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21.11.2011

11:37 Uhr

Gewalt in Ägypten

Straßenkämpfe fordern 22 Tote

Die Machtprobe zwischen Militär und Demonstranten in Ägypten wird immer blutiger. Bei gewaltsamen Ausschreitungen am Wochenende starben mindestens 22 Menschen. Der Westen ist alarmiert.

Tote bei Zusammenstößen in Ägypten

Video: Tote bei Zusammenstößen in Ägypten

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KairoBei den seit Freitagabend andauernden gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei sind 22 Menschen ums Leben gekommen. Das meldeten ägyptische Medien am Montag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Mehr als 400 Menschen sollen bei den Krawallen rund um den Tahrir-Platz in Kairo verletzt worden sein. Auch in der Hafenstadt Alexandria war es zu Zusammenstößen gekommen

Demonstranten besetzten auch in der Nacht den Tahrir-Platz in Kairo, nachdem sie sich bis in den späten Sonntagabend Straßenkämpfe mit Sicherheitskräften geliefert hatten. „Wir gehen nirgendwo hin“, sagte eine der Demonstranten nachdem ägyptische Soldaten und Polizisten vergeblich versucht hatten, die Menge von dem Platz zu vertreiben.

Am Sonntag, dem zweiten Tag der schwersten Unruhen seit Monaten, hatten die Sicherheitskräfte auf dem Tahrir-Platz Zelte von Protestierenden in Brand gesteckt und waren mit Tränengas und Gummigeschossen gegen Tausende Menschen vorgegangen, die gegen den regierenden Militärrat unter Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi protestierten.

Der Militärrat hat wiederholt versprochen, die Macht Ende nächsten oder Anfang übernächsten Jahres an eine gewählte Regierung zu übergeben, aber bislang kein genaues Datum genannt. Den Demonstranten dauert das zu lang, sie werfen dem Militärrat vor, die Entscheidung unnötig in die Länge zu ziehen und fordern eine Machtübergabe direkt nach dem Ende der Präsidentschaftswahlen im März.

Ein verletzter Demonstrant nach Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. dpa

Ein verletzter Demonstrant nach Zusammenstößen mit Sicherheitskräften.

Die Europäische Union zeigte sich äußerst besorgt über die Entwicklung. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton forderte am Sonntagabend zu Ruhe und Mäßigung auf und verurteilte den Einsatz von Gewalt. Die Forderungen der Bürger, wonach der politische Übergang mit einer Wahrung der demokratischen Prinzipien verbunden sein müsse, müssten Gehör finden, erklärte sie in Brüssel. Außenminister Guido Westerwelle betonte: „Es ist von überragender Bedeutung, dass die in einer Woche anstehenden Parlamentswahlen in einem friedlichen und geordneten Umfeld stattfinden können.“

Angesichts der Ereignisse in Kairo gingen in der Hafenstadt Alexandria ebenfalls Kritiker des Militärrats auf die Straße. Am frühen Sonntagmorgen schossen Heckenschützen in eine Menge, die vor dem Gebäude des Sicherheitsdienstes demonstrierte, wie Augenzeugen der Zeitung „Al-Ahram“ berichteten. Dabei sei ein Mann getötet worden. Die Augenzeugen gaben an, dass scharfe Munition verwendet wurde. Das Innenministerium dementierte.

Der Tahrir-Platz in Kairo war auch zum Jahresbeginn das Zentrum der landesweiten Massenproteste, die am 11. Februar zur Entmachtung des damaligen Präsidenten Husni Mubarak führten. Seitdem ist der Militärrat an der Macht.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Otto

20.11.2011, 23:11 Uhr

Kann doch nicht. Unsere Politik hat die Befreiung doch gefeiert! Den Menschen muss es doch wunderbar gehen, wo der böse Diktator weg ist, so wie in Libyen, Irak und Afghanistan. Ehrlich, bin enttäuscht!

ano

21.11.2011, 01:18 Uhr

Der Sturz des Diktators war auch ein Grund zum Feiern (Genauso wie in Libyen). Jetzt muss aber noch der Rest des Militärregimes gestürzt werden. Irak und Afghanistan haben damit nichts zu tun!

Account gelöscht!

21.11.2011, 08:23 Uhr

Viel Erfolg den Ägyptern bei ihrem Kampf um die Freiheit. Wer das Land eine wenig kennt weiß, dass die enge Verbandelung des Militärs mit der Politik und der Wirtschaft einen wirklichen demokratischen Wandel schier unmöglich macht. Die Clique um Mubarak(=Militär) hält noch immer die Fäden in der Hand. Sicher wäre die Situation einfacher wenn Mubarak nicht mehr existent wäre. Dass das Militär seine Pfründe freiwillig opfert ist unwahrscheinlich. Im Moment geht die politische Richtung wohl mehr in Richtung Militärdiktatur mit Alibi-Parlament.Abr das kommt unseren "Demokratischen Regierungen" wie schon in der Vergangenheit ja wohl entgegen.

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