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15.11.2012

19:17 Uhr

Gewalttätige Proteste

Deutscher Konsul in Thessaloniki bedrängt

Aufgeladene Atmosphäre in Thessaloniki: Demonstranten schleudern dem deutschen Generalkonsul Kaffee entgegen. Athen und Kanzlerin Merkel verurteilten den Vorfall. Derweil holt sich das pleitebedrohte Land Geld am Markt.

Ein Demonstrant wirft Kaffee nach dem deutschen Generalkonsul in Thessaloniki, Wolfgang Hoelscher-Obermaier (rechts). dapd

Ein Demonstrant wirft Kaffee nach dem deutschen Generalkonsul in Thessaloniki, Wolfgang Hoelscher-Obermaier (rechts).

ThessalonikiAm Rande eines Treffens deutscher und griechischer Bürgermeister ist es im nordgriechischen Thessaloniki zu Zusammenstößen von Gemeindeangestellten mit der Polizei gekommen. Dabei wurden am Donnerstag Mitglieder der deutschen Delegation scharf angegangen. Dem deutschen Generalkonsul in Thessaloniki, Wolfgang Hoelscher-Obermaier, schleuderten Demonstranten Kaffee entgegen. Schließlich flüchtete er unter Polizeischutz, wie Videoaufnahmen zeigten. Die Lage entspannte sich am Nachmittag, verletzt wurde nach Krankenhausangaben niemand.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte die gewalttätigen Proteste. „Gewalt ist kein Mittel der Auseinandersetzung“, sagte Merkel in Berlin. Selbstverständlich müsse es aber möglich sein, friedlich zu protestieren. Nach einem Treffen mit dem französischen Ministerpräsidenten Jean-Marc Ayrault sagte sie, Deutschland und Frankreich seien sich einig, dass jetzt schnell der komplette Troikabericht für Griechenland vorgelegt werden müsse. Die Finanzminister der Eurozone sollten am Dienstag zu Entscheidungen kommen, wie die Milliardenlöcher im griechischen Haushalt geschlossen werden können.

„Jeder hat das Recht zu demonstrieren“, erklärte auch Hans-Joachim Fuchtel (CDU), der Griechenland-Beauftragte Merkels, dem griechischen Staatsradio zufolge nach dem Zwischenfall. Der griechische Innenminister Evripidis Stylianidis sagte im fernsehen: „Gewalttaten [...] gefährden jede Bemühung, das Land wieder auf die Beine zu stellen.“ Hoelscher-Obermaier führte die Ausschreitungen auf Missverständnisse am Vortag zurück.

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Fuchtel hatte am Mittwoch in Thessaloniki die Produktivität griechischer und deutscher Arbeitnehmer verglichen und erklärt, 1000 deutsche Arbeitnehmer leisteten die Arbeit von 3000 Griechen. Fuchtel ruderte danach zurück. Er habe es nicht so gemeint, wie es einige hätten verstehen wollen. Er habe viele tüchtige Arbeitnehmer in griechischen Kommunen kennengelernt. Hoelscher-Obermaier sagte, die deutsch-griechische Kooperation von Kommunalpolitikern schaffe täglich „3000 neue Freundschaften“.
Kurz vor ultimo konnte sich Griechenland am Donnerstag bei Privatanlegern ausreichend kurzfristige Finanzmittel besorgen, um eine schnelle Staatspleite abzuwenden. Athen nahm mit vier- und 13-wöchigen Schuldtiteln rund 940 Millionen Euro auf. Am Dienstag hatte das Land bereits kurzlaufende Papiere für 4,06 Milliarden Euro am Markt unterbringen können. Damit galt die zum Wochenende fällige Tilgung von fünf Milliarden Euro Schulden als gesichert.

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Griechenland benötigt das Geld dringend, da sich die Auszahlung der seit Juni ausstehenden Hilfstranche aus dem zweiten Rettungspaket weiter verzögert. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte zum Treffen der Eurogruppe am Dienstag: „Wir brauchen eine Lösung, die für Griechenland ein Stück weit hält.“ Beim Führungstreffen Wirtschaft der „Süddeutschen Zeitung“ warnte er jedoch zugleich vor übertriebenen Erwartungen.


Von

dpa

Kommentare (16)

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RechtSo

15.11.2012, 20:14 Uhr

Einerseits freue ich mich, daß Vertreter unserer Regierung, die ihr eigenes Volk ignoriert (so wie die Syrer Krieg gegen das EIGENE Volk führen), nun ihr (Griechen-) Fett ab bekommen.
Fast könnte man hoffen, daß sie jetzt nicht mehr so verschwenderisch mit unserem Geld umgehen.

Aber andererseits ist das linke Politiker-Gesindel vor Gewalt von der Straße noch von jeher in die Knie gegangen.Wir staatstragenden Zahle-Idioten sind denen egal, aber wenn Proletarier aller Länder sich verbünden und Molotow-Cocktails werfen ... ja, dann ist es Zeit, NACHZUGEBEN.

Ich wette ein kleines Bier, daß Merkel noch in der nächsten Woche neue Zugeständnisse macht - auf unsere Kosten, natürlich.

hoellenfahrt

15.11.2012, 20:16 Uhr

Was soll dieses verstaubte "verurteilen" wenn Merkel und "Athen" nicht dazu fähig scheinen, von den geflüchteten Millionären in London und Genf die fehlenden Steuermilliarden hinein zu holen sondern sich als Europadiktatoren aufzuspielen, die die kleinen, wehrlosen Leute ausnehmen!! Die fliegende Kaffeetasse war erst der Anfang - es wird härter. Mit jedem Monat, Quartal, Halbjahr. Bald werden "Geschäftsberichte" der aktiven Demonstanten gegen die korrupte Machtelite in Brüssel veröffentlicht. Quartal für Quartal.

nobum

15.11.2012, 21:08 Uhr

Griechenland hat 10 x soviel Beamte und Angestellte/Einwohner im öffentlichen Dienst wie Deutschland. Wenn dann die Troika kommt und Kündigungen verlangt ist es verständlich, dass diese Gruppe nervös wird und mit Kaffee wirft.

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