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07.01.2012

02:51 Uhr

Gewalt in Syrien

Selbstmordanschlag bringt Beobachtermission in die Bredouille

Ein Selbstmordanschlag mit vielen Toten und Verletzten hat Damaskus erschüttert. Die Verantwortung schieben sich Syriens Regierung und Opposition gegenseitig zu. Die Chancen auf ein internationales Eingreifen steigen.

Schwerer Anschlag in Damaskus

Video: Schwerer Anschlag in Damaskus

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Damaskus/Amman/NewYork/MoskauBei einem Selbstmordanschlag zur Zeit des Freitagsgebets sind in Damaskus nach offiziellen Angaben 26 Menschen getötet und 63 weitere verletzt worden. Syriens Regierung und Opposition machten sich gegenseitig verantwortlich, die Muslimbrüder verlangten eine internationale Untersuchung.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich noch am späten Freitag Abend besorgt über die Lage in Syrien. Ich bleibe tief besorgt wegen der sich verschlechternden Lage in Syrien, wo seit März vergangenen Jahres Tausende ihr Leben verloren und Menschen weiterhin täglich getötet werden, sagte Ban am Freitag. Jede Gewalt sei unannehmbar und müsse sofort gestoppt werden.

Bei dem Selbstmordanschlag in Damaskus gab es Dutzende Tote. dpa

Bei dem Selbstmordanschlag in Damaskus gab es Dutzende Tote.

Der Attentäter vom Freitag habe sich in einem dichtbesiedelten Arbeiterbezirk in der Nähe einer Schule in die Luft gesprengt, berichtete das staatliche Fernsehen. Es zeigte Bilder des Anschlagsorts mit Leichenteilen, Blutlachen, Trümmern und ausgebrannten Autos sowie schreienden Anwohnern, die sich gegen „Terroristen“ empörten.

Die Muslimbrüder forderten eine internationale Untersuchung, bevor «die Verbrecher die Beweise vernichten“. Sie machten Assads Sicherheitskräfte für den Anschlag verantwortlich. Die seit 1963 regierende Baath-Partei erklärte, dieser „Terrorakt“ sei Teil eines „Komplotts gegen Syrien“. Innenminister Ibrahim al-Schaar drohte, jedem, der die Sicherheit bedrohe, werde mit „eiserner Faust“ begegnet.

Allerdings zweifelten Oppositionelle, gegen die die Regierung seit Monaten mit aller Härte vorgeht, die offizielle Darstellung an. Die Führung unter Präsident Baschar al-Assad selbst habe den Anschlag begangen, um einen Kampf gegen Radikale und nicht gegen eine Demokratiebewegung vorzugaukeln. „Das ist geplanter, systematischer Staatsterrorismus“, sagte ein Sprecher der Freien Syrischen Armee, einem Verbund desertierter Soldaten.

Der Anschlag ereignete sich in dem zentral gelegenen, eher konservativ geprägten Stadtteil Maidan. Dort hatten sich zuletzt die Proteste gegen Al-Assad ausgeweitet. Ziel war offenbar ein Fahrzeug der Sicherheitskräfte: Das Staatsfernsehen zeigte Bilder eines ausgebrannten Polizeibusses, in dem Ausrüstung für Sondereinsatzkräfte zu sehen war. Anwohner berichteten, wegen der Freitagsgebete seien in Maidan mehr Sicherheitskräfte als sonst unterwegs gewesen. Auch Beobachter der Arabischen Liga waren am Tatort, filmten und machten sich Notizen.

In mehreren syrischen Städten gingen am Freitag erneut zehntausende Menschen auf die Straße. Sie warfen den Beobachtern der Arabischen Liga vor, das Blutvergießen bisher nicht gestoppt zu haben, und forderten eine Intervention der Uno. Allein auf dem Platz der Großen Moschee in Duma in der Region Damaskus demonstrierten nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 50.000 Menschen.

US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland erklärte, Washington verurteile den jüngsten Anschlag von Damaskus. Gewalt sei „nicht die richtige Antwort“ auf die aktuellen Probleme in Syrien.

Der regierungsnahe private Fernsehsender Dunia berichtete, ein Team der Beobachtermission der Arabischen Liga habe sich zum Anschlagsort begeben. Die Beobachter äußerten sich nicht zu ihren Erkenntnissen.

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