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21.01.2014

06:51 Uhr

Gewalt in der Ukraine

Opposition verliert Kontrolle über Proteste in Kiew

Der ukrainische Oppositionsführer Klitschko beklagt Zustände „wie im Krieg“. Für die gewalttätigen Auseinandersetzungen macht er die Regierung verantwortlich. Ein Ende sei nicht in Sicht. Und: Es könnte bald Tote geben.

Proteste in der Ukraine

Kiew versinkt in Gewalt

Proteste in der Ukraine: Kiew versinkt in Gewalt

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BerlinIn Kiew sind in der Nacht radikale prowestliche Demonstranten erneut gewaltsam gegen die Sicherheitskräfte vorgegangen. Hunderte Gewaltbereite warfen Brandsätze und Steine auf die Polizisten. Die Milizionäre versuchten ihrerseits, die Stellungen der Oppositionellen nahe dem Dynamo-Stadion im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt zu räumen. Der Oppositionspolitiker Vitali Klitschko rief die friedlichen Demonstranten auf, sich nicht provozieren lassen. Die Führung um den prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch wolle mit Schlägertrupps die Situation destabilisieren und Chaos errichten, sagte der Ex-Boxweltmeister.

Allerdings sieht der ukrainische Oppositionsführer die Protestbewegung im Land in der Krise und macht die Regierung für die eskalierende Gewalt verantwortlich. Die Opposition, die für einen friedlichen Protest stehe, habe „die Bewegung nicht mehr unter Kontrolle“, schrieb Klitschko in einem Gastbeitrag für die „Bild“-Zeitung vom Dienstag. Schuld daran sei aber nicht die Opposition, sondern die Regierung.

Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch höre nicht auf die Forderung der Demonstranten nach Neuwahlen, schrieb Klitschko. Er wolle stattdessen friedliche Proteste verbieten und sehe nun das Ergebnis, hieß es in dem Beitrag mit Bezug auf die schweren Zusammenstöße der vergangenen Tage, bei denen mehr als 200 Menschen verletzt wurden. Es würde ihn „nicht wundern“, schrieb Klitschko, „wenn es bald Tote zu beklagen gibt“.

Vitali Klitschko – Boxer, Ehemann und Politiker

Kindheit

Vitali Klitschko ist der ältere Bruder von Wladimir Klitschko. Der Vater, Wladimir Rodionowitsch Klitschko, war Offizier in der sowjetischen Armee, die Mutter, Nadeschda Uljanowna Klitschko, Pädagogin. Bis zum 13. Lebensjahr hatte Vladimir Klitschko mit Boxen kaum etwas zu tun gehabt. Erst als der Vater auf einen sowjetischen Militärstützpunkt in Hradčany, Tschechoslowakei, versetzt wurde, begann er erste Erfahrungen mit dem Boxsport zu machen.

Studium

Klitschko schloss an der Pädagogischen Universität „Hryhorij Skoworoda“ in Perejaslaw-Chmelnyzkyj (Ukraine) ein Sportstudium auf Lehramt mit Auszeichnung ab. 2000 folgte die Promotion in Sportwissenschaften. Das Thema seiner Dissertation: „Sportbegabung und Talentförderung“. Zu der Zeit war er schon seit vier Jahren Amateurboxsportler.

Kickboxen

Was viele wahrscheinlich nicht wissen: Vitali Klitschko begann seine Boxkarriere im Kickboxen. 1991 wurde er als Armeesportler Kickbox-Weltmeister in Paris. Es folgten fünf weiter Weltmeistertitel. Während seiner Karriere im Kickboxen erlitt er zudem die bisher einzig K.O.-Niederlage seiner gesamten Sportlerlaufbahn. Im bulgarischen Warna ging er 1992 gegen den Briten Pele Reid in der zweiten Runde nach einem Tritt ans Kinn zu Boden.

Amateurboxen

Zeitgleich zum Kickboxen bestritt Vitali Klitschko außerdem einige Amateurboxkämpfe. 1996 wollte er bei den Olympischen Sommerspielen in Atlanta für die Ukraine im Boxen antreten. Allerdings wurde ihm bei einer Dopingprobe die Einnahme des damals bei Sportlern beliebte Steroids Nandrolon nachgewiesen. Es folgte eine einjährige Sperre. Für Vitali wurde sein Bruder Wladimir nachnominiert, der bei den Spielen 1996 die Goldmedaille gewann.

Profiboxen

Nach den Olympischen Spielen führt der Weg der beiden Boxer Vitali und Wladimir nach Deutschland. Sie beginnen ihre Profikarriere. Gerade einmal drei Jahre, 1999, später wurde Vitali zum ersten Mal Weltmeister der WBO im Schwergewicht. Besonders in Erinnerung bleiben wird der Kampf gegen Lennox Lewis, den der ältere Klitschko nach einer umstrittenen Entscheidung des Ringarztes verloren hatte. Der Arzt ließ den Kampf aufgrund einer Platzwunde im Augenbereich Klitschkos abbrechen. Zu diesem Zeitpunkt lag Vitali auf allen Punktzettel der Punktrichter klar vorne.

Auszeit

Nach 2004 folgte eine Zwangspause. Mehrere Verletzungen – unter anderem ein Meniskusriss im rechten Knie, ein Kreuzbandriss und ein Bandscheibenvorfall – zwangen Vitali zu diesem Schritt. Erst vier Jahre später kehrte er in den Ring zurück. Während der Zeit begann sein erste politischen Engagement.

Bürgermeisterwahlen

Während der Zwangspause engagierte sich Vitali zunehmen für die Orange Revolution in der Ukraine. 2006 trat er zum ersten Mal bei der Wahl zum Bürgermeister Kiews an und erhielt 29 Prozent der Stimmen. Bei den vorzeitigen Wahlen 2008 trat er mit dem nach ihm benannten Wahlbündnis „Blok Witalij Klytschko“ ein weiteres Mal an und kam hinter Amtsinhaber Tschernowezkyj und Olexandr Turtschynow auf den dritten Platz. Zwei Jahre später wurde Klitschko zum Vorsitzenden der neu gegründeten Partei Ukrainische demokratische Allianz für Reformen (Ukrajinskij demokratitschnij aljans sa reformy) UDAR gewählt.

Parlamentswahlen

2012 trat Klitschko für die ukrainischen Parlamentswahlen als Spitzenkandidat an. Erklärtes Ziel war es, mindestens 15 Prozent der Stimmen zu bekommen. Am Ende reichte es nur für 13,9 Prozent. Dennoch wurde die Klitschko-Partei drittstärkste Fraktion im Parlament.

Privates

Seit 18 Jahren ist Vitali Klitschko mit seiner Frau Natalia verheiratet. Sie haben drei Kinder.

Klitschko war am Sonntag selbst mit einem Feuerlöscher angegriffen worden, als er versucht hatte, bei den Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften zu vermitteln. Er habe sich gefühlt „wie im Krieg“, schrieb Klitschko. Dass jetzt auch er angegriffen werde, zeige, „wie die Stimmung am Maidan geworden ist“.

Der Maidan genannte Unabhängigkeitsplatz in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist das Zentrum der Protestbewegung. Die Proteste der proeuropäischen Opposition dauern bereits seit Ende November an. Die Demonstranten kritisierten die Entscheidung Janukowitschs, ein über Jahre ausgehandeltes Assoziierungsabkommen mit der EU nicht zu unterzeichnen.

Von

dpa

Kommentare (15)

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Boltar

21.01.2014, 08:00 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: http://www.handelsblatt.com/netiquette

Berliner

21.01.2014, 08:06 Uhr

Weshalb wird dermassen irreführend berichtet ?
(..)Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

schnippschnappschnudi

21.01.2014, 09:05 Uhr

@Boltar
Genau, das ist da seinzige, was die Russen und ihre Agenten wirklich richtig gut koennen: unterdruecken, wegsperren, mundtot machen.

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