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27.01.2013

09:45 Uhr

Gewaltwelle in Ägypten

Tödliche Krawalle nach Urteil wegen Fußballmassaker

21 Angeklagte wurden wegen des Blutbads in einem Fußballstadion zum Tode verurteilt. Nach der Urteilsverkündung kam es zu Ausschreitungen, mindestens 30 Menschen starben, darunter auch Polizisten. Die Gewalt eskaliert.

Gericht verhängt 21 Todesurteile nach Fußballkrawalle

Video: Gericht verhängt 21 Todesurteile nach Fußballkrawalle

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Kairo/Port SaidEin Todesurteil gegen 21 Fußballfans wegen eines Blutbads im Fußballstadion von Port Said hat in Ägypten neue Gewaltausbrüche provoziert. Die Zahl der Toten steigt. Mindestens 30 Menschen wurden getötet, als eine wütende Menge vor einem Gefängnis der Hafenstadt randalierte und die Freilassung der Häftlinge forderte und später zwei Polizeiwachen stürmte. Zudem wurden Hunderte weitere verletzt, wie der Direktor der örtlichen Krankenhäuser, Abdel-Raham Farah, am Samstag mitteilte. Unter den Todesopfern waren demnach auch zwei Polizisten und zwei Fußballer, die erschossen wurden.

Wenige Stunden zuvor war ein Teil der insgesamt 73 Angeklagten zum Tode verurteilt worden. Das Urteil für die 52 übrigen Beschuldigten soll am 9. März verkündet werden, wie Richter Sobhi Abdel Maguid in einer live im Fernsehen übertragenen Erklärung sagte.

Die Sicherheitskräfte setzten ihrerseits Tränengas und Gummigeschosse ein. Die ägyptische Nachrichtenagentur Mena berichtete, die Armee sei nach Port Said entsandt worden, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Bereits am Freitag, dem zweiten Jahrestag der Revolution gegen den früheren Staatschef Husni Mubarak, war es in Ägypten zu schweren Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden mindestens sieben Menschen getötet, rund 500 verletzt. In der Nacht zum Samstag ließ die Regierung dann Panzer auffahren. Besonders schwere Gewaltausbrüche ereigneten sich in der Stadt Suez.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) reagierte besorgt auf die neue Gewaltwelle. Deutschland sei bereit, den langen und auch schwierigen Transformationsprozess in Ägypten tatkräftig zu unterstützen, sagte er. „Der Besuch von Präsident (Mohammed) Mursi in Berlin in wenigen Tagen ist eine sehr gute Gelegenheit, darüber intensiv zu beraten.“

Chronologie: So eskalierte die Lage in Ägypten

22. November 2012

Dem Verfassungsgericht spricht Mursi die Kompetenz ab, über die Rechtmäßigkeit des von Islamisten dominierten Verfassungskomitees zu entscheiden. Zugleich sichert er sich selbst das letzte Wort in praktisch allen politischen Fragen.

23./24. November 2012

Die Empörung unter Mursis politischen Gegnern wächst. Hunderttausende gehen auf die Straße. Auch Ägyptens Richter protestieren, doch Mursi bleibt hart.

28. November 2012

Die zwei höchsten Berufungsgerichte des Landes stellen aus Protest ihre Arbeit ein.

2. Dezember 2012

Unter dem Druck Tausender islamistischer Demonstranten stellt das ägyptische Verfassungsgericht seine Arbeit ein. Anhänger von Mursi umstellen das Gebäude und blockieren die Zugänge. Das Gericht wollte über eine Auflösung der Verfassunggebenden Versammlung entscheiden.

4. Dezember 2012

Mehrere einflussreiche Zeitungen stellen aus Protest ihr Erscheinen ein. Die Gewalt eskaliert erneut, die Polizei setzt Tränengas gegen Zehntausende Demonstranten in Kairo ein.

5. Dezember 2012

Vor dem Präsidentenpalast in Kairo kommt es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern des Präsidenten. Mindestens fünf Menschen kommen ums Leben, 600 werden verletzt.

6. Dezember 2012

Die Streitkräfte lassen Panzer vor dem Präsidentenpalast auffahren. In einer Rede an die Nation ruft Mursi seine Gegner zum Dialog auf, hält aber am Verfassungsreferendum fest.

15./ 16. Dezember 2012

In zehn Provinzen beginnt die erste Abstimmungsrunde über den Verfassungsentwurf. Die Opposition wirft den Islamisten Manipulation vor und fordert eine Wiederholung.

11. Dezember 2012

Wieder gehen Zehntausende Menschen auf die Straße und protestieren gegen den Verfassungsentwurf. Anhänger der Regierung demonstrieren ihre Unterstützung für die neue Verfassung.

12. Dezember 2012

Die ägyptische Opposition ruft ihre Anhänger auf, bei dem bevorstehenden Referendum über den Verfassungsentwurf mit Nein zu stimmen. Der Richterverband will die Abstimmung nicht überwachen.

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