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08.06.2011

16:50 Uhr

Gewalt in Syrien

Hunderte fliehen vor Militärübergriffen

Allein in der Nacht zu Mittwoch flohen Medienberichten zufolge 120 Syrer aus Angst vor den nahenden Soldaten über die Grenze. Die Türkei wird ihnen nicht ihre Tore verschließen, sagt der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan.

Die syrische Flagge. Quelle: dpa

Die syrische Flagge.

Der Flüchtlingsstrom aus Syrien ins Nachbarland Türkei reißt nicht ab. Allein in der Nacht zu Mittwoch flohen Medienberichten zufolge 120 Syrer aus Angst vor den nahenden Soldaten über die Grenze. Die Türkei werde ihnen nicht ihre Tore verschließen, versprach Ministerpräsident Tayyip Erdogan in Ankara. Zugleich mahnte er den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, Toleranz gegenüber seinen Landsleuten zu üben. Diese protestieren seit Monaten gegen die seit über 40 Jahren mit harter Hand herrschende Familie Assad. Druck auf Syrien machen vor allem Großbritannien und Frankreich: Sie wollen schon bald im UN-Sicherheitsrat eine Resolution
durchsetzen, die die brutale Niederschlagung der Demonstrationen verurteilt.

Die Flüchtlinge aus dem Nordwesten Syriens würden von der Hilfsorganisation Roter Halbmond versorgt und in einem Zeltlager untergebracht, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anatolien. Seit Beginn der Proteste im März sind dem türkischen Außenministerium zufolge rund 420 Syrer in die Türkei geflohen. Am Freitag waren es in Dschisr al-Schughur zu Gewalt gekommen. Medienberichten zufolge wurden bei einem Angriff auf einen Sicherheitsposten zahlreiche Menschen getötet. Die Regierung in Damaskus macht dafür bewaffnete Banden verantwortlich und schickte Panzer. Syrische Menschenrechtler sprachen von einer
Meuterei im Militär und Auseinandersetzungen zwischen Armee-Einheiten. „Die meisten Einwohner haben die Stadt aus Furcht vor einem Militäreinsatz verlassen“, berichtete der Menschenrechtler Rami Abdulrahman von Syrian Observatory of Human Rights. „Sie sind in die Dörfer an die Grenze zur Türkei geflohen.“

„Die syrische Führung sollte so schnell wie möglich ihr Verhalten gegenüber der Zivilbevölkerung ändern und sich in größerer Toleranz üben“, mahnte Erdogan. „Wir beobachten die Entwicklung mit Sorge.“ Erdogan unterhielt enge Verbindungen zu Assad. Doch nach Beginn der Unruhen hat sich der türkische Regierungschef, dessen Partei AKP die Parlamentwahl am 12. Juni klar gewinnen dürfte, deutlich distanziert.

Einen Schritt weiter wollen Großbritannien und Frankreich gehen: Eine von ihnen entworfene UN-Resolution solle die Unterdrückung der Proteste verurteilen und von Syrien Rechenschaft und Zugang für humanitäre Hilfe verlangen, sagte der britische Premierminister David Cameron. Doch die Resolution hat wenig Chancen auf Erfolg: Die Veto-Mächte Russland und China haben bereits ihr Missfallen gegenüber einer Einschaltung des Sicherheitsrates erklärt.

In den seit drei Monaten währenden Unruhen in Syrien wurden schätzungsweise mehr als 1.000 Menschen getötet. Doch wie es tatsächlich in dem Land aussieht, ist schwer zu sagen: Unabhängige Berichterstatter wurden längst ausgewiesen.

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