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09.06.2012

15:55 Uhr

Gewalt eskaliert

Russland fordert Syrien-Konferenz

In Syriens Hauptstadt Damaskus eskaliert die Gewalt. Wieder sind Dutzende Menschen gestorben. Das Land steht am Rade eines Bürgerkriegs. Doch Russland bleibt in der Frage nach Sanktionen hart.

Syrische Sicherheitskräfte inspizieren ein zerstörte Fahrzeug. dpa

Syrische Sicherheitskräfte inspizieren ein zerstörte Fahrzeug.

Beirut/MoskauBeim Beschuss der Stadt Daraa durch syrische Regierungstruppen am Samstag sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 17 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Auch in Damaskus eskalierte die Gewalt, hier sollen mindestens vier Menschen ums Leben gekommen sein. In Moskau wächst unterdessen die Sorge über den Konflikt in Syrien. Dennoch lehnt Russland weiterhin den militärischen Einsatz von außerhalb ab.

In Syriens Hauptstadt Damaskus haben die Menschen eine der schlimmsten Nächte seit Beginn der Aufstände vor 15 Monaten hinter sich. Nach Angaben von Bewohnern waren die ganze Nacht hindurch Schüsse und Explosionen zu hören.
Die Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen in den Damaszener Vierteln Kabun und Barseh hätten bis halb zwei Uhr morgens gedauert, berichteten Aktivisten. Mindestens vier Menschen seien ums Leben gekommen, die Panzer hätten schließlich vor Sonnenaufgang die Viertel wieder verlassen. Seitdem sei es ruhig gewesen.

In der Nacht begann auch der Beschuss von Daraa im Süden des Landes. Truppen des Regimes hätten überraschend das Viertel Mahata mit Mörsern beschossen, sagte ein Aktivist aus Daraa. Die von Aktivisten angegeben Opferzahlen variierten. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von 17 Toten, die Örtlichen Koordinationskomitees von 19. Zudem seien bei dem Angriff Dutzende verletzt worden.

Daraa liegt im Süden des Landes und ist jene Stadt, in der der Aufstand gegen Präsident Assad im März vergangenen Jahres seinen Anfang nahm. Auch aus der zentralsyrischen Stadt Homs meldeten die Aktivisten neue Angriffe und Gefechte.

Erstmals gab es am Samstag auch wieder ein Lebenszeichen libanesischer Pilger, die im Mai in Syrien entführt worden waren. In einem Video, das der arabische Nachrichtensender Al Dschasira ausstrahlte, sagten die Männer, es gehe ihnen gut. Eine syrische Rebellengruppe hatte kürzlich erklärt, die elf Pilger in ihrer Gewalt zu haben. Fünf der Geiseln sind laut den Entführern Mitglieder der Hisbollah-Miliz, deren Anführer Scheik Hassan Nasrallah Assad seine Unterstützung ausgesprochen hatte.

UN-Beobachter hatten am Freitag zum ersten Mal den Schauplatz eines mutmaßlichen Massakers mit fast 80 Todesopfern inspiziert. Im Dorf Masraat al-Kubair sei definitiv ein schreckliches Verbrechen verübt worden, sagte eine Sprecherin der Beobachter, Sausan Ghosheh. Die Angaben der Bewohner seien widersprüchlich, daher müssten nun Namenslisten verglichen werden.

In Moskau wächst angesichts der anhaltenden Gewalt die Sorge über den Konflikt in Syrien. Dennoch lehnt Russland weiterhin den militärischen Einsatz von außerhalb ab. Statt dessen wurde aus Moskau mit Nachdruck eine internationale Friedenskonferenz gefordert. Ziel des dringend nötigen Treffens müsse die Durchsetzung des Friedensplans des UN-Syrienbeauftragten Kofi Annan sein, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Samstag in Moskau.

„Wir sehen keine Alternative zu dem Plan“, sagte der Minister. Er bekräftigte, dass Moskau einen Abgang von Präsident Baschar al-Assad nur dann unterstütze, wenn die syrische Bevölkerung das entscheide. Russland lehnt eine militärische Einmischung in den syrischen Konflikt weiter kategorisch ab, wie Lawrow betonte. Er gab sowohl dem Regime Assads als auch der radikalen Opposition die Schuld an der andauernden Gewalt. Syrien stehe am Rande eines „kompletten Bürgerkrieges“ mit weitreichenden Folgen für die gesamte Region. „Wir sind ernsthaft besorgt über die zunehmende Aktivität internationaler terroristischer und extremistischer Elemente“, sagte Lawrow. Er warf islamistischen Oppositionsgruppen vor, mit gezielten Provokationen in Syrien westliche Führungen nach dem Vorbild Libyens zu einem gewaltsamen Regimewechsel zu drängen.

Kommentare (1)

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09.06.2012, 18:55 Uhr

Wir sind ernsthaft besorgt über die zunehmende Aktivität internationaler terroristischer und extremistischer Elemente“, sagte Lawrow. Er warf islamistischen Oppositionsgruppen vor, mit gezielten Provokationen in Syrien westliche Führungen nach dem Vorbild Libyens zu einem gewaltsamen Regimewechsel zu drängen.

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