschen werden getötet. Das Netzwerk von Al-Kaida im Irak bekennt sich dazu.

23. April 2013

Sicherheitskräfte stürmen ein Protestlager von sunnitischen Demonstranten im Norden des Landes. In verschiedenen Städten kommt es zu Ausschreitungen, 56 Menschen werden getötet.

17. Mai 2013

Bei mehreren Bombenanschlägen in sunnitischen Stadtteilen von Bagdad werden mindestens 76 Menschen getötet.

20. Mai 2013

Bei einer Serie von Anschlägen in sunnitischen und schiitischen Gebieten kommen mindestens 86 Menschen ums Leben.

Mit einer neuen Sicherheitsstrategie und einem personellen Umbau will al-Maliki die Welle der Gewalt stoppen. Am Dienstag werde das Kabinett entsprechende Entscheidungen treffen, kündigte er an. Einige ranghohe Verantwortliche für die Sicherheit würden ausgetauscht.

In der Nähe der nördlichen Stadt Tikrit detonierte eine Autobombe neben einem Bus mit schiitischen Pilgern. Acht von ihnen seien gestorben, darunter sechs Iraner, meldete der irakische Sender Sumeria TV. Bei den westlich von Ramadi gefundenen Leichen handelt es sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen um Angehörige der Sicherheitskräfte sowie um Reisende, die von Geiselnehmern in den vergangenen Tagen in der Region verschleppt worden waren. Ob die Opfer ins Kreuzfeuer gerieten oder von ihren Entführern erschossen wurden, war zunächst unklar.

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