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06.12.2014

03:50 Uhr

Gewalt gegen Schwarze in USA

Jury soll erneut über Polizisten-Anklage entscheiden

Wieder soll eine Jury darüber entscheiden, ob ein Polizist, der einen dunkelhäutigen Mann erschossen hat, angeklagt wird. Derweil halten die Proteste über die Entscheide aus zwei vergangenen Fällen landesweit an.

Freunde von Akai Gurley trauern an seinem Sarg: Der junge dunkelhäutige Mann wurde von einem New Yorker Polizisten ohne ersichtlichen Grund erschossen. Der Fall ist der dritte binnen weniger Wochen, bei dem eine Jury entscheiden soll, ob der Polizist angeklagt wird. Reuters

Freunde von Akai Gurley trauern an seinem Sarg: Der junge dunkelhäutige Mann wurde von einem New Yorker Polizisten ohne ersichtlichen Grund erschossen. Der Fall ist der dritte binnen weniger Wochen, bei dem eine Jury entscheiden soll, ob der Polizist angeklagt wird.

New YorkAuch im jüngsten Fall von tödlichen Polizeischüssen auf einen Schwarzen in den USA soll eine sogenannte Grand Jury über eine Anklageerhebung entscheiden. Das gab der zuständige Richter aus Brooklyn, Ken Thompson, am Freitag bekannt. „Es ist wichtig, auf den Grund dessen zu gehen, was geschehen ist“, sagte er.

Der tragische Vorfall ereignete sich am 20. November. Akai Gurley, 28 Jahre alt, stieg mit seiner Freundin in einem dunklen Treppenhaus hinab, weil der Aufzug nicht fuhr. Ein junger Polizist zog seine Waffe und tötete Gurley mit einer Kugel, ohne dass sich der Vater einer kleinen Tochter in irgendeiner Form verdächtig verhalten hätte, wie der Schütze selbst einräumte.

Wegen Freispruch eines Polizisten

Demonstranten blockieren New Yorker Berufsverkehr

Wegen Freispruch eines Polizisten : Demonstranten blockieren New Yorker Berufsverkehr

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Der Fall reiht sich ein in eine ganze Serie von tödlichen Schüssen oder Tätlichkeiten weißer Polizisten, denen Schwarze zum Opfer fielen. Sowohl nach dem Tod des unbewaffneten 18-Jährigen Michael Brown in Ferguson als auch nach dem mit einem Würgegriff getöteten Eric Garner in New York entschieden Jurys, dass sich die Polizisten nicht vor Gericht verantworten müssen. Nach den Entscheidungen kam es jeweils zu teils gewaltsamen Protesten.

Auch am Freitagabend sind Tausende Menschen im ganzen Land auf die Straße gegangen, um gegen Polizeigewalt gegenüber Schwarzen zu demonstrieren. In New York sind Hunderet Menschen den dritten Tag in Folge auf die Straße und legten den Verkehr lahm. Weitere Demonstrationen gab es in Washington, Miami, Chicago, Boston und New Orleans. Viele Demonstranten legten sich auf den Boden, um an die Toten durch Polizeischüsse zu erinnern. Auf Plakaten stand „Rassismus tötet“ und „Das Leben von Schwarzen zählt“.

Gewalt gegen Schwarze in den USA

Juli 2016

Am 5. Juli wird ein 37-jähriger Afroamerikaner in Baton Rouge (Louisiana) von einem Polizisten erschossen, nachdem er zuvor zu Boden gedrückt wurde. Mehrere Zeugen halten den Vorfall auf Video fest, es kommt zu Protesten.

Juli 2016

Ein 32-Jähriger wird während einer Fahrzeugkontrolle in Minnesota von einem Polizisten in den Bauch geschossen. Die Freundin des Afroamerikaners hält den Vorfall in einem Facebook-Live-Video fest, das für einen internationalen Aufschrei sorgt.

März 2015

Tödliche Schüsse auf einen unbewaffneten jungen Schwarzen lösen in Madison (Wisconsin) Proteste aus. Angeblich schoss der Polizist in Notwehr.

April 2015

In North Charleston (South Carolina) erschießt ein Polizist einen flüchtenden, unbewaffneten Schwarzen von hinten. Der auf einem Video festgehaltene Fall sorgt international für Aufsehen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

Juli 2015

Ein Polizist erschießt in Cincinnati (Ohio) bei einer Verkehrskontrolle einen unbewaffneten Schwarzen. Sein Wagen hatte vorne kein Nummernschild.

Dezember 2015

In Chicago erschießen Polizisten eine fünffache Mutter und einen Studenten. Beide sind schwarz. Der 19-Jährige hatte seinen Vater mit einem Baseballschläger gedroht, die Nachbarin wird nach Polizeiangaben aus Versehen getroffen.

Mai 2016

Am Steuer eines gestohlenen Autos wird eine junge Afroamerikanerin in San Francisco von einer Polizeikugel tödlich getroffen. Auf Druck des Bürgermeisters nimmt der Polizeichef seinen Hut.

November 2014

Ein weißer Polizist muss wegen tödlicher Schüsse auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen in Ferguson (Missouri) vorerst nicht vor Gericht. Eine Geschworenenjury sieht keine Beweise für eine Straftat. Der Vorfall löste schwere Unruhen aus.

Juli 2010

Nach einem milden Urteil gegen einen weißen Ex-Polizisten kommt es in Kalifornien zu Ausschreitungen und Plünderungen. Der Mann hatte einen unbewaffneten Schwarzen erschossen, er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft verurteilt.

November 2006

Ein unbewaffneter Schwarzer stirbt im Kugelhagel der New Yorker Polizei. Er hatte nach dem Verlassen einer Bar im Auto mit Freunden ein Zivilfahrzeug der Polizei gerammt. Im April 2008 werden drei Polizisten freigesprochen.

April 2001

Schüsse eines Polizisten auf einen unbewaffneten Schwarzen lösen schwere Rassenunruhen in Cincinnati (Ohio) aus. Die Behörden rufen den Notstand aus. Der getötete 19-Jährige war bei einer Kontrolle geflüchtet, der Polizist wurde freigesprochen.

Februar 2000

Vier Polizisten, die einen afrikanischen Einwanderer erschossen hatten, werden freigesprochen. Das Urteil der Jury aus schwarzen und weißen Schöffen ist heftig umstritten, in New York kommt es zu Ausschreitungen.

März 1991

Vier Autobahn-Polizisten schlagen den Afroamerikaner Rodney King nach einer Verfolgungsjagd zusammen. Ein Amateur-Video geht um die Welt. Der Freispruch der Männer führt in Los Angeles zu Unruhen mit Dutzenden Toten. In einem Revisionsverfahren werden zwei der Polizisten 1993 zu jeweils 30 Monaten Haft verurteilt. Außerdem erhält das Opfer eine millionenschwere Entschädigung.

Nach einem Tagelangen Marsch aus Ferguson sind am Freitag Hunderte Demonstranten unter Ausrufen ihrer Parole „Hände hoch. Nicht schießen!“ in der Hauptstadt von Missouri angekommen. Der Protestzug hatte vor einer Woche dort begonnen, wo der unbewaffnete schwarze US-Teenager Michael Brown im August in der Kleinstadt Ferguson von einem weißen Polizisten erschossen worden war. Bis in die Hauptstadt Jefferson City legten die Demonstranten 209 Kilometer zurück.

Vor dem Parlamentsgebäude in der Stadt wurde anschließend eine Kundgebung abgehalten. Dort gesellte sich Browns Mutter Lesley McSpadden zu den Demonstranten.

Sie kritisierte erneut die Jury-Entscheidung, den Polizisten nicht anzuklagen, und rief Gouverneur Jay Nixon auf, den lokalen Staatsanwalt zur Verantwortung zu ziehen. Das rechtliche Verfahren sei „ungerecht und untransparent“ gewesen, sagte McSpadden. Sie wolle, dass der Polizist haftbar für seine Tat gemacht werde.

Der Ausruf über die erhobenen Hände ist zu einem Symbol der Bewegung gegen Polizeigewalt geworden. Seinen Ursprung hat die Geste und die Parole in Zeugenaussagen, denen zufolge Brown vor den tödlichen Schüssen auf ihn die Hände gehoben haben soll.

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