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10.01.2014

19:03 Uhr

Gewaltwelle

Zentralafrikas Übergangspräsident tritt zurück

Seit Monaten leiden die Menschen in Zentralafrika unter religiös motivierter Gewalt. Ein Viertel der Bevölkerung ist auf der Flucht. Als Verantwortlicher gilt Übergangspräsident Djotodia. Nun tritt er zurück.

Die Bürger feiern den Rücktritt des Interimspräsidenten Michel Djotodia. AFP

Die Bürger feiern den Rücktritt des Interimspräsidenten Michel Djotodia.

BanguiKnapp ein Jahr nach seinem Putsch in der Zentralafrikanischen Republik ist Interimspräsident Michel Djotodia zurückgetreten. Der Schritt folgte auf Druck der Nachbarländer. Die regionale Staatengemeinschaft CEEAC warf Djotodia am Freitag vor, die religiös-motivierte Gewalt in seinem Land nicht in den Griff bekommen zu haben. Auch Ministerpräsident Nicolas Tiangaye trat zurück. In der Hauptstadt Bangui brach daraufhin Jubel aus.

Bei Auseinandersetzungen zwischen muslimischen Rebellen und christlichen Bürgerwehren waren in den vergangenen Monaten Hunderte Menschen getötet worden. Wer das Land künftig führen soll, ist noch unklar. Gespräche dazu sollen demnächst in Bangui stattfinden.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Entscheidungsträger in dem Land auf, rasch Schritte zu ergreifen, um Sicherheit und Ordnung wiederherzustellen. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sagte, den Rücktritt von Djotodia und Tiangaye nehme man „zur Kenntnis“. Es sei nun am Nationalen Übergangsrat, so schnell wie möglich eine neue Führung für das Land zu bestimmen.

Frankreich werde die Menschen im Land weiter unterstützen, um eine dauerhafte Lösung für die Krise zu finden. Die frühere Kolonialmacht Frankreich hatte wegen der eskalierenden Gewalt im Dezember Truppen zur Unterstützung der bereits in dem Land stationierten Soldaten der Afrikanischen Union entsandt.

Wegen der blutigen Gewalt sind in dem bitterarmen Land rund eine Million Menschen auf der Flucht, ein Viertel der Bevölkerung. Deren Lebensumstände sind Beobachtern zufolge verheerend.

Der Präsident des Tschad, Idriss Déby, hatte Djotodia bei dem CEEAC-Treffen in N'Djamena mit deutlichen Worten aufgefordert, die Verantwortung für das Krisenland in andere Hände zu legen. „Diejenigen, die für den politischen Übergang verantwortlich sind, haben versagt und die Erwartungen der Zentralafrikaner nicht erfüllt“, sagte Déby nach einem Bericht des französischen Senders RFI.

Djotodias Rebellenbündnis Seleka hatte vor zehn Monaten bei einem Staatsstreich den damaligen Präsidenten François Bozizé gestürzt. Jedoch ist es ihm nicht gelungen, Ordnung und Frieden in dem Land herzustellen.

Erst am Donnerstagmorgen hatten Seleka-Kämpfer in dem Ort Boyali nordöstlich von Bangui einen Christen bei lebendigem Leib verbrannt und mehrere weitere verletzt. Die Tat war vermutlich ein Vergeltungsakt für den Tod von 40 Muslimen. Sie waren am Mittwoch von christlichen Bürgermilizen getötet worden.


Von

dpa

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