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26.03.2016

14:39 Uhr

Gewalt in der Ostukraine

Tote und Verletzte bei Verstößen gegen Waffenruhe

Seit Monaten herrscht zwischen den Konfliktparteien in der Ostukraine Waffenruhe. Immer wieder wird die Vereinbarung gebrochen. Mehrere Soldaten starben nun bei einem erneuten Aufflammen der Gewalt.

Zahlreiche Freiwilligen-Batallione kämpfen in der Ostukraine, um die Region zurückzuerobern. dpa

Ukrainische Kämpfer

Zahlreiche Freiwilligen-Batallione kämpfen in der Ostukraine, um die Region zurückzuerobern.

KiewBei Verstößen gegen die Waffenruhe im Konfliktgebiet Donbass sind mindestens zwei ukrainische Soldaten getötet worden. Acht weitere wurden bei den Kämpfen gegen prorussische Separatisten verletzt, wie Präsidialamtssprecher Alexander Motusjanik am Samstag in Kiew mitteilte. Drei Angehörige der Nationalgarde wurden zudem durch einen Sprengsatz verwundet. In Saizewe an der Trennlinie zu den Aufständischen wurde eine Zivilistin bei Granatbeschuss verletzt.

Schwerpunkt der Kämpfe waren die Orte Majorsk, Awdijiwka und Trojizke auf einer Linie westlich bis nordöstlich der Separatistenhochburg Donezk. Die Aufständischen sollen schwere 120-Millimeter-Geschosse eingesetzt haben. Mörser dieses Kalibers sollten dem Minsker Abkommen zufolge längst abgezogen sein. Die Umsetzung des im Februar 2015 vereinbarten Friedensplans stockt aber. Weder Feuerpause noch Waffenabzug sind bisher vollständig umgesetzt. Zudem erhöhte sich zuletzt wieder die Zahl von Toten und Verletzten bei Kämpfen.

Die Führung in Kiew verhängte nach dem umstrittenen Urteil eines russischen Gerichts gegen die ukrainische Soldatin Nadeschda Sawtschenko Sanktionen gegen Beteiligte des Mordprozesses. In Moskau sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow dazu, Präsident Wladimir Putin habe über einen möglichen Austausch der Pilotin noch nicht entschieden.

Wichtige Akteure in der ukrainischen Regierungskrise

Arseni Jazenjuk

Mit Reformrhetorik hatte der Wirtschaftsexperte 2014 das Amt als Regierungschef angetreten. Der Westen setzte große Hoffnungen in ihn. Mehr als Ansätze kann er aber nicht vorweisen. Die Popularitätswerte des 41-Jährigen rutschten auch in den Keller, weil der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Hilfen an schmerzhafte Energiepreiserhöhungen knüpfte. Kritiker werfen ihm vor, er betreibe Klientelpolitik im Interesse reicher Unternehmer.

(Quelle: dpa)

Petro Poroschenko

Im schwierigen Verhältnis zu Russland jongliert der Präsident zwischen Dialogbereitschaft und nationalistischem Pathos. Der wenig charismatische Unternehmer wurde 2014 als moderater Politiker ins Amt gewählt. Sein Verhältnis zur Regierung gilt als gespannt. Längst mischt sich der 50-Jährige bei Personalfragen ein, die per Verfassung eigentlich Jazenjuk vorbehalten sind. Wegen seines Süßwarenkonzerns gilt Poroschenko als „Schoko-Zar“ der Ukraine.

Julia Timoschenko

Nach international kritisierter Haft arbeitet die machthungrige Ex-Regierungschefin heute im Parlament. Ihre Freilassung im Februar 2014 gilt als besonderer Moment nach dem Sieg der prowestlichen Maidan-Bewegung. Kritiker werfen der 55-Jährigen aber vor, ihre Vaterlands-Partei sei stets eine „Oppositionskraft in der Koalition“ gewesen. Ihre ehrgeizigen Ambitionen auf das Amt der Staatschefin oder Ministerpräsidentin hat sie nie aufgegeben.

Oleg Ljaschko

Im Wahlkampf 2014 präsentierte sich der Chef der Radikalen Partei mit einer Heugabel, mit der er Kiew „ausmisten“ will. Nun könnte der 43-Jährige zum „Königsmacher“ werden: Mit den Stimmen der rechtspopulistischen Kraft hätte Jazenjuk eine Mehrheit.

Andrej Sadowy

Der langjährige Bürgermeister von Lwiw (Lemberg) mischt seit 2014 mit seiner Partei Samopomitsch (Selbsthilfe) erfolgreich in der Landespolitik mit. Auch wenn er zumeist im Hintergrund bleibt, werden dem 47-Jährigen Ambitionen auf das Präsidentenamt nachgesagt. Der Rückzug seiner liberalen Partei aus der Koalition machte Neuwahlen wahrscheinlicher.

Michail Saakaschwili

Der eingebürgerte georgische Ex-Präsident versucht, sich als Gouverneur des Gebiets Odessa als Bekämpfer von Korruption zu profilieren. Vorwürfe, aus eigenem Machtinteresse an Jazenjuks Stuhl zu sägen, weist der 48-Jährige zurück.

Von

dpa

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